Jens Lehmann (rechts) arbeitet jetzt als Co-Trainer an der Seite des FCA-Chefcoaches Manuel Baum. Foto: dpa

Jens Lehmann wird beim Fußball-Bundesligisten FC Augsburg als Co-Trainer vorgestellt. Der einstige Fußball-Nationaltorhüter beginnt seinen ersten Arbeitstag unspektakulär und betont defensiv.

Augsburg - Der erste Arbeitsnachweis von Jens Lehmann begann am Dienstag damit, gemeinsam mit Cheftrainer Manuel Baum auf den Platz zu schreiten. Zwei Stunden später verließ der neue Co-Trainer des FC Augsburg den Rasen als einer der Letzten. Baum und die meisten Spieler waren da schon längst in die Kabine zurückgekehrt. Ein paar Autogramme und ein freundliches Lächeln für einige Fotos mit den Fans noch, dann joggte Lehmann über den Parkplatz zu den Umkleiden in der Augsburger Arena. „Es hat Spaß gemacht“, sagte der 49-Jährige hinterher bei seiner offiziellen Vorstellung, als er zusammen mit Baum und Geschäftsführer Stefan Reuter auf dem Podium im Bauch des Stadions Platz genommen hatte. Am Montagabend hatte der Verein die durchaus verblüffende Personalie bekanntgegeben. Lehmanns Vertrag gilt zunächst bis zum Sommer 2020.

Arbeitsschwerpunkt Defensive

Was seine Tätigkeit als Co-Trainer angeht, war es ein eher unspektakulärer Dienstantritt des ehemaligen Nationalmannschaftstorwarts gewesen. Meist beobachtete Lehmann das Geschehen, plauschte immer mal wieder mit Baum oder half beim Tragen eines Tors. Was ein Co-Trainer eben so macht. Erst gegen Ende leitete er eine Übung, bei der die Innenverteidiger Kevin Danso und Jan-Ingwer Callsen-Bracker die Spieleröffnung mit Diagonalbällen trainierten. Die Schulung der Defensive soll Lehmann auch künftig schwerpunktmäßig übernehmen. Zum Abschluss wies er die letzten verbliebenen Spieler zum Lattenschießen an. Nachdem Lehmann getroffen hatte, ließ er die erfolglosen Konkurrenten Simon Asta und einen der anderen drei Co-Trainer, Jonas Scheuermann, Liegestützen ausführen. Dann verließ Lehmann lächelnd den Platz.

Für Augsburger Verhältnisse war sein erster Arbeitstag zum Medienspektakel geraten. Statt der sonst handverlesenen Gäste drängten sich nun zehn Kamerateams und rund 30 Schaulustige in ein kleines Areal am Platz. Später war der Medienraum voller als nach den Bundesligaspielen. Lehmanns Präsenz allein sorgte für den Auflauf, ganz so, als habe sich ein Papagei zwischen all den Tauben auf dem Augsburger Bahnhofsplatz niedergelassen. Beim FCA war es ja bisher meist sehr beschaulich zugegangen. Jedenfalls bis zu den jüngsten Turbulenzen um Caiuby (u.a. eigenmächtige Verlängerung seines Brasilien-Aufenthalts) und Martin Hinteregger (öffentliche Trainerkritik), die die Freistellung von Caiuby und Hintereggers mindestens vorläufige Suspendierung vom Teamtraining samt hohe Geldstrafen nach sich zogen. Beide dürfen sich offiziell nach neuen Clubs umschauen.

Lehmann will TV-Experte bleiben

Und nun also Lehmann, der in seiner Karriere sportlich und außersportlich durchaus für einige Aufregung gesorgt hat, wie mit seinen Helikopterflügen von seinem Wohnort am Starnberger See zum Training nach Stuttgart. Auf derartige Extravaganzen will er nun verzichten. Seinen TV-Job als RTL-Experte möchte er aber fortführen.

Lehmann hat sich alle Mühe gegeben, nicht den Eindruck zu erwecken, sich und seine neue Aufgabe beim FCA zu wichtig zu nehmen. „Ich bin auch dankbar dafür, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, hier mitzuarbeiten“, sagte er, „ich finde es mutig, dass man jemanden wie mich genommen hat, der zwar einen großen Namen hat, viel mehr aber auch nicht in Sachen Trainererfahrung.“ Über diese verfüge Baum wesentlich mehr, und schon in seiner Zeit als Co-Trainer beim FC Arsenal unter Arsène Wenger in der Vorsaison habe für ihn immer mit Mittelpunkt gestanden, „loyal zu sein“, sagte Lehmann. Ohnehin wolle er sich im Hintergrund halten. „Ich glaube, dass Trainer nicht zu viel reden sollten, Co-Trainer schon gar nicht“, befand er und wehrte mögliche Interviewanfragen umgehend ab. „Für mich ist das hier und heute der einzige Pressetermin, den ich wahrnehmen muss.“ Trotz seiner 2013 in Wales erworbenen Fußballlehrer-Lizenz habe er zudem keine Ambitionen, als Cheftrainer zu arbeiten. Jedenfalls „im Moment“, wie Lehmann vorsichtshalber einschränkte, „weil ich hier Co-Trainer bin. Heute ist Tag eins. Was morgen ist, weiß ich nicht.“

Lehmann soll Siegermentalität weitergeben

Den naheliegenden Gedanken, Lehmann auch für den Fall einer Beurlaubung von Baum bei anhaltendem Misserfolg im Abstiegskampf als möglichen Nachfolger verpflichtet zu haben, wies Reuter selbstredend zurück. „Wir sind von Manuel absolut überzeugt“, sagte der Manager, der zwischen 1999 und 2003 zusammen mit Lehmann bei Borussia Dortmund gespielt hatte. Von Lehmann erhofft er sich vor allem, dass dieser seine „Siegermentalität“ und „Erfahrung“ weitergebe. Dessen große Karriere mit den weiteren Stationen FC Schalke, AC Mailand, FC Arsenal und VfB Stuttgart erhöhe die Glaubwürdigkeit vor den Profis, befand Reuter. Es sei ein „Riesenvorteil“, dass Lehmann alles in seiner Laufbahn erlebt habe. „Die Jungs kriegen große Augen, wenn er von seiner Karriere erzählt.“ Und, sagte Reuter, „ich finde seine Sichtweise, wie er Spiele liest, gut.“

Ganz offenbar haben sie in Augsburg Bedarf gesehen, dass ein Ex-Profi mit seiner sportlichen Expertise Baum unterstützt, der als Torwart im Amateurbereich kickte, was auch seine Spieler wissen. Die Rollen und Kompetenzen zwischen Baum und Lehmann sollen aber klar aufgeteilt sein. „Manuel trifft die Entscheidungen, aber es ist für ihn hilfreich, wenn wir ihm unsere Meinung sagen“, sagte Reuter. Die Erfahrung als ehemaliger Profi sei „ein ganz wichtiger Faktor, den der Jens einbringt“, ergänzte Baum. Am Sonntag soll der FCA davon erstmals im Wettkampf profitieren. Im Heimspiel gegen den FSV Mainz 05.

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