Das Stuttgarter Wirtepaar Karin und Maurice Gritzmacher mit Ramona und Jürgen Drews auf Mallorca. Foto: Gritzmacher

Die Coronakrise hat auch den Stuttgarter Wirt Maurice Gritzmacher hart getroffen, der in Stuttgart den Pflaumenbaum und das Move betrieb. Er schließt sein spanisches Bistro „König von Mallorca“.

Stuttgart - „Wir hätten so gern das Zehnjährige auf Mallorca gefeiert“, sagt Maurice Gritzmacher bedrückt am Telefon. Seit 1969 tanzte er als Wirt auf vielen Hochzeiten, jahrzehntelang in Stuttgart und Umgebung. Doch jetzt hat der 67-Jährige mit der Gastronomie für immer abgeschlossen. „Das Virus bremst uns aus“, erklärt er – kurz vor dem geplanten Fest, das er aus Anlass des zehnten Geburtstags seines Lokals mit dem Namen König von Mallorca nachholen wollte.

Den Schlagerstar Jürgen Drews hat Gritzmacher 1976 kennen gelernt, als dieser im Tiffany in Bietigheim aufgetreten ist – da war der spätere Megahit „Ein Bett im Kornfeld“ gerade erschienen. In all den Jahren haben die beiden Kumpels Höhen und Tiefen erlebt. Meist ging es, wenn sie gemeinsam Dinge anpackten, nach oben. Doch dann kam die Pandemie. Mallorca ist besonders hart davon betroffen. Mit seiner Frau Karin Gritzmacher, die sich für den Tierschutz engagiert und sich auch damit einen Namen gemacht hat, hat der Stuttgarter Gastronom sein Lokal an der Einfahrtsstraße von Santa Ponsa geführt. Die Bar hängt voller Bilder von Drews. Immer wieder kam der Sänger vorbei. Doch das ist nun Vergangenheit. „Auch der Jürgen kann nicht auftreten“, sagt Gritzmacher.

„Den Rest erledigte die Politik“

„Wir dachten, dass wir es schaffen“, schreibt Karin Gritzmacher auf ihrer Facebook-Seite. Während des Lockdowns habe der Vermieter versprochen, die Miete zu senken. Doch jetzt wisse er nichts mehr davon. Als die ersten Touristen zurückkehrten und sich das Wirtepaar Hoffnung machte, habe man die Insel als „die schlimmste Partyhochburg“ dargestellt, was viele abgeschreckt hätte, Urlaub auf der Sonneninsel zu machen. „Den Rest erledigte die Politik“, ist Karin Gritzmacher verärgert. Aufgrund der steigenden Coronazahlen hat die Bundesregierung Mallorca als Risikoland eingestuft.

„Wenn keine Touristen mehr kommen, können wir einpacken“, sagt Maurice Gritzmacher, „das kostet hier ganz viele Jobs.“ Auch ohne sein Lokal will er auf Mallorca bleiben, die Rückkehr nach Stuttgart ist nicht vorgesehen. Über viele Jahre hat der Wirt in Stuttgart die Disco Move im Metropol-Bau geführt, auch der Pflaumenbaum und das Freddy & Po’s gingen auf sein Konto sowie der Maxx-Music-Club in Bietigheim. Eigentlich wollten Maurice und Karin Gritzmacher - sie erholte sich gerade von einer Erkrankung – auf Mallorca den Ruhestand genießen, das Move war verkauft, der Zweitwohnsitz bezogen. Doch dann sorgte die Freundschaft mit Jürgen Drews, dass sie in Kooperation mit ihm ein Lokal für Fans und Freunde des Schlagerstars eröffneten.

Dass Gritzmacher nun seinen Beruf an den Nagel hängt, hat sich in Stuttgarts Gastroszene rasch herumgesprochen. „Diese Nachricht macht mich sehr traurig“, sagt Bernd Heidelbauer, „Maurice ist ein feiner Kerl, auf den man sich immer verlassen kann.“ Die Sorge viele Wirte ist, dass die Pandemie für immer noch mehr Schließungen von Bars und Restaurants sorgt, ob Stuttgart oder auf Mallorca.

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