Personal- und Raumnot, Gebührenerhöhungen, Änderungen in der Bildungslandschaft: Die Einrichtung kämpft mit vielen Hindernissen, vor allem auch in der aktuellen Haushaltsdebatte.
„Es gibt viel Positives zu berichten.“ Dass Sibylle Lützner, Leiterin der Jugendmusikschule, mit diesen Worten in ihren Bericht über das Jahr 2023 einsteigen würde, war nicht unbedingt zu erwarten. Und im Verlauf ihres Vortrags wurde schließlich auch klar: Lützner freute sich im Sozial- und Kultusausschuss vor allem über das, was sie mit ihrer Einrichtung übers Jahr geleistet hat. Sie sprach schließlich aber auch deutlich die Probleme an, mit denen die Jugendmusikschule zu kämpfen hat. Und das sind wahrlich nicht wenige, auch angesichts der Tatsache, dass mit Blick auf die aktuellen Haushaltsberatungen im Bildungsbereich eine Kürzung von zehn Prozent der Ausgaben droht – der sich der Ausschuss allerdings nach Antrag der SPD mehrheitlich entgegenstellte.
Mehr Kinder, Jugendliche und Erwachsene als im Vorjahr
Zunächst: Was war gut im Musikschuljahr? 1442 Kinder und Jugendliche sowie 178 Erwachsene haben in diesem Jahr die Einrichtung besucht, insgesamt 116 mehr als im Vorjahr. 1828 Belegungen bedeuten außerdem 134 mehr als 2022. Es gab Preise in Wettbewerben, Kooperationen funktionieren auf bewährte Weise – und auch der Förderverein lässt sich nicht zweimal bitten, wenn es etwa um Instrumentenspenden geht. Das alles sorgte für ein Lächeln auf Sibylle Lützners Gesicht.
Allerdings sind diese Erfolge hart erarbeitet. Probleme gibt es allenthalben. Die Welt wird immer digitaler – es fehlt jedoch eine Person, die sich um Digitalisierungsfragen kümmert und die Lehrkräfte anleitet. Zum Beispiel funktioniert die App aufgrund von personellen Vakanzen noch nicht vollständig. Ohnehin ist die Personalfrage in der Jugendmusikschule fast allgegenwärtig.
In zwei Jahren die komplette Verwaltung gewechselt
Wie Sibylle Lützner berichtet, habe seit Januar 2021 sukzessive die komplette Verwaltung sowie die stellvertretende Schulleitung gewechselt. Auch hier habe es Vakanzen gegeben, eine Einarbeitung der neuen Kräfte sei so nicht möglich gewesen. Im Sekretariat falle zudem erneut eine Mitarbeiterin auf unbestimmte Zeit aus. Lützner spricht von „andauernder Überlastung“ und davon, dass „der ordnungsgemäße Betrieb der Einrichtung nicht mehr sicherzustellen ist“. Sie bittet die Verwaltung daher um eine „Erhöhung des Beschäftigungsgrades im Bereich Sekretariat/Assistenz um 20 Prozent“. Das sei auch deshalb notwendig, weil sich das Verhalten der Nutzerinnen und Nutzer stark verändert habe – und man immer häufiger auf teils kurzfristige Änderungs- und Wechselwünsche reagieren müsse.
Auch die Raumfrage gestaltet sich immer schwieriger
Auch bei den Räumlichkeiten muss die Jugendmusikschule aktuell kreativ sein. Die Kapazitätsgrenze sei erreicht und teilweise überschritten. Immer wieder müssten zum Beispiel Ensembleproben ausfallen, weil Räumlichkeiten für Schulen oder öffentliche Veranstaltungen benötigt werden.
In Sachen Kostendeckung stehen ebenfalls Änderungen ins Haus – in Form einer Gebührenerhöhung ab 1. September des kommenden Jahres. Notwendig werde das laut Lützner aufgrund der neuen Tarifverträge im öffentlichen Dienst. Der Sozial- und Kultusausschuss beschloss die Erhöhung einstimmig – inklusive der Maßgabe, sich mindestens alle zwei Jahre, wenn nicht gar in kürzeren Intervallen, die Gebühren genau anzusehen.