Michaela Aurenz Maldonado wird Gastgeberin der Isny-Runde. Foto: privat

Unternehmer und Politiker diskutierten beim Managertreffen in Isny, das ganz im Zeichen des Generationswechsels stand: Michaela Aurenz Maldonado folgt auf ihren Vater als künftige Gastgeberin.

Isny - Standing Ovations, minutenlang. Das gibt’s nur einmal in 40 Jahren – jetzt, als Ende und Neubeginn der Isny-Runde im Raum stehen. Generationswechsel beim „schwäbischen Davos“, das mit seinem kritischen Dialog zwischen Politik und Wirtschaft im deutschsprachigen Raum so etwas wie der kleine Bruder des Weltwirtschaftsforums ist. Der anhaltende Beifall im Berghotel Jägerhof gilt den Veranstaltern, dem Unternehmer-Ehepaar Helmut und Bruni Aurenz, dem auch der Jägerhof gehört, sowie dem jahrzehntelangen Moderator Matthias Wissmann, Ex-Minister und Ex-Präsident des Automobilverbands.

„Erfreulich, dass heute nicht nur auf hohem Niveau gejammert wird, sondern dass Lösungen gesucht werden“, sagt der international renommierte Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Und EU-Kommissar Günther Oettinger, der an diesem Tag seinen letzten Arbeitstag für Europa hat, wendet sich mit einer gezielten Provokation an das Publikum im Saal: „Haben Sie realisiert, dass das Europäische Parlament in dieser Woche den Klimanotstand beschlossen hat? Damit wird am Ende Europas Industrie zerstört. Und wir werden zum Museum der Welt.“

Mangel an Innovationskraft

Die Gefahr, die Oettinger als Knaller ins Publikum schleudert, wird von den Referenten dieses Tages teilweise mit differenzierten Argumenten bestätigt: von Porsche-Vorstandschef Oliver Blume, dem BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller, dem Vorstandschef der Dürr AG, Ralf W. Dieter, sowie von Friedrich Merz, dem Kanzleraspiranten und Vizepräsidenten des Wirtschaftsrats der CDU.

Übereinstimmend beschreiben sie, wie Deutschland in der internationalen Wettbewerbsfähigkeit seit Jahren zurückfällt, weil es hier massiv an Innovationskraft mangelt. Dürr-Chef Dieter stellt die Prognose: „Es wird in den nächsten Jahren sehr viele Verlierer im baden-württembergischen Maschinen- und Anlagenbau geben.“ Auch gingen die Zeiten Deutschlands als Exportweltmeister zu Ende. Immer mehr Kunden verlangten von Dürr zwar deutsche Produkte, aber solche, die am Standort China produziert werden – schon des günstigeren Preises wegen. Deutschland habe zusammen mit Europa nur noch eine Chance „mit viel, viel vielen Innovationen. Das Thema muss ganz oben auf der Agenda stehen.“ Und: Es müsse deutlich mehr Kooperationen geben durch das Zusammengehen starker Partner.

Für die BASF, den weltweit größten Chemiekonzern, ist dessen Chef Martin Brudermüller zuversichtlicher: „Wir werden Lösungen hinbekommen, die andere nicht haben. Aber Deutschland muss sich für die Zukunft neu definieren. Zu vieles ist schräg geworden. Nicht die Chinesen sind unser Problem, sondern wir selbst, weil wir uns im Wege stehen.“ Auch Porsche-Chef Blume ist für seine Marke optimistisch. Der Sportwagenhersteller habe in den letzten fünf Jahren den CO2-Ausstoß um 75 Prozent reduziert in Übereinstimmung mit dem Pariser Klimaabkommen. Doch insgesamt werde sich die Welt des Automobils in den allernächsten Jahren radikal verändern, mehr als in den letzten 50 Jahren.

300 hochkarätige Teilnehmer

Nicht ohne Grund spricht Friedrich Merz als Letzter. Sein Beitrag ist von den fast 300 hochkarätigen Teilnehmern aus Wirtschaft, Politik und Wissenschaft mit Spannung ­erwartet worden. Geschliffen und wirtschaftspolitisch bestens bewandert, ­entwirft Merz seine Agenda 2030. Darin fordert er eine stärkere deutsche Interessenvertretung gegenüber der neuen EU-Kommission. Auch für den Preis von Konflikten, denn die neue Kommission sei zu industrie- und ­wirtschaftsfern.

Merz fordert eine viel engere und konstruktivere Zusammenarbeit mit Frankreich; eine Stärkung des europäischen Bankensystems; einen radikalen Paradigmenwechsel bei deutschen Genehmigungsverfahren und mehr Engagement in der Außen- und Sicherheitspolitik. Aber auch: „Wir können den Individualverkehr nicht weiter so anwachsen lassen.“ Immer wieder wird Merz, der in dieser Runde ein Heimspiel hat, von Beifall begleitet.

Die Tochter übernimmt vom Vater

Elegant geht der Generationswechsel der Isny-Runde über die Bühne, vom bisherigen Veranstalter Helmut Aurenz (82) auf seine Tochter Michaela Aurenz Maldonado (35), die jetzige Chefin des Ludwigsburger Blumenerde-Konzerns ASB-Grünland. Sie verabschiedet das Publikum, nachdem die Moderation bereits von Wissmanns Nachfolger, dem baden-württembergischen Innenminister und CDU-Landesvorsitzenden Thomas Strobl geleitet wurde.

„Die Isny-Runde ist eine Marke“, sagt Strobl, „und diese Marke muss weiterleben: Es ist der unverzichtbare kritische Dialog zwischen Politik und Wirtschaft, zu dem fast alle Bundeskanzler, der Bundespräsident und Spitzenpolitiker gekommen sind. Fürs „schwäbische Davos“ hat 2019 die neue Ära begonnen.

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