Kinder lernen mit einem Kuschelbären, worauf es im Notfall ankommt. Foto: Lichtgut/Verena Ecker

Vor Kurzem haben Drittklässler in Steinenbronn (Kreis Böblingen) gelernt, wie Herzmassage geht. Doch: Muss man wirklich so früh schon zum Lebensretter werden? Die Antwort darauf hat Evelyn Grau, die stellvertretende Jugendleiterin des dortigen Deutschen Roten Kreuzes.

Steinenbronn - Vor Kurzem haben Drittklässlern der Klingenbachschule in Steinenbronn gelernt, wie Herzmassage geht. Doch: Muss man wirklich so früh schon zum Lebensretter werden? Die Antwort darauf hat Evelyn Grau, die stellvertretende Jugendleiterin des Deutschen Roten Kreuzes Steinenbronn.

Frau Grau, in welchem Alter sollten Kinder mit dem Thema Lebensrettung in Berührung kommen?

Wir gehen seit fünf Jahren in Folge jedes Jahr an zwei Tagen in alle Klassen – auch zu den Erstklässlern. Allerdings werden die frisch eingeschulten Kinder noch nicht mit dem Thema Wiederbelebung konfrontiert. Hier geht es in erster Linie um Verletzungen auf dem Schulhof und wo man sich Hilfe holen kann.

Wie gestaltet man einen Kurs kindgerecht?

In der zweiten Klasse erklären wir anhand eines Bären das HELD-Schema, die Buchstaben stehen für Hilfe holen, Ermutigen, Lebenswichtige Funktionen prüfen und den Patienten mit einer Decke zudecken. Dann zeigen wir mit einem Schwamm, wie ein Herz funktioniert und warum es pumpt. Es geht darum, spielerisch Berührungsängste abzubauen und den Kindern bereits erste Dinge an die Hand zu geben. Ab der dritten Klasse geht es dann um die Wiederbelebung an einer Puppe – die Kinder drücken, und wenn genug Blut zum Hirn gepumpt wird, geht ein Licht an.

Verstört das die Kinder nicht auch?

Überhaupt nicht, alle haben einen Riesenspaß, es macht ihnen richtig Laune. Ich habe in fünf Jahren noch nie ein Kind erlebt, das Angst hatte. Im Gegenteil: Wenn mich die Kinder in der Schule oder auf der Straße sehen, freuen sie sich und fragen, wann ich mal wieder zu ihnen komme. Einige kommen später auch zum Jugendrotkreuz, was uns natürlich sehr freut.

Ein Kind, das ein Leben retten soll, bekommt eine hohe Verantwortung – wie gehen Sie damit um?

Es geht in erster Linie darum, dass wir den Kindern sagen: Ihr müsst immer zuerst Hilfe holen, laut um Hilfe schreien – ohne Erwachsene geht es nicht! Wir wollen den Kindern zeigen, dass sie etwas bewirken können und ihre Berührungsängste abbauen, deshalb beginnen wir auch in der ersten Klasse. In der vierten Klasse zeigen wir ihnen sogar, wie ein Defibrillator funktioniert und erklären ihnen, wo in der Stadt welche zu finden sind. Das Beste daran ist, dass Kinder im Grundschulalter ganz viel erzählen und sich die Eltern somit ebenfalls wieder mit dem Thema beschäftigen. Bei vielen liegt der Erste-Hilfe-Kurs schon lange zurück.

Könnte ein Kind überhaupt einen Menschen wiederbeleben?

An den Puppen merken die Kinder rasch, dass ihnen die Kraft schnell ausgeht – deshalb sollen sie auch immer zuerst einen Erwachsenen dazu holen. Dennoch üben sie, im Takt von ‚Hey, Pippi Langstrumpf‘ tennisballtief in den Brustkorb der Puppe zu drücken. Je nach Statur können manche Kinder eine erstaunliche Kraft entwickeln. Dennoch gilt immer unser Motto: Prüfen, Rufen, Drücken!

Gab es schon mal einen Ernstfall, also dass eines der Kinder in eine entsprechende Situation geriet?

Zum Glück nicht, nein.

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