Zum Jahresende geht Jürgen Ruoff in den Ruhestand: Dem umtriebigen Leiter des Verbandsbauamtes Großbottwar wird es nicht langweilig. Der Bauingenieur hat viel erlebt in seinem Beruf.
Fast übersieht man es. Zurückgesetzt von der Straße hinter Nachbarsbauten liegt das Haus der Ruoffs, aber dafür umso idyllischer. Eine fröhlich gelbe Fassade mit allerlei Pflanzen heißt Besuchende willkommen. Dahinter tut sich ein wildschöner Garten auf: „17 Ar, mein Eldorado!“, schwärmt Jürgen Ruoff, auf einem romantisch überwachsenen Weglein um die „Hacienda“ führend. So nennen er und seine Frau, Sonderpädagogin Monika Lesny-Ruoff, scherzhaft ihr Heim im hügeligen Erdmannhausen. Über einen Hügel hinab breitet sich auch ihr Goldland dschungelartig aus. Natur, nah und pur! Dort sprießt alles, was man zum Leben braucht, von Tomaten und Zucchini bis zu Beeren und gar exotischen Kiwis. „Wir können uns selbst versorgen, machen alles, was dazugehört, kochen auch Marmelade aus den Früchten, wecken ein und mehr“, sagt der Leiter des Verbandsbauamtes Großbottwar.
Letzteres ist er bald nicht mehr. Der 64-Jährige geht offiziell Ende des Jahres in den Ruhestand. Längst begonnen hat die Abschiedstournee durch die Kommunen. Und da wollen sich viele bedanken: Wer kommunalübergreifend arbeitet, der ist auch kommunalübergreifend bekannt. Ruoff war über acht Jahre Chef des Zweckverbands, für die technische Beratung, Entwicklung von Bauleistungen, Planung, Bauleitung und örtliche Bauaufsicht von Tiefbauvorhaben in Großbottwar, in Oberstenfeld und in Murr zuständig. Zuvor verantwortete er 14 Jahre lang bei der Stadt Marbach den Tiefbau – als Allrounder allein, komplett von Konzepten über Computer Aided Design (CAD) bis Statikprüfung und entsprechender Unterschrift. Da kam zupass, dass sein Bauingenieurstudium, das er in den 1980er Jahren an der Technischen Hochschule Stuttgart absolvierte, breit angelegt war. „Ich habe mich stets für vieles interessiert, dort immer auch Kurse anderer Themenfelder besucht“, sagt Ruoff.
Erste Station Vaihingen an der Enz
Danach sammelte er erste Sporen im Stadtbauamt Vaihingen an der Enz. Zu den Projekten gehörte damals etwa der Bau einer Kläranlage. „Da ging es unter anderem auch darum, Stickstoff und Phosphat zu reduzieren beziehungsweise zu eliminieren, um das Algenwachstum einzudämmen.“ Früh habe Jürgen Ruoff sich zudem mit Regenwasserzisternen und Regenwasserbehandlung beschäftigt, beispielsweise wie man etwa die „Schmutzfracht“ darin verringern kann oder wo angesichts des Klimawandels Rückhaltebecken nottun.
Know-how, von dem später die Marbacher, Murrer, Oberstenfelder und Großbottwarer profitieren sollten. Zuletzt zeichnete Ruoff für die – bis ins Frühjahr 2026 dauernde – Sanierung der Ortsmitte von Großbottwar-Winzerhausen verantwortlich, die Verlegung von Kanal und Wasserleitungen will gut geplant sein.
Einer der ersten Grünen im Gemeinderat Erdmannhausen
„Der Schutz von Umwelt, Natur und Artenvielfalt stand für mich immer an erster Stelle“, bekräftigt der beredte Mann. Und die Menschlichkeit: Über das Caritasprojekt „Türöffner“ stellte er schon vor Jahren für eine syrische, vor dem Krieg geflüchtete, und eine afghanische Familie Wohnraum zur Verfügung. Schmunzelnd erinnert er sich daran, als er allein als erster Grüner im Gemeinderat von Erdmannhausen saß. „Recht exotisch.“ Ebenso exotisch wie die familienpolitischen Impulse, die der in Stuttgart geborene „waschechte Erdmannhäuser“ und seine Frau als eine der ersten Paare setzten. Als ihre drei Kinder, längst erwachsen, das Licht der Welt erblickten, war das Thema Elternzeit für Männer noch in den Babyschuhen. Doch Jürgen Ruoff nahm sie. „Ich war der Erste in der Verwaltung von Vaihingen an der Enz, der in Vaterzeit war“, sagt er. Um schmunzelnd anzufügen, dass Heinz Kälberer, weiland dort Oberbürgermeister, im Ludwigsburger Kreistag von einem fortschrittlichen Mitarbeiter schwärmte.
An alle seine Positionen und Aufgaben denkt er gerne zurück. „Eine tolle Zeit hatte ich beim Verbandsbauamt Großbottwar – gerade weil es ein Dienstleister für gleich drei Kommunen ist.“ Das sei reizvoll und abwechslungsreich gewesen, erzählt er lebendig. Kreativ sein, die beste Lösung für eine spezifische Situation zu finden, das ist sein Ding. Auch die Fußballfrauen der TSG Backnang 2018 stiegen in die Bezirksliga auf, als Ruoff sie – und die Mädchen – mit Stefanie Franke damals trainierte. „Ich habe selbst mal gekickt.“
Ruoff ist großer Fußballfan
Dass das Spiel zu seinen Leidenschaften gehört, davon zeugt das Barça-Schild mit Maskottchen, das an der Haustür die Gäste begrüßt – in der Sprache der katalanischen Hauptstadt. Denn Ruoff liebt nicht nur Barcelona, auch Sprachenlernen gehört zu seinen Hobbys. Im „Unruhestand“ will er das vermehrt tun. „Wieder ins Spanische eintauchen zu können“, freut er sich. Und dann ist da ja noch das Eldorado, das Zuwendung braucht. Schon als Jugendlicher arbeitete er im Grünen, half in der Landschaftsgärtnerei eines Verwandten mit. „Um Geld zu verdienen. Ich habe viel fürs Leben und über die Natur gelernt.“ Ruoff wäre nicht Ruoff, wenn er nicht schon Pläne hätte: Eine Hütte seines grünen Paradieses will er in eine Sauna verwandeln. Eine Gartenbar, ideal für Sommer- und Winterfeste, hat er schon gebaut.
Auch die Kulturlandschaft mit den Streuobstwiesen ist ihm ein Anliegen. Lachend zeigt er auf allerlei Flaschen, Säfte, Liköre und Brände. „Wir machen unseren eigenen Apfelsaft – und wir schaffen aus dem Obst außerdem Geistiges.“