Svenja Schmidt-Rüdt, Elene Meipariani und Josefa Schmidt (von links) haben sich der klassischen Musik verschrieben. Foto: Gottfried Stoppel

Das Trio „Pirveli“ hat bei „Jugend musiziert“ abgeräumt. Zwei der jungen Talente sind bereits an der Musikhochschule als Jungstudentinnen eingeschrieben.

Remshalden/Winterbach - Die Finger von Josefa Schmidt stampfen düstere Akkorde aus dem Klavier, Elene Meipariani lässt ihre Violine schrill singen, Svenja Schmidt-Rüdt entlockt ihrem Cello klagende Töne. Dmitri Schostakowitschs Klaviertrio Nummer 2 ist schwere musikalische Kost. Das Werk stammt aus dem Jahr 1944 und ist einem Freund des Komponisten gewidmet, der 1944 während der Evakuierung von Novosibirsk starb. Es beginnt mit einem Trauermarschthema.

Den drei 18-jährigen Musikerinnen hat das Stück Glück gebracht. Denn im Mai haben Josefa aus Winterbach, Elene aus Remshalden-Rohrbronn und Svenja aus Filderstadt-Harthausen als Trio „Pirveli“ beim Bundeswettbewerb von Jugend musiziert in Kassel alle 25 zu erreichenden Punkte und so einen ersten Preis geholt. Und damit nicht genug: neben dieser Auszeichnung in der Kategorie Klavier-Kammermusik gab’s für „herausragende Leistungen“ des Trios noch einen Yamaha-Sonderpreis, die Violinistin Elene holte zudem einen ersten Preis in der Einzelwertung.

Es sind nicht die ersten Auszeichnungen, welche die jungen Frauen mit nach Hause bringen: Alle haben in den vergangenen Jahren immer wieder Höchstpunkzahlen bei Jugend musiziert erreicht. Elene bekam 2013 einen Förderpreis der Sparkassen Baden-Württemberg, Josepha gewann 2015 einen Preis beim internationalen Euregio Piano Award, Svenja bekam 2014 eine Auszeichnung beim Wettbewerb Violoncello im österreichischen Liezen.

Per Fernschule zum Abi – wegen der zeitintensiven Proben

Die Musik spielt im Leben der drei 18-jährigen eine große Rolle. „Meine Eltern sind Musiklehrer, es hat immer dazugehört, ein Instrument zu spielen, seit ich fünf Jahre alt bin“, erzählt Elene. Wie zur Bestätigung klingt von oben Musik: Ein anderes Familienmitglied übt gerade. Elenes Vater hat für das Trio, das nach langer Pause seit einem halben Jahr wieder zusammen spielt, die Rolle des Coaches übernommen. Er ist aber nicht der einzige Lehrer: Elene und Josefa sind als Jungstudentinnen an der Stuttgarter Musikhochschule eingeschrieben – Josefa seit dem vergangenen Jahr, Elene sogar seit dem zarten Alter von elf Jahren. Svenja reist für ihren Unterricht alle 14 Tage nach Berlin. Auch bei Josefa liegt die Begabung in der Familie. Ihre Geige spielende Schwester sei lange ein Vorbild gewesen, sagt sie. Dennoch: „Ich habe lange nicht ernsthaft musiziert. Vor rund drei Jahren musste ich dann in einem Trio für Jugend musiziert einspringen“, erinnert sich die Pianistin. Das war dann eine Initialzündung: „Ich musste zum ersten Mal richtig üben und hatte ein echtes Erfolgserlebnis, das hat mich richtig motiviert.“ Bei Svenja hat „irgendein Konzert“ den Ausschlag gegeben: „Danach wollte ich unbedingt Cello spielen.“

Viele Altersgenossen würden zum Musikmachen eher eine E-Gitarre oder Turntables bevorzugen, doch Svenja, Josefa und Elene leben für die Musik. Und zwar die Klassische. Ihre Helden heißen Beethoven, Haydn und Schubert. „Klassische Musik hat viel mehr Tiefe“, findet Elene, und Josefa ergänzt: „Mit dieser Musik kann man so viel aussagen, ganz ohne Text.“

Ende Juni zeichnet der SWR ein Konzert auf

Während zwei der Musikerinnen ganz reguläre Schulen besuchen – Josefa das Burggymnasium Schorndorf, Svenja die Waldorfschule Gutenhalde in Filderstadt – geht für die Geigenspielerin Elene die Liebe zur Musik sogar so weit, dass die das Abitur seit Oktober an einer Fernschule anstrebt. „Sonst wäre es mit dem Proben einfach zu viel geworden“, sagt sie. Denn vier bis fünf Stunden Training am Tag sollten es schon sein. Ähnlich wie bei einem Profisportler, der in Form bleiben muss.

Alle drei sind sich einig: Sie wollen nach dem Schulabschluss Musik studieren, als Musikerinnen arbeiten – und als Trio immer wieder gemeinsam musizieren. Schon jetzt werden sie regelmäßig für Auftritte gebucht, „auch wenn im Terminkalender noch Platz ist“, wie Elene augenzwinkernd meint. Konzerte zu geben mache übrigens noch mehr Freude als das Vorspielen bei Wettbewerben, findet Svenja: „Man hat Spaß am Spielen, die Leute gehen rein, weil sie sich aufs Zuhören freuen. Bei Wettbewerben sind alle immer so auf Konkurrenz aus“, sagt die Filderstädterin.

Zwei der Termine, die für die Musikerinnen auf jeden Fall feststehen, sind das Preisträgerkonzert von Jugend musiziert, das am 24. Juni in Karlsruhe stattfindet und sogar für das Radio aufgezeichnet wird. Der Region Stuttgart werden sie trotz ihres großen Erfolgs nicht verloren gehen: Im Januar 2017 spielen „Pirveli“ beim Neujahrskonzert in Winterbach.

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