Weil die Rahmenbedingungen immer schwieriger werden, wird die Esslinger Reihe „Jazz beim Dulkhäusle“ auf Eis gelegt. „Wenn solche bewährten und beliebten Angebote bleiben sollen, müssen sich alle ins Zeuge legen“, findet unser Redakteur Alexander Maier.
Für viele war es in langen Jahren zur lieb gewordenen Selbstverständlichkeit geworden, dass jedes Jahr zur Sommerzeit am Esslinger Dulkhäusle gejazzt wurde. Die Atmosphäre war perfekt, regionale Bands sorgten für den guten Ton, die dortige Gastronomie servierte kühle Getränke und kleine Snacks, und wer mochte, konnte sich mit einer mehr oder minder angemessenen Spende an den stattlichen Kosten beteiligen. Und kaum einer wäre auf den Gedanken gekommen, dass damit irgendwann Schluss sein könnte. Umso härter trifft viele nun die Nachricht, dass die Reihe „Jazz beim Dulkhäusle“ in diesem Jahr eine kreative Pause einlegt, um sich neu zu positionieren. Darüber, dass es weitergehen soll, ist man sich einig – wie eine Fortsetzung aussehen könnte, steht bislang jedoch in den Sternen.
Vielfache Risiken
Was die Sache so knifflig macht: Es gibt nicht den alleinigen Grund, der eine Pause diesmal nötig macht. Das Ganze ist viel komplizierter: Die Bewirtung ist reichlich personalintensiv und angesichts des Mitarbeitermangels in der Gastronomie immer schwieriger zu stemmen. Die Förderung durch Stadt und Sponsoren ist stabil, die Kosten sind jedoch steil in die Höhe geschossen. Extremere Wetterlagen machen Open-Air-Veranstaltungen immer riskanter – Esslingens Kommunales Kino und viele andere Veranstalter können ein Lied davon singen. Und dass die Organisatoren, die seit Jahrzehnten jeden Donnerstag von Mai bis September ehrenamtlich in das Projekt investieren, irgendwann auch mal ein wenig Entlastung brauchen, ist nur zu verständlich. Sie wollen ja nicht ganz aussteigen, weil sie viel zu viel Herzblut in dieses Projekt investiert haben. Aber ein bisschen mehr Unterstützung dürfte es schon sein.
Alle müssen sich ins Zeug legen
Was die Jazzer erleben und was nun auch fürs Publikum unübersehbar Wirkung zeigt, sollte nachdenklich machen. Denn die Rahmenbedingungen sind in vielen Bereichen nicht besser geworden: Höhere Kosten, stagnierende Förderungen, rückläufiges ehrenamtliches Engagement und immer höhere bürokratische und andere Hürden machen es zunehmend schwieriger, vieles aufrechtzuerhalten, was man nur zu gern in Anspruch nimmt – nicht bedenkend, dass das scheinbar Normale oft etwas Besonderes ist, das man nicht hoch genug einschätzen kann. Nur wenn sich alle – Künstler, Organisatoren, Förderer und Publikum – ins Zeug legen und ihren Teil zum Gelingen beitragen, wird sich auf Dauer halten lassen, was uns lieb und teuer ist. Andernfalls darf sich keiner wundern, wenn manches verschwindet, worauf wir besser nicht verzichten wollen.