Erkans Hauptgericht: Ravioli, Rote-Bete-Püree mit Schweinefilet in Zitronensoße Foto: privat

Onur Erkan wurde als „bester Nachwuchskoch“ eines Wettbewerbs der Gruppe Ringhotels ausgezeichnet. Der 20-Jährige lernt im Herrenberger Hotel-Gasthof Hasen – und dort liebt er quasi alles.

Man stelle sich vor, man erhält die Aufgabe, ein Drei-Gänge-Menü zu kreieren. Wie das Menü aussieht, steht nicht fest. Nur, dass es folgende Zutaten enthalten sollte: Forelle, Schweinefilets und Schokolade. Während die meisten vermutlich ziemlich ratlos aus der Wäsche schauen würden, hat Onur Erkan aus Herrenberg aus dieser recht spärlichen Vorgabe ein echtes Gourmet-Menü gezaubert: gebeizte Forelle in Möhren-Orangen-Honig-Fond. Eigelb-Ravioli und Rote-Pete-Püree mit Schweinefilet in Zitronensoße. Orangenküchlein, in Orangenlikör getränkt mit Schokocreme, Orangenwassereis und Mandel-Crunch. Na, wem läuft das Wasser im Mund zusammen?

 

Die Jury des Ringhotel-Wettbewerbs „Koch- und Servicetalente“ hat Onur Erkan mit seiner Kreation jedenfalls überzeugt. Jedes Jahr suchen die Ringhotels, ein Zusammenschluss deutscher Privathotels, nach dem besten Nachwuchstalent in ihren eigenen Reihen. Onur Erkan, der sich im zweiten Ausbildungsjahr beim Herrenberger Hotel-Gasthof Hasen befindet, hat sich den Titel als bester Nachwuchskoch mit seiner kulinarischen Umsetzung verdient.

Besonders dankbar ist der 20-Jährige hierfür seinem Chef. „Wir standen in engem Austausch und haben uns das Menü zusammen überlegt“, erzählt er. „In den Betriebsferien durfte ich sogar die Küche nutzen, um Probe zu kochen, was echt cool war.“

Insgesamt acht Mitstreiter hatten sich um den Titel beworben. Neben der Vorgabe, welche Zutaten das Menü enthalten sollte, bekamen die Nachwuchsköche auch einen Warenkorb bereitgestellt, in dem sich die Zutaten befanden, die sie verwenden durften. Das Menü durfte man sich also durchaus vorab überlegen – und deshalb auch Probe kochen. Während des Wettbewerbs mussten die Speisen allerdings innerhalb weniger Stunden fertig sein. „Das war ziemlich stressig“, fand Onur Erkan. „Vor allem, weil wir keine Lebensmittel verschwenden durften.“

Doch Stress ist das Kochtalent mittlerweile gewöhnt. In einer Hotelküche geht es nämlich häufig ziemlich hektisch zu. „Bevor ich mit der Ausbildung begonnen habe, habe ich mir nie Gedanken darüber gemacht, wie viel Arbeit hinter so einem Essen steckt“, erzählt der Herrenberger. Man sehe immer nur die Kellner, die die vollen Teller bringen, denke aber nicht an die die Küche, die die Gerichte zubereitet. „Dabei stehen da Leute, die zwölf Stunden durchschuften – einfach, weil sie Bock draufhaben.“

Wenn man Onur Erkan fragt, dann ist der Beruf als Koch kein Job, den man wegen des Geldes macht. Sein nüchternes wie klares Fazit – im zweiten Lehrjahr: „Wer Koch wird, der macht das aus Leidenschaft.“ Dass Erkan Leidenschaft besitzt, hat er nicht nur während des Wettbewerbs gezeigt. Auch im Gespräch mit unserer Zeitung kommt er aus dem Schwärmen kaum noch heraus. „Kochen ist wie Zaubern“, findet er. „Mit den simpelsten Lebensmitteln kannst du die leckersten, schönsten Speisen zubereiten.“ Wenn dann auch noch die Chemie im Küchenteam stimmt, sei alles perfekt.

Das Nachwuchstalent liebt Team und Arbeit

In der Küche des Hotel-Gasthof Hasens hat Onur Erkan quasi eine zweite Familie gefunden. Das Schnibbeln, Brutzeln und Anrichten ist viel mehr als Job. „Wir verstehen uns alle super“, sagt er. „Nach der Arbeit hören wir oft noch zusammen Musik, schnacken und räumen gemeinsam auf – ich fühle mich dort richtig wohl.“

Kaum zu glauben, dass Koch zu werden eigentlich gar nicht Onur Erkans ursprüngliches Ziel war. Nach seinem Schulabschluss hatte er nämlich eine Fachausbildung als Wirtschaftsinformatiker absolviert, die er durch ein Studium erweitern wollte. Während der ersten Wochen als Student stellte Onur Erkan allerdings fest, dass ein Studium so gar nichts für ihn ist. „Also habe ich mir überlegt, was ich eigentlich vom Leben will“, meint er. Offenbar kochen, das ihm zumindest nie ganz fernlag.

Papa zunächst etwas enttäuscht – Sohn sollte studieren

Gekocht hat Onur Erkan nämlich schon immer gern. „Mehr oder weniger professionell“, grinst er. Und da sein Bruder ebenfalls eine Ausbildung im Hotel Hasen absolviert hatte, bewarb sich Erkan für ein Praktikum – mit Folgen. „Dort habe ich mich direkt in die Leute und den Beruf verliebt.“ Sein Vater sei allerdings von der Berufswahl anfangs nicht begeistert gewesen. „Er wollte, dass ich studiere“, schmunzelt Onur Erkan. „Mittlerweile versteht es aber.“

Wenn einem etwas Spaß macht, stellt sich schließlich bekanntermaßen auch irgendwann der Erfolg ein. Wer im Hotel-Gasthof Hasen essen geht, kann deshalb nun den Wanderpokal mit Onur Erkans Namen bestaunen – und vielleicht sogar ein Gericht des Nachwuchstalents probieren.

Bundesweite Einkaufsgemeinschaft

Ringhotels
 Die Hotelkooperation Ringhotels gibt es seit mehr als 50 Jahren. Ziel der Gründer war es nach eigenen Angaben, einen Gegenpol zu den großen internationalen Hotelgesellschaften auf dem deutschen Markt zu bilden. Drei Einkaufsgenossenschaften, genannt „Einkaufsringe“, aus Niedersachsen, Baden-Württemberg und Niederbayern schlossen sich zu einer Hotelkooperation zusammen. So entstand der Name „Ringhotels“.

Wettbewerb
 Die Ringhotels vereinigt Hotels im mittleren und gehobenen Hotelsegment. Bei den meist familiengeführten Betrieben finden sich Tagungshotels ebenso wie Ferien- oder Wellnesshotels. Allein in Baden-Württemberg gibt es ein Dutzend Ringhotels. Unter allen wurde der Wettbewerb „Koch- und Servicetalente“ ausgelobt.