DJ Bobo – hier mit seiner Frau Nancy auf der Bühne im Freizeitpark Rust – liebt die spektakulären Shows Foto: dpa

DJ Bobo erklärt, warum er Optimist geblieben ist und was er von Michael Jackson gelernt hat

Stuttgart - Über ein Vierteljahrhundert nach seinem Durchbruch füllt DJ Bobo immer noch die großen Hallen. Möglich wurde das durch Geschick, Leidenschaft und eine gesunde Portion Bodenständigkeit.

DJ Bobo, Sie sind in diesem Jahr 50 geworden. Haben Sie das Gefühl, anders zu altern?

Das Schlimmste also gleich zu Beginn des Gesprächs? (Lacht) Aber tatsächlich fühlt es sich nicht so an, als würde ich langsamer altern als andere. Das liegt daran, dass ich mich immer mit vielen jungen Menschen umgebe. Das bringt der Beruf so mit sich. Auf der Bühne gibt es niemanden, der so alt ist wie ich. Das liegt in der Natur der Sache. Musik ist ewig jung.

Können Sie auf der Bühne noch mithalten?

Nein. Mit den 25-jährigen Tänzern, die gerade frisch von amerikanischen Academys kommen und sich ganze Choreografien innerhalb von Minuten merken können, kann ich nicht mehr Schritt halten. Aber das will ich so. Ich umgebe mich mit Spezialisten. Ich will die mit mir auf der Bühne haben, die in ihrem Bereich außergewöhnlich gut sind.

Sie stehen Ihr halbes Leben auf der Bühne. Macht das süchtig?

Interessanterweise nicht. Für mich ist das Entwickeln einer Show genauso spannend wie die Show selbst. Ich liebe es, hinter den Kulissen zu arbeiten, und könnte mir gut vorstellen, jederzeit die Seiten zu wechseln.

Das klingt ja fast wie eine Altersvorsorge.

Wahrscheinlich hat es damit zu tun. Es entspannt mich zumindest, weil ich auf wie hinter der Bühne Erfüllung finde. Ich möchte mit meinen Shows immer versuchen, der Zeit voraus zu sein. Das spornt mich an, ich bin mit meinen Technologien aber oftmals zu früh. Manchmal kommen dann meine Kollegen drei Jahre später auf Tour und zeigen mir diese Technologie in Perfektion. Das ist natürlich etwas zermürbend, aber eben auch spannend.

Ihre Shows wurden in den vergangenen Jahren stets spektakulärer und aufwendiger. ­Inwiefern hat das Ihre Herangehensweise an die Musik geändert?

Unsere Musik ist mittlerweile ein Soundtrack zur Tour. Das ist ein komplett anderer Ansatz als in den Neunzigern. Damals machten wir Musik für die Tanzflächen, damals ging es um erfolgreiche Singles. Im Laufe der Jahre verlagerte sich der Fokus immer mehr auf unsere Shows. Wir planen mittlerweile sogar schon ein, wann der Zuschauer sitzt und wann er steht. Das müssen wir ihnen gar nicht sagen, sie spüren es einfach. Durch die Musik. Die Dramaturgie ist entscheidend, und das kostet natürlich sehr viel Zeit.

Sie haben in den vergangenen Jahren oft betont, kein politischer Künstler zu sein. Dennoch rufen Ihre Lieder und Shows seit jeher zu Liebe, Toleranz und Frieden auf. Ist das in heutigen Zeiten nicht auch schon politisch?

Für mich ist das eine Grundlebenseinstellung. Das ist selbstverständlich, ganz einfach. Sie sehen, ich glaube immer noch an das Gute und bin selbst hier und heute überzeugt, dass alles immer besser wird auf dieser Welt – global und auf die letzten Jahrhunderte bezogen. Das ist ein Grundwert, den ich schon immer hatte und den ich auch meinen Kindern vorlebe.

Wie reagieren Ihre Kinder auf den Beruf ihres Vaters?

Eigentlich ist er genau das für sie: ein Beruf. Sie gehen sehr entspannt damit um, sind aber natürlich nicht allzu begeistert, wenn wir auf Tournee gehen. Ich glaube, sie finden andere Eltern cooler, die immer zu Hause sind. Aber wir achten immer darauf, dass wir oft und lange zu Hause sind. Ich hatte immer eine gute Balance zwischen Backstage und Wohnzimmer.

Das konnten einige Ihrer Kollegen der Neunziger nicht von sich behaupten.

Man überschätzt sich schnell, das war anfangs auch bei mir so. Irgendwann denkst du, dass du etwas Besonderes bist, dass da etwas abstrahlt von dir. Aber ich habe damals schnell gemerkt: Das bist nicht du, das ist das Produkt. Da könnte auch ein anderer stehen.

Meinen Sie, Sie merkten es schneller, weil Sie damals immerhin schon Mitte 20 waren und einige Erfahrung hatten, ehe Ihre Karriere richtig durchstartete?

Ich denke schon, ja. Ich lernte zuerst das Handwerk, dann kam der Erfolg. Bei vielen anderen verhielt es sich genau andersherum. Die vier, fünf Jahre, die ich damals Vorsprung hatte, haben mir wahrscheinlich sehr gutgetan.

1996 ging es dann im Vorprogramm von ­Michael Jackson auf Tournee. Was nimmt ein riesiger Jackson-Fan wie Sie von solch einem Erlebnis mit?

Wir haben damals etwas Entscheidendes gelernt. Der Abstand zwischen uns und der Weltspitze war gar nicht so groß. Damals dachte ich, dazwischen liegen Lichtjahre, doch auf Tour merkte ich schnell: Auch Michael Jackson kocht mit Wasser. Auch seine Show ist konzipiert und gut durchdacht. Das war für uns alle eine unglaubliche Motivation. Wir kamen mit einer breiten Brust von dieser Tournee zurück.

Im April 2019 startet Ihre „Kaleidoluna“-Tour, mit der sie auch nach Stuttgart kommen. Ist es schwer, immer neue Choreografien für teilweise über 20 Jahre alte Songs zu konzipieren?

Wir versuchen, die alten Choreografien beizubehalten. Das passt nicht immer und sieht manchmal auch albern aus, aber man kann „Pray“ nicht ohne diese typische Handbewegung spielen. Es wäre alberner, sie wegzulassen. Aber ich habe auch so schon genug Probleme, mir die neuen Songtexte zu merken. Das war schon immer so bei mir.

Am 1. und 2. Juni 2019 gastiert DJ Bobo mit seiner „Kaleidoluna“-Show in der Stuttgarter Porsche-Arena.
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