In die Gemeinschaftsschule in Magstadt gehen immer mehr Kinder. Foto: factum/Granville


Für den Ganztagesbetrieb in Magstadt fehlen Räume und eine Mensa. Die Kinder müssen sich zum Lernen in die Nischen im Schulgebäude verdrücken. In der Festhalle erhalten sie derzeit ihr Mittagessen. Das soll nun endlich anders werden.

Magstadt - Irene Wilfinger muss seit Jahren improvisieren – wegen einer stets wachsenden Raumnot. Natürlich ist nicht nur die Rektorin der Johannes-Keppler-Schule in Magstadt davon betroffen, auch die Lehrer und Schüler müssen mit dem Platzmangel leben. Das soll sich aber nun ändern. Die Kommune möchte die Grund- und Gemeinschaftschule jetzt endlich baulich erweitern. Wie in vielen anderen Städten und Gemeinden im Kreis sind zudem auch an der Kepler-Schule die Unterrichtsräume in die Jahre gekommen und müssen dringend saniert sowie auf den neuesten Stand der Technik gebracht werden. Jedoch ist Magstadt wohl ganz weit vorne im Landkreis, wenn es um die konkret veranschlagten Kosten geht. Die Planer im Rathaus gehen von einem Gesamtaufwand von fast 30 Millionen Euro aus.

„Details“ kosten weitere Millionen

Bei einer solchen Summe hält auch der neue Bürgermeister von Magstadt, Florian Glock, den Atem an. Er findet über seinen Gemütszustand lediglich die Worte: „Das kam überraschend.“ In seinem Wahlkampf sei das zwar ein Thema gewesen, nur sei da noch die Rede von 20 Millionen Euro gewesen. Bei einer genaueren Analyse, was alles zu tun ist, sei aber noch einiges dazu gekommen, sagt Glock. Die „Details“, wie er es nennt, reichen von fehlenden Steckdosen im Chemieraum über die notwendige digitale Ausstattung der Schule bis hin zu den nun zudem geplanten Außenanlagen.

Die Fraktionen im Gemeinderat haben das Mammutprojekt zähneknirschend zur Kenntnis genommen und tragen das Vorhaben mit, das nun in vier Bauabschnitten umgesetzt werden soll. „Unsere Schüler müssen sich mit ihren Lerngruppen in die Nischen im Schulgebäude verdrücken“, sagt die Schulleiterin Wilfinger, „oder sich in den Klassenzimmern verteilen, wenn sie an Projekten arbeiten.“ Die Schule habe neben den Klassenräumen ein einziges Zimmer „als Notnagel“, das den Kindern der Gemeinschaftsschule zur Verfügung stehe. „Wir müssen uns die ganze Zeit irgendwie behelfen“, fügt Wilfinger hinzu.

Kinder müssen in die Festhalle begleitet werden

Neben 330 Grundschülern besuchen weitere 180 Kinder und Jugendliche die Gemeinschaftsschule. 36 Anmeldungen hatte Wilfinger zu Schuljahresbeginn für die Klasse fünf. Dadurch musste eine zweite Einstiegsklasse gebildet werden. Wie fast überall im Kreis ist das Angebot des altersgemischten Lernens auch in Magstadt immer mehr gefragt. „Wir gehen davon aus, dass bald 220 bis 230 Schüler unsere Gemeinschaftschule besuchen“, sagt sie.

„Um die Anforderungen als weiterführende Schule zu erfüllen und den Ganztagsbetrieb zu ermöglichen, sind umfangreiche Baumaßnahmen nötig“, fasst Glock zusammen. Erst einmal sollen im nächsten Jahr das Gebäude der Gemeinschaftsschule erweitert und die alten Fachräume modernisiert werden. In einem zweiten Bauabschnitt ist der Bau einer Mensa an der Reihe. Denn bisher werden die 160 Grundschüler, die das Ganztagesangebot nutzen, und die Schüler der Gemeinschaftsschule in der Festhalle mit Mittagessen versorgt. Die Grundschüler werden dazu von Betreuern dorthin begleitet und nach dem Essen wieder abgeholt. Die Baumaßnahmen werden voraussichtlich 10,9 Millionen Euro kosten. In weiteren Schritten, die zeitlich noch festgelegt werden sollen, stehen der Umbau und die Sanierung der Grundschule an. Dasselbe gilt für das bestehende Verwaltungsgebäude. Darüber hinaus soll es auch eine Aula geben.

Fördergeld für die Digitalisierung?

Die Schulbauten stammen aus den 1960er und 1970er Jahren. „Es gab seither nur einzelne Erneuerungen“, meint der Rathauschef. Deshalb muss er nun an einem ganz großen Rad drehen. Florian Glock hofft, dass insgesamt 33 Prozent der Kosten vom Land gefördert werden. Außerdem will er auf Fördernittel für die Digitalisierung zurückgreifen.

Auch andere Kommunen investieren

Haushaltslage:
Im Vergleich zu anderen Kommunen verfügt Magstadt lediglich über geringe Steuereinnahmen. Dafür hat die Gemeinde fast 14 Millionen Euro auf der hohen Kante. In den nächsten Jahren sollen neben der Schulsanierung weitere Projekte umgesetzt werden – etwa die Marktplatzsanierung und weitere Kindertagesstätten.

Sanierungsstau
: Selbst in größeren Städten besteht offenbar kein so großer Handlungsbedarf wie in Magstadt – obwohl diese mehr Schulen unterhalten. Sindelfingen investiert in diesem Jahr an fünf Schulen eine Million Euro. Dazu kommen 120 000 Euro für die Gemeinschaftsschule am Goldberg. Böblingen gibt für Schulsanierungen in diesem Jahr insgesamt 700 000 Euro aus. In den nächsten Jahren werden laut der Pressestelle etliche Millionen Euro fällig. In Leonberg fallen in diesem Jahr schon mehr als zehn Millionen Euro an. In Herrenberg wird derweil die Vogt-Hess-Gemeinschaftsschule für rund 500 000 Euro renoviert. Dazu kommen noch 900 000 Euro für vier weitere Schulen.

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