Jamie Cullum begeisterte in Stuttgart - die Eindrücke vom fantastischen Finale der Jazz Open in unserer Bildergalerie! Foto: Opus GmbH / Rainer Pfisterer

Begeisterung zum Finale der Jazz Open in Stuttgart: Der jungenhaft wirkende 34-jährige Brite Jamie Cullum versenkt mit der rechten Hand lautstark Harmonien in die Tasten des Konzertflügels, reißt mit der linken an den Saiten des Instrumentes, scattet, sucht das Zusammenspiel mit den Kollegen.

Begeisterung zum Finale der Jazz Open in Stuttgart: Der jungenhaft wirkende 34-jährige Brite Jamie Cullum versenkt mit der rechten Hand lautstark Harmonien in die Tasten des Konzertflügels, reißt mit der linken an den Saiten des Instrumentes, scattet, sucht das Zusammenspiel mit den Kollegen.

Stuttgart - Die Inszenierung der letzten Minuten an diesem letzten Abend des Festivals Jazz Open Stuttgart ist perfekt. Für einige Momente mischen sich Gewitterblitze mit den farbig wechselnden Lichtspots auf der Bühne und das rotierende Bühnenequipment formt den einsetzenden Regen zu Wasserkreiseln. Dazu spannt sich ein Regenbogen über das Szenario vor dem Neuen Schloss mit Ehrenhof und Zuschauergalerie. Auf der Bühne zündelt Jamie Cullum noch einmal auf der gesamten Klaviatur seines Könnens.

Der jungenhaft wirkende 34-jährige Brite versenkt mit der rechten Hand lautstark Harmonien in die Tasten des Konzertflügels, reißt mit der linken an den Saiten des Instrumentes, scattet, sucht das Zusammenspiel mit den Kollegen. Tom Richards hat das Keyboard verlassen und wechselt zum Saxofon, Rory Simmons, der Gitarrist, entlockt der Trompete silbrige Töne. Das restlos begeisterte Publikum hebt Arme und Hände, jubelt Jamie Cullum, dem Energiebündel aus England, zu, belohnt die Soli-Improvisationen von Richards und Simmons.

Weitere Momente später hat ein barfüßiger Mann, versunken tanzend, mit nacktem Oberkörper, den Ehrenhof im strömenden Regen für sich allein. Auf der Bühne wird abgebaut.

Coverversionen der Gruppe „Radiohead“ und der Sängerin Rihanna haben Jamie ­Cullum, Sohn einer Burmesin und eines Israelis, bekannt gemacht. 2003 schloss er mit mit dem Major-Label „Universal Jazz“ einen Vertrag ab. Ein Jahr später war er als „British Breakthrough Act“ für die „Brit Awards 2004“ nominiert, 2008 erhielt er für die Titelmelodie des Filmes „Grand Torino“ mit Clint Eastwood die „Golden Globe“-Nominierung. Obwohl sich Cullum von Jazz-Musikern wie Miles Davis, Wynton Maralis, Thelonius Monk und Herbie Hancock inspirieren ließ, entschied er sich schon bald für einen Mix der Stile: Jazz mit Pop, Bebop mit Blues. Die Jazz-Kritik grollte.

Dem Singer und Songwriter, der bei Auftritten und Studieaufnahmen immer mehr eigene Kompositionen vorstellte, war das egal. Mit seiner 2013 in Deutschland veröffentlichten Studio-CD „Momentum“ hatte er auch das Publikum auf seiner Seite. Und so singen nun alle Jamie-Fans gemeinsam den Ohrwurm-Refrain des Songs „Everything you didn’t do“. Das leicht nasal klingende Timbre des 34-Jährigen bezaubert auch bei „Love for Sale“, „The Same Things“ und „Anyway“.

Profi Cullum begrüßt seine Fans mit „Stuttgart, wie geht’s? “. Er bedankt sich mit diplomatischer Geste bei Dr. John, dem wunderbaren musikalischen Haudegen, der mit „The Nite Trippers feat Sarah Morrow“ am gleichen Abend die Stimmung im Ehrenhof mit New-Orleans-Musik für den jüngeren Kollegen bestens vorbereitete. Und mit spitzbübischem Lächeln erzählt Cullum die Geschichte von einem kleinen Jungen, der sich von seinen Schulkameraden erst dann beachtet wusste, nachdem er richtig toll Klavier spielen gelernt hatte. „Nein, er sei das nicht gewesen“, versichert der 34-Jährige dem applaudierenden Publikum.

Und er rast vor Energie. Nicht nur sein rasantes, leider viel zu selten lyrisches Pianospiel, auch sein Körpereinsatz spricht von einem hochtourigen Künstler. Ob soviel knallende Energie aber durch akrobatische Einsätze wie das Bespringen des Konzertflügels gezeigt werden muss? In einem Interview hat Jamie Cullum gesagt, die exklusive Musik, die der Jazzer Miles Davis in den 1970er Jahren gemacht habe, werde „wegen ihrer Kühnheit ewig leben“. Cullum erweist sich mit seiner Musik als Kind seiner Zeit.

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