Volles Städtle nach der Coronapause: Fasnet in Weil der Stadt. Foto: Simon Granville

Zwei Jahre mussten die Narren Zwangspause einlegen. 2023 wurde dafür umso freudiger auf den Putz gehauen.

Einiges zu Feiern gab es für die Weil der Städter Narrenzunft in der Saison 2022/2023. Gleich drei Gruppen des rund 1400 Mitglieder starken Vereins feierten einen ganz besonderen Geburtstag: die Hexen 66 Jahre, die Bären 44 Jahre und die Schellenteufel 33 Jahre. Und obendrein war es für die Weiler Narren – und so ziemlich jede andere Narrenzunft und jeden anderen Fasnetsverein – die erste richtige Fasnet nach der Coronapandemie, fast gänzlich ohne Maskenpflicht und Impfnachweise.

 

In Weil der Stadt war die Freude darüber beim großen Umzug am 19. Februar deshalb besonders groß. „Ich habe das Gefühl, dass die Stimmung noch besser war als 2020“, sagte Frank Gann, erster Vorsitzender der Narrenzunft AHA, damals.

30 000 Menschen in der Weiler Altstadt

Zu spüren war das auch an der Anzahl der Besucher, die der Fasnetsumzug im Februar in die Keplerstadt lockte. 28 000 Teilnehmer und 2000 Besucher waren im Städtle unterwegs, als die Wägen der Narrenzunft durch die Straßen rollten. Die Wägen der AHA sind ganz besonders bekannt für ihre Liebe zum Detail und die ein oder andere politische Spitze: Neben dem fliegenden Auto aus Harry Potter, das auf einer Traktorgabel über den Köpfen der Zuschauer schwebte, druckten die Narren eigens Geld, um die arme Keplerstadt „mit einem Schlagen schuldenfrei“ zu machen, wie auf einem der Wagen stand. Auch ein überdimensionaler Scheich mit One-Love-Binde rollte auf einem Wagen mit AHA-Fußball durch die Straßen.

Aber halt: Die Weiler Fasnet ist noch viel mehr als nur der große Umzug. Selbstredend auch 2023 – so wurde ganz traditionell das Rathaus gestürmt. Bei der Narreten Sitzung wurden der „schmale Chris“ und „Jürgen Kater“ abgesetzt, bei der Brunnenfasnet in der ganzen Stadt Getränke ausgeschenkt und beim Zunftball gefeiert. Zu Gast waren die Weiler Narren übrigens auch in anderen Städten – etwa in Leonberg.

Mit dem Maskenabstauben geht es bald wieder los

Dort ist die AHA standardmäßig beim Pferdemarkt dabei. Auch der hatte 2023 seinen großen Auftakt nach der Pandemiezeit, und das mit rund 30 000 Besuchern. Nicht nur beim großen Pferdemarktumzug drängten sich die Menschen, auch bei der Feuerwehr, wo den ganzen Tag der Grill heiß lief, herrschte reges Treiben – und ebenso auf dem Marktplatz, wo der Pferdehandel an die Ursprünge des Fests, dem Viehmarkt von 1684, erinnert.

Wenn ein Jahr zu Ende geht und ein neues beginnt, bedeutet das auch: Die Fasnet geht bald wieder los. Mancherorts läutete der Elfte Elfte bereits die närrische Zeit ein. So richtig los geht es aber Anfang Januar. Dann werden die Masken abgestaubt und die neuen närrischen Rekruten getauft.

Die Strudelbachhexen und die Leicha-Hexa Gebersheim legen am 5. Januar los, die Leonberger Waldhexen und die Rutesheimer Gumpa Hexa stauben am 6. Januar ihre Masken ab, und die Leonberger Lewenbercher machen am 7. Januar den krönenden Abschluss. Später im Monat werden dann die Rathäuser gestürmt und wird allerlei weiterer Schabernack getrieben, bis die Fasnet 2024 schließlich Anfang Februar ihren Höhepunkt findet. Der Schmotzige Donnerstag ist in diesem Jahr schon am 8. Februar – und die Fasnetsaison damit noch kürzer, als sie es im vergangenen Jahr war.