Der badische Landesrabbiner Moshe Flomenmann rät seinen jüdischen Glaubensbrüdern, die Kippa durch eine normale Mütze zu ersetzen, falls sie sich bedroht fühlen. Foto: dpa-Zentralbild

Es gibt wieder mehr Übergriffe auf Juden. Ihr Zentralrat rät bereits in bestimmten Vierteln vom Tragen der Kippa ab. Sehen Juden sich auch im Südwesten dazu gezwungen, eine neutrale Kopfbedeckung zu nutzen?

Stuttgart - Die Warnung des Zentralrats der Juden in Deutschland vor dem Tragen der Kippa in Problemvierteln kommt für den badischen Landesrabbiner Moshe Flomenmann nicht überraschend. „Das ist nichts Neues, das ist Realität - schließlich haben die Übergriffe auf Juden in den vergangenen Jahren zugenommen“, sagte Flomenmann der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. Die Kippa sei nicht heilig, sondern nur ein Bekleidungsstück, das ein Jude durch eine andere Mütze ersetzen könne, wenn er sich bedroht fühle. Auch wenn die jüdische Identität nicht versteckt werden solle, müsse sich niemand in Gefahr bringen.

Es sei für jüdische Männer geboten, aus Ehrfurcht vor Gott ihren Kopf zu bedecken. Er selbst trage eine Kippa, aber bei Kälte auch eine Mütze. Unverheiratete jüdische Frauen bräuchten keine Kopfbedeckung. Sobald sie verheiratet sind, sollten sie nach der Tradition ihr Haar mit einem Tuch bedecken oder eine Perücke tragen.

Der Präsident des Zentralrats Josef Schuster hatte dem Inforadio des rbb gesagt, er halte es für gefährlich, in überwiegend von Muslimen bewohnten Vierteln einiger Städte die Kippa zu tragen. „Die Frage sei aber, „ob es tatsächlich sinnvoll ist, sich in Problemvierteln, in Vierteln mit einem hohen muslimischen Anteil, als Jude durch das Tragen der Kippa zu erkennen zu geben - oder ob man da besser eine andere Kopfbedeckung trägt“.

Nach Auskunft des Landeskriminalamtes ist die Zahl der antisemitischen Straftaten im Jahr 2014 spürbar gestiegen. Die genaue Zahl wurden aber noch nicht bekannt. Im Jahr 2013 lag die Zahl bei 74, das Jahr davor bei 91 und 2011 bei 129. Flomenmann spielte nicht auf konkrete Vorfälle an, aber sagte: „Baden-Württemberg ist Teil Deutschlands und auch hier gibt es gewisse Probleme.“

In Deutschland hat die Zahl laut der Amadeu Antonio Stiftung antisemitischer Straftaten im vergangenen Jahr in Deutschland stark zugenommen. Wurden 2013 noch 788 Fälle registriert, waren es im vergangenen 864 - ein Anstieg um rund zehn Prozent. Eine ähnlich hohe Zahl antisemitischer Taten gab es demnach zuletzt 2012.

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