Gut drauf: Gotthilf Fischer 2001 bei der Loveparade in Berlin Foto: AP

Ehrenmann/Ehrenfrau ist das Jugendwort des Jahres 2018. Der legendäre Chorleiter Gotthilf Fischer (90) versucht zu erraten, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Stuttgart - Ehrenmann beziehungsweise Ehrenfrau ist das Jugendwort des Jahres 2018. So werde jemand bezeichnet, der etwas Besonderes für einen tut, erklärte der Langenscheidt-Verlag am Freitag in München. Eine 21-köpfige Jury hatte das Wort gewählt. Der legendäre schwäbische Chorleiter Gotthilf Fischer (90) versucht im Interview zu erraten, was sich hinter dem Begriff verbirgt.

Herr Fischer, dürfen wir Sie als jung gebliebenen Neunzigjährigen mit dem Jugendwort des Jahres belästigen?

Nur her damit. Womöglich kannte man es ja auch schon zu meiner Zeit.

Das Jugendwort des Jahres 2018 lautet „Ehrenmann/Ehrenfrau“.

Sehen Sie, da lag ich gar nicht so falsch. Der Begriff war wohl etwas aus der Mode gekommen. Aber offenbar kommt alles irgendwann wieder. Ich habe im Laufe meines Lebens schon viele Ehrenmänner und Ehrenfrauen kommen und gehen sehen. Aber beim neuen Jugendwort fragt man sich auch: Sind die Jungen heut’ schon so alt?

Nach der Jugendwortdefinition meint ­Ehrenmann/Ehrenfrau eine Person, die etwas Besonderes für einen tut. Entspricht das auch Ihrem Verständnis?

Nicht ganz. Jemand, der etwas Besonderes für mich tut, ist für mich erst mal ein Freund oder eine Freundin. Aber womöglich freut es die Jungen ja, dass der Begriff ein bissle altmodisch klingt. Für mich sind Ehrenmänner und Ehrenfrauen Menschen mit Haltung. Menschen, die nicht so leicht zu verbiegen sind und nicht bei jeder Gelegenheit ihr Fähnchen in den Wind halten. Menschen, auf die man sich verlassen kann. Wenn man in die Jahre kommt, weiß man, wie wichtig das für einen ist.

Gut im Rennen war auch der Begriff Lauch.

Auch schon gehört, nicht nur am Gemüse­regal vom Supermarkt. Für mich ist ein Lauch ein dünner Typ, ein Spargel, wie man hierzulande auch sagt.

Lauch steht in der Jugendsprache für Trottel.

So würde ich das nicht sehen. Einer, der schmal von Statur war, muss ja nicht blöd sein. In jungen Jahren war ich auch mal ein Lauch. Als Lauch war ich ein ganz passabler Sportler.

Unter die ersten Zehn kam auch verbuggt. Können Sie sich darunter etwas vorstellen?

Verbuggt und zugenäht, nein, das ist mir nicht geläufig. Im Alter kriegt man einen Buckel, ob das was mit verbuggt zu tun hat, keine Ahnung. Verbuggt könnte natürlich auch mit den Englischen Book, dem Buch zu tun haben. Einer, der zum falschen Buch gegriffen hat, ist verbuggt. Oder wenn ich beim Ausfüllen von Kontoauszügen einen Fehler mache, dann habe ich mich verbuggt. Ist ­etwa das gemeint?

Nicht ganz, Herr Fischer. Aber die Richtung ist nicht schlecht. Verbuggt bedeutet „voller Fehler“, „falsch gestrickt“. „Du bist verbuggt“ heißt „Du nervst“.

In diesem Fall würde ich „Du gehst mit auf den Senkel“ vorziehen. Sack soll man ja nicht sagen.

Uns hat in der Liste „breiern“ noch ganz gut gefallen, das es aber leider nicht in die Endausscheidung zum Jugendwort des Jahres 2018 geschafft hat.

Breiern? Hat das was mit Brei zu tun?

Nicht übel, Herr Fischer. In dem Wort stecken Brechen und Feiern.

Keine schlechte Idee. Das leuchtet mir ein. Aber in meiner Zeit wurde zuerst gefeiert und dann gebrochen. Insofern stimmt die Reihenfolge nicht so ganz. Aber vielleicht läuft das heutzutage ja anders herum. Manche haben sich nach dem Feiern auch damit begnügt, einfach aufzubrechen.

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