Handballer Karl-Heinz Eisele ist fast sein ganzes Leben lang Mitglied im TSV Köngen und hat sich in verschiedenen Funktionen engagiert. Foto: Ines Rudel

Zum 125-jährigen Bestehen des TSV Köngen und TSV Wernau haben wir einen Vertreter jedes Vereins gefragt: Welche Rolle spielt der Verein in Ihrem Leben?

Viele Menschen, die in Vereinen aktiv sind, beschreiben das Miteinander als eine Art zweite Familie oder ein alternatives Zuhause. Gerade von älteren Generationen hört man im gleichen Atemzug oftmals aber auch, dass sich das Vereinsleben verändert habe. Dass es früher eine größere Verbundenheit gegeben habe. Die 125-Jahr-Jubiläen des TSV Köngen und des TSV Wernau, die am Wochenende gleichzeitig mit Festen begangen wurden, liefern einen Anlass, um bei einem älteren und einem jüngeren Mitglied nachzufragen: Was bedeutet Ihr jeweiliger Verein für Sie? Und welche Rolle spielt er in Ihrem Leben?

 

Der Handballer Karl-Heinz Eisele aus Köngen und Turner Mateo Burkhart aus Wernau haben vieles gemeinsam. Unter anderem sind sie beide „eigentlich schon immer“ Mitglieder ihres TSV. Doch es gibt auch einen großen Unterschied zwischen den beiden: Karl-Heinz Eisele ist 70 Jahre alt und Mateo Burkhart zwölf. Man könnte meinen, der große Altersunterschied führe zu zwei verschiedenen Bildern des Vereinslebens. Doch wer mit den beiden ins Gespräch geht, merkt: Sie haben schon viel erlebt mit ihren Clubs, haben viele Freunde und Bekannte durch den Sport – und die Probleme, die es heute gibt, gab es teils schon früher.

Zusammenhalt geht über Sport hinaus

„Für uns Handballer ist das der Inbegriff einer Sportfamilie“, sagt Eisele, der seit Jahrzehnten Mitglied ist und sich in dieser Zeit in verschiedenen Funktionen im Verein engagierte. Von seiner Aktiven- und Funktionärszeit hat er etwas Abstand genommen, doch der Köngener ist immer noch präsent im Verein und unterstützt, wo er kann. Auch bei den Aktionen rund um das Jubiläum, die am Wochenende stattgefunden haben, beteiligte sich Eisele.

Der Presseanruf erreicht den einstigen Lehrer, als er gerade dabei ist, eine Fuhre T-Shirts zu bedrucken. Hilfe bekommt er dabei von einem jungen Handballer – natürlich vom TSV Köngen. Es zeigt, wie der Zusammenhalt und die Vernetzung über den Sport hinausgehen. Der Handball, so sagt der Inhaber des Musikcafés Eisele, sei schon immer ein Teil seines Lebens gewesen. „Ich war mal ein paar Jahre nicht mehr so intensiv dabei“, gesteht er, „damals war mein Sohn zum TSV Deizisau gewechselt, und ich habe häufiger bei seinen Spielen zugeschaut.“ Mitglied blieb er aber auch in dieser Zeit.

Keine „guten alten Zeiten“

Besonders während der Coronakrise war die Lage in vielen Vereinen im Lande angespannt. Immer wieder wurde beklagt, die Generationen drifteten auseinander. Die Älteren isolierten sich, die Jüngeren ziehe es nach draußen. Es sei schwierig, den Verein als Knotenpunkt der Generationen aufrechtzuerhalten. Doch Eisele ist froh darüber, dass es in seiner Handballabteilung ganz und gar nicht zu einer Entfremdung gekommen ist. „Das hat sich nicht negativ ausgewirkt bei uns“, sagt Eisele. „Die Beziehung zwischen Jung und Alt ist bei uns ziemlich positiv.“ Und er fügt hinzu: „Wir haben die coronabedingte Fastenzeit gut überwunden.“

Ein anderes Problem, das häufig in den Schlagzeilen auftaucht, ist der Nachwuchs- und Betreuermangel. Doch wenn Eisele zurückblickt, stellt er fest: Das war beim TSV Köngen schon immer Thema. Das liegt auch daran, dass es mit dem CVJM-Club Eichenkreuzsport und dem TSV gleich zwei Handballteams in der Gemeinde gibt. Von den „guten alten Zeiten“ kann in dieser Hinsicht also nicht die Rede sein.

Eisele schätzt vieles, was ihm der Verein gegeben hat. Besonders aber den Zusammenhalt, auch im Alter. Viele seiner Freunde und Bekannten sind selbst zu alt, um aktiv im Verein Sport zu betreiben. Trotzdem treffe man sich und unternehme gemeinsam zum Beispiel Radtouren.

„Man hat Mitstreiter im Verein“

Aber auch Mateo Burghart, der zweifellos zu der jüngsten Generation des TSV Wernau zählt, weiß das Vereinsleben zu schätzen. Der talentierte Turner bereitet sich zurzeit auf seine erste Saison in der 2. Bundesliga vor. Mateo kommt aus einer sportbegeisterten Familie, sein Vater Georg Burghart ist ebenfalls als Turner im Verein aktiv, und auch seine beiden Schwestern betreiben Turnen und Volleyball beim TSV Wernau. „Ich habe sehr viele Freunde direkt beim Turnen“, sagt der Zwölfjährige. „Aber auch in anderen Abteilungen.“ Auch er hat mit seinen Vereinskameraden – die meisten sind bei ihm auf der Schule – während der Lockdown-Zeit Kontakt gehalten. Und sie haben sich auch getroffen, sofern es eben ging. Das ist aus seiner Sicht extrem wichtig: „Man hat mit seinen Vereinskollegen Mitstreiter. Die pushen dich. Und wenn es mal nicht so klappt, dann geben sie dir Tipps“, sagt Mateo Burghart.

Der Verein sei für ihn ein Ort, an dem man viele Kontakte knüpfe, wo viele Menschen eine Gemeinsamkeit hätten: den Sport, das Hobby, die Leidenschaft. Auch Mateos Großeltern treiben beim TSV Wernau Sport. „Und ganz oft setze ich mich dann zu meinem Opa und spreche dann auch mit seinen Freunden“, erzählt der Turner.

Jubiläumsfeste in Köngen und Wernau

Köngen
 Das 125-Jahr-Jubiläum des TSV Köngen wird das ganze Jahr gefeiert. Von April bis November gibt es immer wieder größere und kleinere Aktionen und sportliche Wettbewerbe. Zwei Highlights haben mit der Handball-Grundschulaktion am Freitag und dem Sporttag mit Abendevent am Samstag stattgefunden. „Uns war es sehr wichtig, dass wir was für die Kinder tun“, sagte Karl-Heinz Eisele aus der Handballabteilung des TSV. Deshalb hat der Verein einen Vormittag lang Sportstationen für Grundschülerinnen und Grundschüler organisiert. Am Samstag durften dann auch die Erwachsenen ran bei Mitmachaktionen und Workshops. Eröffnet wurde das Fest von der Guggenmusikgruppe des TSV Sau-Glogg-Gugga. Am Abend unterhielt Kabarettistin Kathi Wolf die Besucher.

Wernau
 Auch beim Wernauer TSV war vier Tage lang allerhand geboten. Beginn des Events war am Donnerstagabend mit dem Fassanstich durch Bürgermeister Armin Elbl und Freibier. Am Freitag und Samstag sorgten Miss Foxy und Moorland Road für Stimmung im eigens aufgestellten Festzelt. An der Bar veranstaltete freitags ab 22 Uhr DJ Robin eine Mallorca-Party, und einen Tag später legte DJ Red Gef auf. Der abschließende Sonntag begann mit einem Frühschoppen, bei dem der Musikverein auftrat. Außerdem spielte die Band Paja Mama. Auch für die Kinder gab es Programm mit Hüpfburg und Co.