Grenzübergang an der Syrisch-Türkischen Grenze, nahe der syrischen Stadt Kasab: An der mehr als 900 Kilometer langen Grenze der Türkei zu Syrien und Irak gibt es 14 offizielle Übergänge – drei davon kontrolliert bereits die Terrormiliz Islamischer Staat (IS). Foto: dpa

Der Sprecher der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat die Muslime in der Welt dazu aufgerufen, „Ungläubige“ rund um den Erdball zu ermorden. Bereits in einer früheren Schrift hatte er gezielt zu Selbstmordanschlägen in Europa aufgerufen.

Stuttgart - Der Sprecher der Terrorgruppe Islamischer Staat (IS) hat die Muslime in der Welt dazu aufgerufen, „Ungläubige“ rund um den Erdball zu ermorden. „Tut alles, was euch möglich ist, um jene zu töten, die euren Glauben nicht teilen“, forderte der Sprecher des IS, Scheich Abu Mohammad al-Adnani al-Shami, in einer fast 42 Minuten ­dauernden Audiobotschaft. Die Predigt mit dem Titel „In der Tat ist Dein Herr immer wachsam“ wurde im Internet verbreitet. Zeitgleich veröffentlichte die Medienabteilung des IS den Aufruf schriftlich in Englisch, Deutsch, Französisch, Russisch und Hebräisch.

„Wenn du einen ungläubigen Amerikaner oder Europäer – vor allem aber einen gehässigen und schmutzigen Franzosen – oder aber einen Australier, Kanadier oder auch nur einen anderen von den Ungläubigen töten kannst, die Krieg gegen uns führen, dann töte ihn auf jede erdenkliche Art. Das schließt auch die Bürger jener Länder ein, die sich an der Koalition gegen den Islamischen Staat beteiligen“, sagte al-Adnani.

Er führte verschiedene Möglichkeiten auf, „Ungläubige“ ohne großen logistischen Aufwand zu töten. US-Präsident Barack Obama und die „anderen westlichen Kreuzritter“ würden unweigerlich eine Niederlage erleiden, sagte al-Adnani und fuhr fort: „So wisset – bei Allah –, wir fürchten weder Flugzeug-Schwärme noch ballistische Raketen, noch Drohnen, noch Satelliten, noch Kriegsschiffe, noch Massenvernichtungswaffen.“

Über den einzigen Syrer in der Führungsriege des IS ist nur wenig bekannt. Nach Informationen von US-Geheimdiensten soll er mit wahrem Namen Taha Subhi Falaha heißen und aus dem syrischen Städtchen Binnish stammen. Der 42 000 Einwohner zählende Ort liegt achteinhalb Kilometer nordöstlich der Provinzhauptstadt Idlib. Der 1977 geborene Falaha arbeitete nach diesen Informationen bis zu Beginn der 2000er Jahre als Lehrer für Englisch und Chemie in seiner Heimatstadt. Er sei, so die Erkenntnisse der US-Dienste, durch den Krieg in Afghanistan radikalisiert worden und habe sich etwa 2003 der Terrorgruppe El Kaida im Irak angeschlossen. Er soll einer der ersten Kämpfer aus dem Ausland gewesen sein, die sich den Dschihadisten im Zweistromland anschlossen.

Der US-Terrorismus-Experte Sebastian Gorka ist im Gespräch mit unserer Zeitung davon überzeugt, dass „diese Botschaft aus dem terroristischen Hintergrund al-Adnanis zu verstehen ist: Er richtet sich an mögliche Einzeltäter auf der ganzen Welt. Sie sollen den Kampf des IS in Syrien und im Irak durch Anschläge unterstützen“. Gerade weil sich diese Botschaft besonders an jene richte, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in Syrien von den Dschihadisten militärisch ausgebildet wurden und dann in ihre Heimatländer zurückkehrten, „ist das Risiko für die westlichen Sicherheitsbehörden so gut wie gar nicht einzuschätzen“.

In der vergangenen Woche hatten australische Polizeibeamte 15 Salafisten festgenommen. Sie sollen geplant haben, Passanten von der Straße weg zu entführen und vor laufenden Kameras zu enthaupten. Gorka glaubt: „Diese Festnahmen dürften die aktuelle Botschaft des IS-Sprechers maßgeblich gefördert haben.“ Zwar sei nicht sicher, ob die Terrorgruppe einen solchen Anschlag wie den in Australien geplanten konkret in Auftrag gegeben habe. „Aber vieles spricht dafür, dass al-Adnani von diesem Plan so inspiriert wurde, dass er jetzt zu den Morden aufruft. Solche Anschläge hätten einzig und alleine das Ziel, die Bevölkerung in Panik zu versetzen.“

Bereits in einer früheren Schrift hatte IS-Sprecher al-Adnani gezielt zu Selbstmordanschlägen in Europa aufgerufen. In seiner Predigt „Was dir Gutes widerfährt, kommt von Allah“ schreibt der Syrer: „So bindet eure Sprengstoffgürtel und bereitet euch vor, bereitet euch vor.“ Kurze Zeit nachdem diese Predigt im Internet veröffentlich wurde, erschoss im Mai dieses Jahres ein aus Syrien heimkehrender französischer Dschihadist im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen. Am Wochenende hatten belgische Medien berichtet, die dortigen Behörden hätten in den vergangenen Wochen mehrere Anschläge von Syrien-Rückkehrern und IS-Sympathisanten verhindert. Demnach soll auch das Gebäude der EU-Kommission in Brüssel eines der Ziele gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft betonte am Montag aber, dass keine Hinweise auf konkrete Anschlagspläne gefunden worden seien.

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