Die Ebersberger Sägemühle ist seit vier Jahrzehnten ein Juwel der Jugendarbeit. Foto: Stadt Fellbach

Auf der Ebersberger Sägemühle lernen Kinder und Jugendliche seit 40 Jahren das Landleben kennen. Die Außenstelle des Fellbacher Jugendhauses ist ein Lernbauernhof mit vielen Tieren.

Fellbach/Oberrot - Die Ebersberger Sägemühle legt ihren Besuchern die Natur zu Füßen. Wer diese erleben möchte, muss aber auch zupacken – egal ob beim Stall ausmisten, beim Pflegen des Gemüsebeetes oder beim Holzsammeln für das Backhaus. „Unser Ziel ist es, die Kinder und Jugendlichen in alle Arbeiten mit einzubinden“, sagt Monika Hauser, die Chefin der Außenstelle des Fellbacher Jugendhauses.

Die Ebersberger Sägemühle ist ein Juwel der Jugendarbeit, das im Schwäbischen Wald funkelt. Und das jetzt seit 40 Jahren. Der damalige Jugendhausleiter Sigmund Kripp wollte einen Ort für Jugendliche schaffen, die in der Gesellschaft keinen Platz finden. Zwei Sommer lang baute er zusammen mit Schulabbrechern und anderen Jugendlichen das Bauernhaus in Oberrot aus. Der Gemeinde waren die jungen Leute, die mit ihren Motorrädern über die Wiesen fegten, schnell ein Dorn im Auge. Gerüchte über Drogen, Orgien und terroristische Aktivitäten machten die Runde. Den Landleuten waren die Stadtbewohner fremd. Und umgekehrt war es genauso. Sigmund Kripp gelang es aber mit der Zeit, den Unfrieden zu beenden und Misstrauen abzubauen. Seither herrscht ein tolles Verhältnis mit der Gemeinde.

Wer den Geist der Ebersberger Sägemühle spüren möchte, muss nur die Hand ausstrecken. Warme

Monika Hauser leitet die Ebersberger Sägemühle Foto: Stadt Fellbach
Hühnereier aus dem Stall umschmeicheln die Finger, die Mähne eines Pferdes ist greifbar, und auf der Wiese lässt sich an den Pflanzen das Wechselspiel der Jahreszeiten ertasten. Doch immer mehr junge Menschen wissen nicht, wie das Landleben tickt: „Wir haben Fünftklässler, die noch nie einen Apfel geschält haben“, erzählt Monika Hauser. Im Jahr kommen rund 500 Kinder und Jugendliche zu Besuch nach Oberrot, zu den Stammgästen aus Fellbach gehören das Gustav-Stresemann-Gymnasium, das Kinderhaus Pfiffikus und das DRK.

In den Anfängen sah es rund um die Sägemühle noch verwildert aus. Dann in den 1980er-Jahren wurde die Hofeinfahrt asphaltiert, der Ponystall zur Wohnung für den Zivi umgebaut, und einige findige Jugendliche funktionierten das hauseigene Wasserkraftwerk so um, dass damit Strom erzeugt werden konnte. Im Jahr 2012 bekam die Ebersberger Sägemühle ein moderneres Gesicht. Für rund 1,5 Millionen Euro wurde sie umgebaut. Jetzt bietet sie 38 Übernachtungsplätze in Zwei- bis Fünfbettzimmern sowie ein uriges Matratzenlager. „Die Lehrer haben seither auch eine eigene Nasszelle, davor gab es nur eine Gemeinschaftsdusche“, sagt Monika Hauser.

Der Umbau ermöglichte auch, das Konzept „Lernort Bauernhof“ weiter auszubauen. So gibt es etwa in der neuen großen Küche nicht nur eine Spülstraße, sondern auch einen Küchenblock, an dem Gäste stehen und arbeiten können. Auf dem Lernbauernhof backen sie auch Brot, ernten Heu, striegeln Pferde oder pflegen das Gemüsebeet. Dabei gibt es automatisch Einblicke in die Themen Ernährung, Tierpflege und Gartenarbeit.

Für Monika Hauser ist die Sägemühle ihr zweites Zuhause

Für Monika Hauser ist die Ebersberger Sägemühle seit dem Jahr 1991 ihr zweites Zuhause. Schon vorher hatte sie für das Jugendhaus in Fellbach gearbeitet. Zusammen mit einem Team von fünf Leuten schmeißt sie die Außenstelle in Oberrot. „Die Stadt Fellbach übernimmt die Investitions- und Personalkosten, wir müssen die Betriebswirtschaftskosten erarbeiten“, erklärt sie. Für die Leiterin haben die letzten Monate begonnen, im Oktober geht sie in den Ruhestand. „Die Leitungsstelle wird aber auf jeden Fall wieder besetzt“, verrät sie.

Die knapp 50 Kilometer von Fellbach entfernte Außenstelle des Jugendhauses liegt idyllisch an der Rot, einem Nebenfluss der Kocher, und ist umgeben von Feldern und Wäldern. Die Natur liegt den Gästen praktisch vor den Füßen. „Die Kinder sollen im Wald lernen, selbst Ideen und Spielmöglichkeiten zu entwickeln“, sagt Monika Hauser. In dem Freizeit-, Seminar- und Übernachtungshaus erfreuen sich aber auch Tagungsgruppen an dem entspannenden Umfeld, und Schüler verbringen hier ein abwechslungsreiches Schullandheim.

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