Unter anderem wurde auch an der Fils gedreht. Foto: /Marc Rufeis

Jedes Jahr wird im Reichenbacher Jugendhaus S11 ein Film gedreht. Das ist für Jugendliche und junge Erwachsene, ob vor oder hinter der Kamera, ein Stück Selbstverwirklichung.

Es ist ein großes Gefühl, sich selbst auf der Leinwand eines echten Kinos zu sehen. „Das war krass aufregend. Ich habe mich einfach gefreut, als ich mich gesehen habe“, sagt Ela Eraslan, die im Film „Beyond Death“ die Hauptrolle der Lia spielt. Gedreht wurde die Story in der Projektwoche „action!“ des Reichenbacher Jugendhauses S11 mit Kindern und Jugendlichen. Wie die anderen Beteiligten hat Ela dabei gelernt, dass viel Arbeit hinter einem Film steckt.

 

Zehn „Takes“ nacheinander, das kommt schon vor beim Drehen. Eine Szene wurde gar 16 Mal aufgenommen, erinnert sich Ambros Schück. Er leistet seinen Freiwilligendienst im S11, unterstützte beim Ton und hatte im Film eine kleine, stumme Rolle: Er ist als toter Vater in der Geschichte zu sehen. Andere Szenen waren nach dem ersten Mal im Kasten. Aber alles in allem war das Programm für eine einzige Woche „tatsächlich ordentlich“, sagt Marc Rufeis. Der Softwareentwickler ist Ehrenamtlicher im Jugendhaus und ambitionierter Hobbyfilmer.

Die Akteure konnten ihre Ideen einbringen

Zum ersten Mal hat er als elfjähriger Jugendhausbesucher im Jahr 2012 selbst an einer Kinderfilmwoche mitgewirkt. Ein paar Jahre später übernahm er den Platz hinter der Kamera und 2020 entstand aus dem Hobby das Filmlabel silkframe media, hinter dem Mediengestalter Fabian Kobs, Jugendhausleiterin Canan Agbaba und Rufeis stehen. Es entwickelt sich von Film zu Film weiter, drei Videos sind mittlerweile im S11 entstanden.

„Beyond Death“, das aktuelle Werk, kann jetzt auf silkframe-media.de online angeschaut werden. Die Mitwirkenden sind zwischen elf und 21 Jahre alt, Hauptdarstellerin Ela zählt zu den Jüngsten. Während in der Vergangenheit manchmal ohne vorgegebenen Text frei aufgenommen wurde, lag dieses Jahr ein detailliertes Drehbuch vor. Rufeis und Jugendhausleiterin Canan Agbaba haben daran schon im Vorfeld gearbeitet, die Akteure konnten aber trotzdem ihre Ideen einbringen. Sie wurden bei einem Casting ausgewählt, dann stand die Schauspielerei im Mittelpunkt. Die häufigste Rückmeldung sei gewesen: „Es kann sehr anstrengend sein. Aber es macht Spaß“, berichtet Rufeis.

Die Geschichte dreht sich um ein schweres und trauriges Thema, es geht um Verlust und Familie, um Ausgrenzung, Mobbing und das Erwachsenwerden. Erzählt wird ohne Längen, flott geschnitten und mit beachtlicher schauspielerischer Leistung, wobei einiges Lokalkolorit zu sehen ist: gedreht wurde an der Fils, der Realschule und in verschiedenen Straßenzügen von Reichenbach, aber auch an der Teck und am Aileswasensee.

Eine eigens für den Film komponierte Musik

Die Musik wurde eigens für diesen Film komponiert, Kobs und Rufeis konnten durch ihre Kontakte in der Szene jemanden gewinnen, der das unentgeltlich tat. Wichtig war auch die Unterstützung durch Sponsoren wie die Aktion Mensch und die Unternehmen Gress Heizungsbau und Backhaus Zoller, ebenso durch den Kreisjugendring Esslingen, der Träger des Jugendhauses ist.

Die „Vorpremiere“ für das Werk fand kürzlich im Traumpalast in Esslingen statt: ein tolles Erlebnis, vor allem für die rund 15 jungen Schauspielerinnen und Schauspieler, aber auch für das Team hinter der Kamera. Das denkt mittlerweile schon ans nächste Projekt, wie Marc Rufeis verrät: „Wir fangen dieses Mal schon im Januar oder Februar mit der Planung an.“