Die Sportfreunde Stiller Rüdiger Linhof, Florian Weber und Peter Brugger (von links) machen seit 20 Jahren Gute-Laune-Gitarren-Indie-Poprock und finden es immer noch super. Jetzt gibt es das neue Album „Sturm und Stille“. Foto: dpa

Warum der Band Sportfreunde Stiller ihre Gute-Laune-Musik immer noch genauso viel Spaß macht wie mit Anfang 20, sie aber nicht so gern im Bierzelt gespielt werden wollen, haben Bassist Rüdiger Linhof und Schlagzeuger Florian Weber im Interview erklärt.

Stuttgart - „Heute fallen wir Hundert Pro nicht vom Brett“ sang die Band Sportfreunde Stiller auf ihrem ersten Album „So wie einst Real Madrid“ (2000) im Lied „Wellenreiten ’54“. Bis heute sind die drei Münchner Buben nicht vom Brett gefallen, im Gegenteil: steil bergauf sind sie auf der Pop-Welle geritten bis sie 2006 während der Fußball-Weltmeisterschaft mit dem Hit „’54, ’74, ’90, 2006“ endgültig zu Stars wurden. Mit „Sturm und Stille“ bringen die scheinbar ewig jugendlichen Indie-Rocker nun ihr siebtes Studio-Album heraus und zeigen sich darin – trotz des routinierten Optimismus’ – auch von ihrer nachdenklichen Seite. 20 Jahre als Popstars gehen schließlich nicht spurlos an einem vorbei.

Die Sportfreunde Stiller stehen seit 20 Jahren für gut gelaunten Deutsch-Indie-Poprock. Macht Ihnen das immer noch genauso viel Spaß wie mit Anfang zwanzig?
Rüdiger Linhof: Auf jeden Fall! Ich kann es noch gar nicht recht begreifen, dass wir das schon zwanzig Jahre lang machen. Manchmal muss ich mich regelrecht zwicken, um zu kapieren, dass ich immer noch so wie damals mit Peter und Flo unterwegs bin. Ich finde es nach wie vor überraschend, dass es möglich ist, dieses Leben so lange zu führen.
Warum, haben Sie nicht immer daran geglaubt?
Linhof: Wir haben vor allem nicht so weit gedacht. Mit Anfang 20 war das Ganze noch überhaupt nicht greifbar. Drei Jahre waren unendlich lang, und es ging einfach um die nächste Platte. 20 ist so eine Zahl, die hört sich schon nach Archäologie und Jungsteinzeitalter an.
Florian Weber: Wir hatten nie den großen Masterplan. Peter (Anm. der Red.: der Frontsänger der Sportfreunde Stiller Peter Brugger) und ich haben im Studium zusammen gefunden, wir waren beide Schlagzeuger in Studentenbands und dachten: „Komm, wir machen mal ein Konzert zusammen!“ Das sollte eigentlich nur eine einmalige Sache werden. Aber das Konzert hat sich zufällig unser künftiger Manager Marc Liebscher angesehen und dann ist es so gekommen, wie es gekommen ist. Zunächst war es einfach nur ein riesengroßer Spaß. Hätte ich da schon gewusst, wohin die Reise geht, hätte ich mein Studium natürlich viel früher geschmissen (lacht).
Aber Ihr Lebensgefühl hat sich in den vergangenen 20 Jahren bestimmt verändert?
Linhof: Sicher! Wir haben ja inzwischen als Familienväter Verantwortung, da verändert sich der Fokus natürlich. Früher haben wir viel mehr im Augenblick gelebt, ich habe es total gefeiert, so unterwegs sein zu können wie die Bands in den Filmdokus, die ich mir als Jugendlicher angesehen habe, zum Beispiel die Doku über The Who „The Kids are alright“. Natürlich in einem viel kleineren Rahmen. Aber wenn mit Anfang Zwanzig der Asphalt nur so unter einem weg rauscht, man als Musiker von Stadt zu Stadt fährt, nach den Konzerten Mädels kennenlernt und ohne Ende feiert, dann hat man schon das Gefühl, der eigenen Biografie eine ganz besondere Geschichte hinzuzufügen. Ich hatte eigentlich ständig dieses Gefühl: „Die Füße kleben barfuß an der Windschutzscheibe, wir hören lauten Sound und rasen durch den Sommer.“
Und wie fühlt sich Ihr Leben heute an? Das neue Album „Sturm und Stille“ klingt nachdenklicher als die früheren.
Linhof: Es gibt zu jeder Zeit bestimmte Themen, mit denen man sich beschäftigt und zu denen man eine gewisse Haltung entwickeln muss, seien es gesellschaftliche Themen oder eher persönliche wie das Thema Älterwerden oder Verantwortung übernehmen. Manchmal findet man alles cool, manchmal hadert man ein bisschen. Nachdenklich sind viele Zeilen des neuen Albums, aber unterm Strich möchten wir immer noch gute Energie raushauen. Wir wollen einen positiven Standpunkt finden, uns nicht unterkriegen lassen. Wenn ich die Wahl zwischen der positiven und der negativen Sicht habe, würde ich mich immer für die positive entscheiden. Die Lieder des neuen Albums betrachten aber immer beide Seiten.
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