Fesche Herren: John Taylor (2. v.l.) und Duran Duran Foto: dpa/Stephanie Pistel

John Taylor, Bassist und Gründungsmitglied von Duran Duran, ist seit 1978 mit der britischen Band unterwegs. 40 Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt meldet sich die Band jetzt mit dem zeitlos eleganten Album „Future Past“ zurück.

Stuttgart - 1978 tauscht der 18-jährige Nigel John Taylor seine Brille gegen Kontaktlinsen, trägt Kajal und Lippenstift auf, nennt sich nur noch John Taylor – und wird als Bassist von Duran Duran zu einem der größten Popstars der Achtziger. 40 Jahre nach dem selbstbetitelten Debüt ist die Band mit dem zeitlos eleganten „Future Past“ zurück.

 

Herr Taylor, in den frühen Achtzigern führen Duran Duran die sogenannte Second British Invasion in den USA an, die zweite große Eroberungswelle britischer Musik in den Vereinigten Staaten nach den Beatles und den Rolling Stones. Wie haben Sie das damals erlebt?

Die USA waren für uns zu dieser Zeit vor allem New York. Diese Stadt war in den Siebzigern der wichtigste Ort für Musik. New York Dolls, Ramones, Talking Heads, Patti Smith. . . alle kam aus New York, das war Zeitgeist pur. Der Rest des Landes interessierte mich irgendwie nicht. Klar fand ich die Vorstellung schön, mal nach Chicago zu gehen, nach Detroit, San Francisco und an all diese anderen musikhistorischen Orte, die mehr Mythos als Realität sind. Aber New York war der Ort, auf den sich unsere Ambitionen konzentrierten. Vielleicht auch, weil es nur schwer vorstellbar war, dass wir unsere Musik in Texas spielten. (lacht)

Ihr Aufstieg auf der anderen Seite des Atlantiks ging Hand in Hand mit dem Musiksender MTV, der vor 40 Jahren startete. War das eigentlich geplant?

Unser Management war damals zumindest clever genug, die Zeichen der Zeit richtig zu deuten und das große Potenzial in MTV zu erkennen. Wir trafen uns in New York mit den Programmchefs, um genau zu wissen, welche Videos gefragt waren. Und sie wollten Clips, die aussahen wie James-Bond-Filme. Nicht wie Heimvideoabende. (lacht) Ich bin mir sicher, dass wir es ohne MTV deutlich schwerer in den USA gehabt hätten. „Hungry like the Wolf“ wurde zu einer Art Inbegriff des Musikvideos, eine vollkommen neue Sprache der Popkultur. Natürlich war es nicht das erste Musikvideo, aber die Kombination aus Musik und Bild war offensichtlich etwas Neues. Das war nicht mehr die Musik deines älteren Bruders. Das war etwas, das du selbst neu entdecken und für dich vereinnahmen konntest.

Woher kam eigentlich Ihr starker Fokus auf die visuelle Seite der Band?

David Bowie ist schuld. Sein „Ziggy Stardust“ war das erste Album, das ich nicht nur hörte, sondern fühlte. Als 13-Jähriger versank ich darin, identifizierte mich mit der Musik, aber auch mit dem Look. Bei Bowie zählte das Gesamtpaket, seine gesamte Ikonografie. Man kann „Ziggy Stardust“ nicht hören ohne an seine Frisur, sein Make-up und seine Schuhe zu denken. Vollkommen unmöglich. Alle wichtigen Künstler der letzten 60 Jahre hatten großartige Frisuren. Denken Sie da mal drüber nach! (lacht)

Das neue Album „Future Past“ zeigt Duran Duran alterslos, elegant und am Puls einer ganz eigenen Zeitrechnung. Wie gehen Sie mit Ihrem Vermächtnis aus den Achtzigern um? Versuchen Sie bewusst, es zu ignorieren, oder erachten Sie es als Teil ihrer DNA?

Jeder Einzelne von uns hat eine vollkommen andere Vorstellung davon, welche Rolle unser Vermächtnis spielt. Wichtig ist für mich, dass ich mich mit meinem Vermächtnis wohlfühle und durchaus zulasse, dass es in meiner Musik eine Rolle spielt. Aber natürlich ist es vor allem die Aufgabe unseres Produzenten, die Auswirkungen einzuschätzen. Wir verlassen uns da gerne auf die Tontechniker, die uns ein wenig antreiben oder bremsen, man selbst ist ja gerne mal betriebsblind. Der Produzent zeigt uns die Grenzen auf, aber wir grenzen es vorher natürlich ein, weil wir uns einen ganz bestimmten Produzenten aussuchen. Wie vor 15 Jahren, als wir „Red Carpet Massacre“ mit Timbaland aufnahmen. Das Problem war nur: Er war damals zwar der Produzent der Stunde, aber er hatte keinen blassen Schimmer von unserem Vermächtnis. Ein Album mit einem Produzenten aufzunehmen ist in etwas so, wie in einen Klamottenladen zu gehen, irgendwas anzuprobieren und dann zu fragen, ob man das noch tragen kann.

Die Themen der neuen Songs scheinen mit Ihnen gealtert: Statt Herzschmerz und der ersten großen Liebe geht es jetzt eher um, sagen wir, altersentsprechende Dinge.

Wir haben ja auch nicht mehr die Achtziger! „Future Past“ ist ein sehr persönliches Album geworden. Es dreht sich um die Herausforderungen von Langzeitbeziehungen, die Aufs und Abs einer jeden Partnerschaft. Jeder weiß, wie schwierig es manchmal sein kann, jeder hat Fragen oder Geheimnisse, die man allerhöchstens mit seinem besten Freund teilen würde. Bei uns sind sie diesmal eben auf dem Album gelandet.

Apropos gelandet: Sie haben seit dem Jahr 2013 neben dem britischen auch einen US-amerikanischen Pass. Wie kam es dazu?

Meine Frau ist Amerikanerin. Über die Jahre hinweg wurde Los Angeles nicht nur ihre Heimat, sondern auch meine. Kalifornien wurde zu meinem Hauptquartier. Wenn ich in die Stadt zurückkam, fühlte es sich irgendwann immer mehr danach an, als würde ich nach Hause kommen. Das hätte ich früher niemals für möglich gehalten. Ich kannte Los Angeles natürlich, weil wir einige Male dort auf Tour waren, aber das wäre mir nie in den Sinn gekommen. Für mich war Los Angeles eine der langweiligsten Städte der Erde. Doch irgendwann merkte ich bei meinen Reisen ins heimische London, wie mir das Wetter dort plötzlich auf die Nerven ging. Immer dieser graue Himmel, das setzte mir mehr und mehr zu. (lacht)

Band
 In den späten Siebzigern formiert sich in England eine Szene, die das Erbe von David Bowie oder Roxy Music weiterträgt: Duran Duran, Spandau Ballett, Visage oder Boy George gehören zu den sogenannten New Romantics, die Geschlechterrollen biegen und einen androgynen Look prägen.

Erfolge
Zu den größten Erfolgen für Duran Duran zählt neben über 100 Millionen verkauften Platten, Dutzenden Top-40-Hits in Großbritannien und zwei Grammys auch ein Stern auf dem Hollywood Walk of Fame.

Liebreiz
Einst wurde Taylor von Teenie-Blättern zum „Sexiest Male Popstar alive“ gewählt. Heute sagt er: „Zum Glück geht es mittlerweile auch mal um die Musik.“

Album
 Duran Durans Album „Future Past“ (BMG/Warner) erscheint am Freitag.