Die Museumschefin Cecilie Hollberg kämpft an vielen Fronten. Foto: Sergio Garbari

Cecilie Hollberg leitet seit einem Jahr die Galleria dell’Accademia in Florenz. Obwohl die Sammlung weltweit zu den glanzvollsten zählt, besteht ihre wichtigste Aufgabe vorläufig aus „Verwaltung, Verwaltung, Verwaltung“.

Florenz - Sie gehört zu den zwanzig „neodirettori“, die das italienische Museumswesen flottmachen sollen. Cecilie Hollberg, die als Direktorin des Städtischen Museums Braunschweig Führungsqualitäten bewiesen hat, ist dabei, in der Galleria dell’Accademia aufzuräumen.

Frau Hollberg, Sie sind als Direktorin der Galleria dell’Accademia quasi die Beschützerin von Michelangelos David. Was finden Sie an ihm am schönsten?
Der David ist ein Gesamtkunstwerk, man kann gar nicht sagen, das Auge oder die linke Haarlocke sei das Schönste. An ihm fasziniert mich die Perfektion der Arbeit aus einem Marmorblock, der bereits von zwei Künstlern verhauen worden war – Michelangelo kommt also als Dritter und arbeitet an diesem Block. So eine Figur in dieser Perfektion in diesen Dimensionen überhaupt überschauen zu können, und dann die Vorstellung, dass mit dem letzten Schlag diese Skulptur auch statisch passen muss, das ist faszinierend. Und das strahlt der David auch aus.
Der Weg zu David führt an den „Sklaven“ vorbei, ebenfalls Werke von Michelangelo.
Die dem David kein bisschen nachstehen. Diese Plastiken strahlen eine ungeheure Kraft aus – diese Bewegung, diese Wucht, mit der sie versuchen, sich aus ihren Marmorblöcken herauszuarbeiten. Dazu muss man sich den Satz von Michelangelo vergegenwärtigen: Ich helfe nur den Figuren, aus dem Stein herauszukommen. Dieses ganze Ensemble ist wirklich etwas sehr Beeindruckendes und Einmaliges.
Stört es Sie, dass die Galleria dell’Accademia hauptsächlich mit dem David und Michelangelo in Verbindung gebracht wird?
Es gibt Schlimmeres, und es gab längst Überlegungen, das Haus in David-Museum oder Ähnliches umzubenennen. Das ist allerdings traurig. Denn dieses Museum ist bei Weitem nicht nur der David. Er war auch nicht der Anfang dieses Museums. Das war die Sammlung der benachbarten Kunstakademie. Sie umfasste bereits Gemälde, Altartafeln aus den Kirchen in Florenz und dem Umland, die durch die Auf­lösung der Klöster während der napoleonischen Okkupation und in Folge der Säkularisation (1808/1810) hier an das Museum gelangt waren. Der David ist erst Ende des 19. Jahrhunderts dazu gekommen. 2002 wurde schließlich die Musikinstrumentensammlung an die Galleria geholt, die auf die Großherzöge Medici und Lothringen zurückgeht. Eine fantastische, vollkommen unterschätzte Sammlung.
Worum kümmern Sie sich gerade am intensivsten?
Verwaltung, Verwaltung, Verwaltung. Da mir vierzig Prozent des Personals fehlen, habe ich große Schwierigkeiten, den Alltag überhaupt zu gestalten. Dem Museum fehlt quasi die komplette Verwaltung samt Verwaltungsdirektor, was bei der hiesigen Bürokratie doppelt schwer wiegt. Ich habe auch keinen Architekten und kümmere mich gerade selbst um die Reparaturen der Klimaanlage. Es fehlen Informatik, Didaktik und 17 Aufsichten von sechzig, die ich haben müsste. Aber ich darf nicht auf den freien Arbeitsmarkt zugreifen.