Dirk Boll Foto: hna

Kronzeuge des Marktes will er nicht sein, sagt Dirk Boll, Europachef des Auktionshauses Christie’s, im Interview mit den „Stuttgarter Nachrichten“.

Stuttgart - Herr Boll, in der Diskussion „Bis die Blase platzt? Frisst der Mammon die Museen?“ sind Sie als Kronzeuge des ­Markts gefordert. Wieder einmal. Passt die Rolle?
Sicherlich bin ich nicht der Kronzeuge des Markts, dazu gibt es – man denke nur an Sammler oder Galeristen – zu viele verschiedenartige Akteure auf diesem Feld. Aber natürlich bin ich einer von ihnen und fühle mich in guter Gesellschaft.
Unterschlägt die Fragestellung nicht die Verantwortung der Kunstinteressierten, sich schlicht zu engagieren – als Beteiligte jeder Form?
Da gebe ich Ihnen vollkommen recht, aber das unterscheidet die Kunstwelt nicht von anderen Sphären der Gesellschaft. Die Sache, um die es geht, bei uns eben die Kunst, darf der ökonomischen Dynamik nicht zum Opfer fallen. Da bin ich aber in unserem Falle relativ zuversichtlich; schließlich hat der Markt ein durchaus eigenes Interesse an der Integrität der Kunst, würde er doch andernfalls seines Gegenstands beraubt. Zum ­anderen hat sich wenigstens in der Vergangenheit der Einfallsreichtum der Kunst dem des Marktes stets als überlegen erwiesen.
Versteckt, aber doch warten die Museen ja auch auf Ihren Rat. Haben Sie einen?
Vermutlich wünsche ich mir von ­Museumsleuten mindestens so guten Rat wie diese von mir. Und je weniger wir uns dabei verstecken, desto besser. Der Diskurs über die Kunst und den Markt, auf dem mit ihr umgegangen wird, verdient und verträgt viel mehr Offenheit, als wir das in Deutschland gewohnt sind.

„Bis die Blase platzt? Frisst der Mammon die Museen?“ ist die Diskussion zum Abschluss einer fünfteiligen Veranstaltungsreihe anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Instituts für Kulturmanagement in Ludwigsburg überschrieben. Auf dem Podium: Dirk Boll und der Kunstwissenschaftler Wolfgang Ullrich. Der Abend findet an diesem Dienstag in der Kunstakademie Stuttgart statt. Beginn: 20 Uhr.