Jackson Foto: Pfisterer

Mit einem facettenreichen Programm und pfiffigen Arrangements hat der britische Popstar Joe Jackson dem Festival einen starken zweiten Abend beschert.

Gestern Jazz, heute Open: So funktioniert das große Stuttgarter Sommerfestival, bei dem auf Herbie Hancock der britische Popstar Joe Jackson folgt. Der ist ein grandioser Songwriter, was man unter anderem daran merkt, dass seine Stücke auch in völlig neuen Arrangements verfangen.

 

„Is she really going out with him“, seine erste New Wave-Single von 1978, präsentiert Jackson im Alten Schloss mit dreiköpfiger Band als A-cappella-Version – und seinen Mega-Pop-Hit „Steppin’ out“ von 1982 in einer balladesken Version mit gezügeltem Disco-Beat. Da stehen die Zuschauer im Hof längst, mitgerissen von der Energie, die von der Bühne überspringt. Sie feiern den 67-jährigen Sänger und Pianisten, der einen großen Bogen durch sein Repertoire geschlagen hat.

Jackson stellt sein erstes seinem jüngsten Album gegenüber

Zunächst stellt er Klassiker seines Debütalbums „Look Sharp!“ (1979) Stücken von seinem starken letzten Album „Fool“ ( 2019) gegenüber. „Look Sharp!“ und „One more Time“ sind gespeist vom Geist des Punk, der in Teilen in „Fabulously Absolute“ noch durchscheint; die meisterhafte Stil-Collage „Fool“ verzieren Jackson und Band mit einem fröhlichen Salsa-Mittelteil.

Sein treuer Ur-Bassist Graham Maby ist an Bord, der variable Drummer Doug Yowell und seit „Fool“ auch wieder ein Gitarrist namens Teddy Kumpel. Er macht den Sound facettenreicher und bringt den New Wave- und Rock-Esprit zurück in knackigen Songs wie „I’m the Man“ (1979). Bei der schwebenden Jazz-Nummer „You can’t get what you want“ (1984) spielt Kumpel schön funky und stellt beim Solo den Fuß aufs Wahwah.

Joni Mitchells „Big Yellow Taxi“ als Rock’n’Roll-Interpretation

Joe Jackson war nie ein technischer Virtuose, seine Musik lebt von seiner unverkennbaren Männerstimme mit Drang nach oben, seinem Sinn fürs Wesentliche und seiner offenherzigen Leidenschaft. Alleine am Piano singt er „Real Men“ (1982), sein aus heutiger Sicht weitsichtiges Stück über männliche Identitäten – und eine wunderbare Rock’n’Roll-Interpretation von Joni Mitchells „Big Yellow Taxi“.

Eröffnet hat den Abend die Sängerin und Gitarristin Judith Hill aus L. A. , die 2009 mit dem späten Michael Jackson ein Duett sang und deren Debütalbum „Back in Time“ (2015) der späte Prince produzierte. Hill hat eine mächtige Soul-Stimme, vereint R&B, Funk und Gospel und spielt flirrende Blues-Soli. Begleitet wird sie von ihrem Vater Pee Wee am Bass und ihrer japanischen Mutter Michiko an der Hammond-Orgel. Hill ist als „Artist in Residence“ bei Jazz Open – sie gibt am 14.7. noch ein Solokonzert im Jazzclub Bix und spielt am 17.7. im Vorprogramm von Sting.