Nicola Wulf hat sogar in ihrem Garten einen Parcours aufgebaut. Foto: Werner Kuhnle

Nicola Wulf aus Steinheim an der Murr ist noch Teenager und doch schon die Nummer eins der hiesigen Ninja-Damen. Nun will sie auch die USA aufmischen, das El Dorado des spektakulären Sports.

Die Ninja-Saison im Fernsehen wird am Freitag, 13. Oktober, wieder eröffnet. Wagemutige Athleten hangeln sich von Stange zu Stange, klettern an schmalen Leisten entlang und balancieren über schwingende Bälle. Zuhause in Steinheim wird wahrscheinlich auch Nicola Wolf vor dem Bildschirm mit den Sportler mitfiebern, die die aberwitzigsten Hindernisse bezwingen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Zuschauern hätte sie aber sogar gute Chancen, die TV-Show „Ninja Warrior Germany“ in der Damen-Konkurrenz selbst zu gewinnen. Für eine Teilnahme war sie aber noch zu jung. Doch Nicola Wulf zählt mit ihren 16 Jahren längst zur Creme de la Creme des Sports.

 

An der Spitze der Rangliste

Im deutschsprachigen Raum dürfte die Jugendliche, die das Friedrich-Schiller-Gymnasium (FSG) in Marbach besucht, vermutlich sogar schon die Nummer eins sein. Jedenfalls nimmt sie diese Position aktuell in einer Rangliste ein, aus der die Ergebnisse der stärksten Wettkampfresultate eines Jahres einfließen. Das Grundprinzip erinnert dabei ein bisschen ans Tennis: Je qualitativ hochwertiger das Feld bei einem Event besetzt ist, umso mehr Punkte lassen sich ergattern. Hinter Nicola Wulf reihen sich eine Menge Namen ein, die in der Szene bereits echte Stars sind wie Viktoria Krämer, Arleen Schüßler oder Astrid Sibon.

Ein weiterer Beleg für ihr Ausnahmetalent ist der Umstand, dass sie sich in ihrer Alters- und der in Deutschland höchst möglichen Leistungsklasse für die Weltmeisterschaft qualifizieren konnte. Im April 2023 hob der Flieger mit Nicola Wulf an Bord in Richtung USA zu den Titelkämpfen in Austin, Texas ab. „Dafür hatte ich eine Schulbefreiung bekommen“, erinnert sie sich zurück. Die junge Steinheimerin bedankte sich für das Entgegenkommen der FSG-Leitung auf ihre Weise: Indem sie die ganze Konkurrenz hinter sich ließ und somit den Sieg mit nach Hause brachte.

Doch diese Leistung kommt nicht von ungefähr. „Ihr Leben besteht zu 100 Prozent aus Ninja“, sagt Nicolas Mutter Anita Wulf. An Wochenenden oder schulfreien Tagen setzt sie sich in den Zug, fährt rund drei Stunden, um ins Stuntwerk nach Senden bei Ulm zu gelangen. „Das ist die beste Ninja-Halle europaweit mit den meisten Hindernissen aus anderen Ländern und nicht nur mit den Standardhindernissen“, schwärmt die Jugendliche. Dort trainiert sie ein paar Stunden, ehe es abends wieder zurückgeht.

Eigener Parcours im Garten

Ihr Jugendzimmer ist zudem schon seit geraumer Zeit bestückt mit Geräten, an denen sie ihre Fertigkeiten verbessern kann. Wenn man so will, schläft Nicola also sogar in ihren eigenen kleinen Ninja-Halle. Irgendwann war der Platz dort aber erschöpft. Zudem trieb Anita Wulf die Sorge um, dass ihre zu immer größeren Sprüngen ansetzende Tochter bei einer Übung zu viel Fahrt aufnimmt und aus dem Fenster stürzt. Also bauten die Wulfs auf ihrem Grundstück im Freien einen Parcours auf. „Dabei hatte ich immer gesagt, so was kommt mir nicht in den Garten“, sagt Anita Wulf mit einem Schmunzeln. Einen eigenen kleinen Hindernispark zu installieren, sei aber inzwischen fast schon Standard bei den Spitzenkönnern der Branche, betont sie.

Die Teile, die dort verbohrt und befestigt werden, sind allesamt nicht von der Stange. Im Hause Wulf setzt man auf Marke Eigenbau. Erst lag dieser Part ausschließlich bei der handwerklich begabten Mama, inzwischen hat die Tochter beim Hämmern, Sägen und Schrauben das Zepter übernommen. Die Inspiration für die Unikate holt sie sich aus Videoclips. „Ich schaue Wettkämpfe weltweit an. Dann schaue ich, welche neuen Hindernisse es gibt und wie ich das umsetzen kann“, erzählt die Steinheimerin. Die heißesten Trends würden dabei in den USA gesetzt, von wo sie langsam über den großen Teich bis nach Deutschland schwappten.

Die Vereinigten Staaten sind für Nicola Wulf aber auch deshalb ein Sehnsuchtsort, weil dort in ihrer Sportart alles ein bisschen größer und schwieriger ist, sich die Besten der Besten messen. Insofern möchte sie zwar nach wie vor bei „Ninja Warrior Germany“ mitmischen. Doch ihr Hauptziel, anders als noch vor wenigen Jahren, ist das nicht mehr. Ihr größter Wunsch ist mittlerweile, sich weltweit sportlich mit den Ninja-Meistern zu duellieren, speziell auch in den USA. „Da gibt es viele coole Hallen. Ich würde deshalb gerne eine Rundreise machen und bei ein paar Wettkämpfen antreten“, sagt sie.

Das große Idol getroffen

Zittrige Knie vor Aufregung hätte Nicola Wulf dann wohl nicht. Sie ist mit vielen Stars der Szene vernetzt, mitunter auch befreundet. Selbst ihr großes Idol, die Australierin Olivia Vivian, hat sie schon getroffen. Beide traten bei einem Wettkampf unter Extrembedingungen an: Es ging in der Schweiz durch einen Parcours unter einer Brücke, die 200 Meter über dem Erdboden aufgespannt ist. Gesichert waren die Athleten lediglich mit einem Bungeeseil.

Nicola Wulf hilft inzwischen auch mit, dass der Quell an Ninja-Nachwuchs nicht versiegt. Sie trainiert Kids zwischen acht und 13 Jahren in ihrem Garten, Kurse bietet sie zudem über die SG Schorndorf an. Logisch, dass sie beruflich ebenfalls dem Sport verbunden bleiben möchte, am liebsten, indem sie eine eigene Ninja-Halle eröffnet. „Das wäre mein Traumjob“, sagt die Jugendliche mit leuchtenden Augen.

Wo man Ninja-Sport sehen und ausüben kann

Eindruck
Nicola Wulf ist auch auf Instagram aktiv. Unter Ninja_Nicola07 kann man sehen, was sie auf dem Kasten hat, und bekommt einen Eindruck davon, welche Hindernisse in ihrem Sport überwunden werden müssen. Wer selbst einmal durch einen Parcours turnen möchte, kann sein Glück zum Beispiel in der Ninja- und Boulder-Halle Active Garden in Waiblingen probieren.

Wettkampf
In der TV-Show „Ninja Warrior Germany“ treten viele der besten Athleten des Landes gegeneinander an. Die neue Staffel startet am Freitag, 13. Oktober, um 20.15 Uhr auf RTL.