Das Mörike-Gymnasium Esslingen ist als „Lernort für Demokratie“ ausgezeichnet. Schulleiterin Gerda Eller, Lehrerin Jessica Mandler, Schülersprecher Alexander Halm, stellvertretende Schülersprecherin Hannah Mehrle, Lehrer Holger Hartlieb und Thomas Rathgeb von der Landesanstalt für Kommunikation (von links). Foto: privat

Gleich zwei Esslinger Schulen, das Mörike-Gymnasium und das Georgii-Gymnasium, wurden als „Lernort für Demokratie“ ausgezeichnet. Die Jugendstiftung Baden-Württemberg hat die Plaketten zum ersten Mal verliehen.

Dieser Satz ist bekannt: „Demokratie ist die schlechteste aller Regierungsformen – abgesehen von all den anderen Formen, die von Zeit zu Zeit ausprobiert worden sind.“ Er wird dem britischen Premierminister Winston Churchill zugeschrieben. Gemeint hat er wohl, dass Demokratie zwar nicht perfekt, aber dennoch die beste Staatsform ist. Ein Selbstläufer ist sie sicher nicht. Der Aufstieg rechtspopulistischer Parteien und das schwindende Vertrauen in das politische System weisen darauf hin, dass die Demokratie in der Krise steckt. Einer der wichtigsten gesellschaftlichen Orte, an dem Demokratie vermittelt werden kann, ist die Schule. Die Jugendstiftung Baden-Württemberg hat deshalb das Projekt „Lernort für Demokratie“ ins Leben gerufen. Erstmals haben jetzt landesweit elf Schulen diese Plakette überreicht bekommen.

 

Beworben hatten sich gut doppelt so viele. Dass unter den Ausgezeichneten mit dem Mörike-Gymnasium und dem Georgii-Gymnasium gleich zwei Esslinger Schulen sind, ist deshalb umso bemerkenswerter.

Viel Zustimmung unter den Mörike-Schülern

Am Mörike-Gymnasium ist die Demokratiebildung fest im Leitbild der Schule und im Schulleben mit vielen Aktionen fest verankert. Vieles läuft so vorbildlich ab, dass die Schule von der Jugendstiftung ausgewählt wurde, ihre Leitbild-Arbeit vorzustellen. Seit dem Schuljahr 2019/2020 verpflichtet der „Leitfaden Demokratiebildung“ des Kultusministeriums alle Schulen im Land, dass sie demokratische Teilhabe im Unterricht, im Schulalltag und bei außerschulischen Aktivitäten thematisieren. „Wir sind in der Umsetzung extrem weit“, sagt die Lehrerin Jessica Mandler, die am Mörike für die Demokratiebildung zuständig ist. „Wir haben schon lange den Ansatz, Schülerinnen und Schüler und Eltern mit einzubeziehen.“ Dass die Schule jetzt als eine der Ersten ausgezeichnet wurde, sei Belohnung und zugleich Ansporn, den Weg weiterzuverfolgen.

Für die Bewerbung als Lernort musste die Schule nicht nur eine Bestandsaufnahme ihrer Aktivitäten machen. In einer Online-Umfrage wollte die Jugendstiftung von Schülerinnen und Schüler des Mörike auch wissen, wie sie die Mitbestimmung und den Umgang an der Schule einschätzen. Schulleiterin Gerda Eller freut sich, dass das Ergebnis so positiv ausfällt: „Unsere Wahrnehmung, was hier gut läuft, hat sich bestätigt.“

Schülerabstimmung zu Unisex-Toiletten

Die Leitbild-Arbeit sei kein „Papier-Tiger“, sagt Holger Hartlieb, ebenfalls Lehrer am Mörike-Gymnasium. Wie demokratische Teilhabe umgesetzt wird, zeigen allein zwei der jüngsten Projekte. So wird derzeit ein Lehrer-Feedback-Bogen entwickelt. Als weitere Idee stimmen die Schülerinnen und Schüler darüber ab, ob eine sanierungsbedürftige WC-Anlage im Erdgeschoss des Schulgebäudes künftig zu einer Unisex-Toilette umgebaut werden sollte. „Wir haben festgestellt, dass der Informationsbedarf groß ist und sich mit mehr Wissen die Entscheidung ändern kann“, sagt die stellvertretende Schulsprecherin Hannah Mehrle. Hartlieb hält das für eine wichtige Erkenntnis. „Eine Meinung setzt Wissen voraus. Demokratie kostet Zeit und macht Arbeit“, sagt er. Doch der Aufwand sei gut investiert. „Man identifiziert sich viel mehr mit der Schule, wenn das Klima gut ist“, bestätigt Schülersprecher Alexander Halm.

Kampf gegen Fake News am Georgii-Gymnasium

Auch am Georgii-Gymnasium hat Demokratiebildung seit Jahren einen hohen Stellenwert. So gab es zur Europawahl 2019 und zur Bundestagswahl 2021 eine Juniorwahl. Auch finden Workshops statt, etwa zum Thema „Fake News“ . Derzeit lassen sich Schülerinnen zum Vielfaltscoach ausbilden. Konrad Müller, der als Lehrer die demokratiebildenden Projekte am Georgii betreut, wird zudem mit Achtklässlern eine „wertschätzende Diskussionskultur“ einüben.