Das Jugendhaus Astergarten ist für viele Hemminger Jugendlichen Rückzugsort und Ersatzfamilie zugleich. Foto: factum/Granville

Die Verwaltung und die Sozialpädagogen sind sich einig: Ein Umzug des Jugendhauses wäre fatal.

Hemmingen - Sollte das Jugendhaus Astergarten umziehen? Und wenn ja, wohin? Diesen Fragen ist das Jugendhaus-Team im letzten Hemminger Verwaltungsausschuss nicht nur auf den Grund gegangen, sondern hat sie auch gleich selbst beantwortet: Ein Umzug würde dem sorgfältig aufgebauten Vertrauensverhältnis zu einigen sozial schwachen Jugendlichen enorm schaden. „Das würde den Jugendlichen signalisieren, dass ihr Engagement für den Astergarten nicht wertgeschätzt wird“, erklärte der Jugendhaus-Leiter Gregor Adam. Für viele sei das offene Haus nicht nur Rückzugsort, sondern auch wie eine zweite Familie, so Adam weiter.

Wenige Vorteile, viele Nachteile

Einige Gemeinderäte hatten im Rahmen der Haushaltsplanberatungen mit dem Gedanken gespielt, eventuell das Jugendhaus umzusiedeln in noch nicht genutzte Räume. Neben leerstehenden Räumen in der Hemminger Grund- und Werkrealschule wurde auch die Cafeteria der Schule in Betracht gezogen. Dabei könnte die Eingliederung der Jugendarbeit im Schulgebäude einige Vorteile mit sich bringen: So müssten die Jugendlichen nicht extra den Weg bis zum Jugendhaus auf sich nehmen, sondern könnten die Sozialpädagogen bereits während der Schulzeit oder direkt danach ansprechen. Auch würde das eine Mittagsbetreuung sowie die Bildung von Lerngruppen ermöglichen.

„Zigarettenstummel, Glasscherben und Flaschen, die von unseren Gästen liegen gelassen werden, sind eine Gefahr für die Kinder in der Grundschule“, sagte der Hausleiter Adam. Nachdem der Sozialpädagoge die Vorteile einer möglichen Umsiedlung aufgeführt hatte, lieferte er damit direkt die Gegenargumente. Neben der neuen Lärmbelästigung durch „Assi-Hiphop“ würden die Grundschulkinder auch die Jugendlichen selbst abschrecken, die ihre Freizeit nicht mit deutlich Jüngeren verbringen wollen. Zu sehr würden damit die Grenzen zwischen Schule und Freizeit verschwimmen. „Die Nähe zur Schule schreckt einfach ab“, warf auch der Jugendhausmitarbeiter Jens Konnerth ein.

Schule soll sich erholen

Die Folge: Die sozial schwachen Jugendlichen wandern ab und könnten so in die Kriminalität abrutschen. „Das Jugendhaus sollte dort bleiben, wo es ist“, bat Schulleiter Eberhard Kammerer den Aussschuss. Seine Schule habe endlich zur Ruhe gefunden und wolle die ungenutzten Räume für eine mögliche Vierzügigkeit oder eine Ganztagsschule reservieren. Dem stimmte nicht nur die Verwaltung, sondern auch die SPD-Fraktion zu: „Wir schätzen das Jugendhaus“, erklärte Wolfgang Stehmer. Auch sei es aus psychologischer Sicht nicht gut, wenn Jugendliche in ihrer Freizeit andauernd in der Schule seien. Auch die Freien Wähler gaben Kammerer Recht: Die Schule habe zu lange unter Platznot gelitten und brauche die Chance, sich zu erholen.

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