Ein gemeinsamer Besuch in der Wilhelma, das ist nur eine Idee von vielen, welche die Jugendlichen gesammelt haben. Foto: Factum-Weise

Die Mitglieder des Jugendrats wollen mit Kranken und Behinderten Zeit verbringen.

Plieningen/Birkach - Einfach mal in die Wilhelma gehen. Bei schönem Wetter durch den Zoo spazieren, mit einem Eis in der Hand und den Erdmännchen zuschauen. Was für manche kaum mehr bedeutet, als eine Fahrkarte aus dem Automaten zu ziehen, stellt andere vor ein nur schwer überwindbares Hindernis. Die einen, das sind die Mitglieder des Plieninger und Birkacher Jugendrats, elf Mädchen und Jungen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren. Die anderen sind behindert. „Das ist ein ernstes Thema, das sonst nicht angesprochen wird“, sagt Isabelle Wörner, die Vorsitzende des Jugendrates. Also wollen die Jugendlichen ein wenig Zeit mit Behinderten verbringen, ihnen helfen oder einfach nur zusammen Spaß haben. „Wir haben schon einige Ideen gesammelt“, sagt Wörner.

Nichts davon ist bislang konkret, es sind nur Überlegungen dazu, was machbar wäre. Der Ausflug in die Wilhelma ist eine der Ideen. Man könnte auch ins Kunstmuseum gehen. „Wir haben uns auch überlegt, dass wir zusammen kochen könnten“, sagt Wörner. In der Körschtalschule gebe es eine Küche, die sich eignen würde. „Das würde sich anbieten.“ Die Rektorin hat sie aber noch nicht gefragt. „Wir könnten sonst einfach nur Grillen und einen Nachmittag zusammen verbringen“, sagt sie.

Es ist normal, verschieden zu sein. Also sollte man sich auch so verhalten. So lässt sich kurz und knapp der Grundgedanke von Inklusion erklären. Und eben diesem Ziel hat sich das Projekt des Jugendrats verschrieben. Mit pädagogischen Fachbegriffen freilich lassen sich Jugendliche kaum locken, dafür umso mehr mit anschaulichen Beispielen. Die steuerte Folker Baur bei, der Vorsitzende des TV Plieningen, als er den Jugendlichen beim Organisieren ihres Fußballturniers vor einem Monat half. Er erzählte ihnen, was er nebenher – ehrenamtlich – mit Behinderten unternimmt. „Wir fanden das alles ganz gut“, sagt Wörner. Der Entschluss war schnell gefasst: Das wollen sie künftig auch machen.

Es geht um das gemeinsame Spielen

Im September werden einige Mitglieder des Jugendrates deshalb bei einer Sitzung vorbeischauen, bei der auch Baur regelmäßig ist. Thema ist, wie immer, die Inklusion. „Wir sind eine Arbeitsgruppe mit zehn bis zwölf Leuten“, sagt Baur. Mit dabei ist etwa Sylvie Schweizer vom Café Fröschle, einem Treff des sozialpsychiatrischen Dienstes in Birkach. Die Mitarbeiter dort begleiten psychisch kranke Menschen. Auch Joachim Ziegler ist in der Arbeitsgruppe. Er ist der Leiter der Plieninger Wohngemeinschaft des Behindertenzentrums Stuttgart. In der WG leben Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung. Die Demografielotsin Jutta Schüle kommt ebenso zu den Treffen wie der Bezirksvorsteher Edgar Hemmerich. „Das eine oder andere machen wir schon, und wir haben uns gedacht, dass auch der Jugendrat mitmachen könnte“, sagt Baur.

Der TV Plieningen etwa organisiert zusammen mit dem Café Fröschle Nordic Walking. Mit anderen wird Tischtennis gespielt, und das auch dann, wenn der Ball häufig im Netz landet. Schließlich geht es nicht um sportlichen Ehrgeiz, sondern um das gemeinsame Spielen. „Es kann schon reichen, dass man sich zwei Stunden Zeit nimmt und mal zusammen spazieren geht“, sagt Baur. Für ihn ist das selbstverständlich. „Die etwas Stärkeren unterstützen die etwas Schwächeren.“

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