Die Turmbergterrasse in Karlsruhe-Durlach der Architekten Hähnig/Gemmeke: So sieht Architektur aus, die sexy ist. Foto: bild raum Stephan Baumann

Im BDA-Wechselraum sind die sieben Preisträger des Hugo-Häring-Landespreises zu sehen. Schick, wie Architektur hier in Szene gesetzt wird. Wie die Planer generell ihre Öffentlichkeitswirkung optimieren könnten – darüber wurde beim 50. „BDA-Wechselgespräch“ diskutiert.

Stuttgart - Dass Berlin sich für sexy hält, weiß jedes Kind. Ist Architektur sexy? So sexy, dass sie Schlagzeilen in der Tageszeitung, umfangreiche Expertisen in Fachzeitschriften und klickträchtige Online-Artikel im Netz bekommt? Der Titel des „BDA-Wechselgesprächs“ am Montagabend legte nahe, in welche Richtung die Selbsteinschätzung geht: „Moderat – or?“ war der Abend, mit dem das Format seine fünfzigste Ausgabe feierte, überschrieben. Moderat wie gemäßigt, bescheiden – also weit entfernt von sexy. Muss das so sein? Eine Infragestellung signalisierte das angefügte „or“ – englisch für oder.

Seit sieben Jahren lädt der BDA Baden-Württemberg sechs Mal im Jahr zur Architekturdebatte in den Wechselraum im Stuttgarter Zeppelin Carré; „Wohnen – Ade Schlafstadt!“ lautete am 17. Januar 2011 das Thema der Debütrunde. Höchste Zeit, zum Jubiläum über die Wahrnehmung von Architektur in der Öffentlichkeit nachzudenken und dabei von Spezialisten Einschätzungen, Ratschläge und Impulse einzuholen. Rollentausch war angesagt: Architekten fragen, Architekturkritiker antworten.

Das Gespräch, das der Architekt Dieter Ben Kauffmann als Moderator mit der Publizistin Ursula Baus, dem Kritiker Christian Holl und der Journalistin Amber Sayah, langjährige Redakteurin unserer Zeitung und Mit-Begründerin des Ludwigsburger Architekturquartetts, führte, machte deutlich: Bei Öffentlichkeitsarbeit, Selbstdarstellung und Selbstbewusstsein ist noch Luft nach oben. Dass auf die Frage nach dem bekanntesten deutschen Architekten häufig Friedensreich Hundertwasser genannt würde, der weder Architekt noch Deutscher war, spreche Bände, merkte Kauffmann an. Von „Personenkult“ wollte er indes nichts wissen. Also Profilschärfung – aber wie? Während sich Ursula Baus hier mehr „Wahrnehmbarkeit von Berufsethik“ wünschte, riet Amber Sayah, sich bei der Literaturszene abzugucken, wie man etwa mit medienwirksamen Auszeichnungen à la Deutscher Buchpreis mehr Aufmerksamkeit auf sich ziehen könnte. Warum nicht den Hugo-Häring-Landespreis, der alle drei Jahre vom BDA vergeben wird, noch „stärker inszenieren“?

Starker Auftritt für starke Bauten

Dass damit ein starker Auftritt machbar ist, beweist die Ausstellung, die am gleichen Abend eröffnet wurde: schick, zeitgemäß, wie die sieben Preisträgerbauten von 2018 auf das umlaufende Tapetenband gebannt wurden.

Welche Bauten schaffen es überhaupt in die Presse? Dafür gebe es keine Matrix, sagte Christian Holl, nannte dennoch ein Kriterium: Es müsse sich etwas zeigen lasse, was über das einzelne Gebäude hinaus weise; bei der Debatte um Stuttgarter Oper und Interim etwa könne man viel über die Bedeutung von Subkultur in der Stadt erfahren. Das Problem der Architektur sei ein anderes, befand hingegen Ursula Baus. „Warum sieht die Alltagsarchitektur aus, wie sie aussieht, fragte sie und beklagte eine „Rasterisierung der Innenstädte“ durch Renditeorientierung. Um die Leistungen der Architekten und ihre gesellschaftliche Rolle ins richtige Licht zu rücken, empfahl Amber Sayah, ein den Wechselraum erweiterndes „Architekturforum“ zu schaffen – etwa im Kunstgebäude.

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