Die ITB-Chefin Deborah Rothe hat in Ravensburg studiert. Foto: Messe Berlin

Zur weltgrößten Tourismusmesse ITB in Berlin werden Anfang März rund 6000 Aussteller erwartet. Messechefin Deborah Rothe erklärt, was es Neues gibt.

Bequeme Sneaker sind neben dem Smartphone die wichtigste Ausrüstung der Messedirektorin. Während der Reisemesse läuft Deborah Rothe „locker 20 Kilometer am Tag“. Die ITB Berlin ist die größte Veranstaltung dieser Art weltweit. Vom 5. bis zum 7. März präsentieren sich rund 6000 Aussteller aus 164 Ländern in den Hallen rund um den Berliner Funkturm.

 

Eine herausgehobene Rolle als Gastland der diesjährigen Messe spielt der Oman. Das Sultanat plant einen großen Stand von über 800 Quadratmeter Fläche in Halle 2.2. „Beim Oman denken viele an Kultur, aber man kann dort auch eine beeindruckende Natur erleben, Wale und Delfine sehen, in der Wüste campen, und es gibt sogar einen Fjord“, sagt Deborah Rothe. Im Schlepptau des Oman sind die arabischen Staaten dieses Jahr besonders stark auf der ITB vertreten. Einen Zuwachs gibt es auch bei Ländern aus Afrika und bei Kreuzfahrtunternehmen. Nach einer Auszeit feiert China ein Comeback.

Rothes Fremdsprachen: Englisch, Französisch, Spanisch und Schwäbisch

Parallel zur Messe findet der ITB-Berlin-Kongress statt mit Podiumsdiskussionen und Panels. 24 000 Besucher werden erwartet. Ein Mammutprojekt, das mehr als ein Jahr im Voraus organisiert wird. „Wir begrüßen die Welt. Da steckt sehr viel Teamwork dahinter. Schon vor der ITB Berlin 2024 starten wir mit der Planung für die Messe 2025“, sagt Deborah Rothe. Dann wird Albanien das Gastland sein.

Die Berlinerin ist seit einem Jahr Chefin der Reisemesse und leitet eine Mannschaft von rund 30 Leuten. Während der Veranstaltung arbeiten bis zu 300 Menschen für die ITB: Hostessen, Techniker, Sicherheitsleute, Mitarbeiter für Presse und Protokoll. Mit nur 32 Jahren verfügt sie schon über mehr als zehn Jahre Berufserfahrung. Möglich gemacht hat das eine baden-württembergische Spezialität: die duale Hochschule. Deborah Rothe hat in Ravensburg Betriebswirtschaft, Messe-, Kongress- und Eventmanagement studiert. Beim zweigleisigen Studium wechseln die Studenten im Dreimonatsrhythmus zwischen einem Arbeitgeber und dem Hörsaal hin und her. Theorie und Praxis gehen Hand in Hand. Deborah Rothe schwärmt von der Zeit in Ravensburg. „Ich kann das jedem nur empfehlen.“

Organisationstalent und eine kommunikative Ader

Als Großstadtmensch musste sie sich an die oberschwäbische Kleinstadt erst gewöhnen. Sie lernte das Landleben im Süden aber schnell zu schätzen: die Nähe zu den Bergen und zum Bodensee, die vielen Freizeitmöglichkeiten. „Ravensburg und die Region haben mich sehr überrascht, dort ist es wirklich sehr schön, und ich komme immer gerne dahin zurück”, erzählt sie. Rothe engagiert sich als Absolventin der Hochschule im Alumniprogramm und kann sogar Schwäbisch. Die sprachliche Begabung ist eine gute Voraussetzung für ihren Job. Neben dem Südwestdialekt spricht die Messechefin Englisch, Italienisch und Spanisch. Chinesisch lernt sie gerade. Außerdem bringt sie großes Organisationstalent mit. Schon in der Schule in Berlin war Rothe eine, die sich gerne engagiert und anpackt. Sie war Mitglied der Theater-AG und der Musical-AG, hat den Abiball organisiert. Auch privat erstellt sie ständig To-do-Listen. „Ich habe da einen Tick“, sagt sie.

Erste Erfahrungen auf der Messe sammelte als Kind bei gemeinsamen Besuchen mit den Eltern. „Die ITB und die Grüne Woche waren bei uns Pflicht“, sagt Rothe. Später jobbte sie als Hostess am Info-Counter am Messe-Eingang Süd. Dass sich Menschen physisch treffen und austauschen, hält Deborah Rothe für eine wichtige Sache: „So wird das Produkt erlebbar. Man erhält persönliche Tipps und lernt Einheimische kennen.“

Schwerpunkte der Messe 2024 sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit

Nach der Coronapandemie hat sich der Tourismus wieder erstaunlich schnell erholt und gezeigt. Nun steht die Branche vor anderen großen Herausforderungen. „Unsere Schwerpunkte sind Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Wir sind eine Plattform, auf der die Tourismusindustrie sich fit für die Zukunft macht.“

Aus Nachhaltigkeitsgründen einfach zu Hause zu bleiben hält Deborah Rothe für den falschen Weg. „Reisen ist ein Grundbedürfnis. Das Fernweh zieht Menschen in die Welt. Es braucht kein Verbot, sondern neue Lösungen und Veränderungen.“ Rothe ist schon immer gerne gereist und glücklich, dass dieses Hobby ihr Beruf geworden ist. Mitte März, wenn der Messetrubel vorbei ist, fliegt sie nach Hawaii zum Surfen und Segeln. Zum Erholen, denn nach der Messe ist vor der Messe.