Der TGV von Stuttgart nach Paris erfreut sich großer Beliebtheit bei den Reisenden. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Die Deutsche Bahn präsentiert zufrieden ihre Zahlen zum internationalen Verkehr. Besonders die Strecke von Stuttgart nach Paris steche dabei heraus. Allerdings bleibt die DB konkrete Zahlen schuldig und blendet einen Konkurrenten komplett aus.

Nationaler und innereuropäischer Flugverkehr steht unter verschärfter Beobachtung, seit die Klimadiskussion in die Mitte der Gesellschaft gerückt ist. Ein Umstieg auf die Schiene sei das Mittel der Wahl. Wie das aussehen könnte, lässt sich in Stuttgart beobachten. Züge von der baden-württembergischen Landeshauptstadt nach Frankreich haben längst den Fluggesellschaften das Gros der Passagiere abspenstig gemacht.

 

Kurze Fahrzeiten Dank Ausbau in Frankreich

Seit 2007, als in Frankreich eine neue Schnellfahrstrecke in Betrieb gegangen ist, verbinden der ICE und sein französisches Pendant, der TGV, Stuttgart mit der französischen Hauptstadt Paris. Mit einem weiteren Ausbauschritt in Frankreich 2016 sank die Fahrzeit vom Neckar an die Seine auf nur noch etwas mehr als drei Stunden. Vor Beginn des massiven Ausbaus in Frankreich dauert die Reise gut doppelt so lang. Die kurzen Reisezeiten hält die Deutsche Bahn für ausschlaggebend dafür, dass sich der Zug im Wettbewerb der Verkehrsträger durchsetze. So hätten sich „zuletzt fast neun von zehn Reisenden zwischen Stuttgart und Paris für einen Zug und gegen das Flugzeug entschieden“, schreibt die Bahn bei der Präsentation ihrer Zahlen für 2022 zum internationalen Fernverkehr.

Die Zahlen haben aber einen Schönheitsfehler. „Die Aussage bezieht sich nur auf die Nutzung von Zügen beziehungsweise Flugzeugen zwischen beiden Städten. Zum Autoverkehr haben wir keine Angaben“, erklärt eine Bahnsprecherin. Unklar bleibt auch, wie viele Menschen tatsächlich mit dem Zug zwischen Stuttgart und Paris unterwegs gewesen sind. Die Bahn belässt es bei dem Hinweis, dass zwischen Deutschland und Frankreich 2022 „insgesamt über zwei Millionen Menschen“ mit dem Zug gereist seien. Man äußere sich „zur Nutzung einzelner Relationen aus wettbewerblichen Gründen nicht“.

Konkrete Zahlen bleibt die Bahn schuldig

Fünfmal am Tag geht es von Stuttgart nach Paris. Eine Verbindung davon beginnt und endet in München. Ob angesichts des großen Andrangs noch weitere Züge dazu kommen werden, will die DB noch nicht sagen. „Wir überprüfen ständig unsere Angebote und optimieren sie an der Nachfrage. Das betrifft auch diese Verbindung“, sagt die Bahnsprecherin.

Warten auf Stuttgart 21

Während des Oktoberfests in München gibt es zusätzliche Fahrten von Paris nach Bayern. Weitere internationale Verbindung auch außerhalb der Wiesn-Zeit werden wohl frühestens dann angeboten, wenn in Stuttgart der neue Bahnhof in Betrieb geht. „Mit Fertigstellung des Infrastrukturprojekts Stuttgart 21 ergeben sich auch ganz neue Möglichkeiten für mehr Fernverkehr in der Region. Dann werden wir mit unserem Kooperationspartner SNCF weitere durchgehende Verbindungen prüfen“.

Grundsätzlich ist die Deutsche Bahn mit der Nachfrage in ihren grenzüberschreitenden Zügen zufrieden. Im Vergleich zu 2019, dem letzten Jahr vor der Corona-Pandemie, seien sieben Prozent mehr Menschen von Deutschland aus in die Nachbarländer per Zug gereist. In den ersten drei Monaten des Jahres 2023 haben die Buchungen im internationalen Verkehr laut DB 40 Prozent über jenen des ersten Quartals 2019 gelegen.

Mehr ICEs Richtung Österreich

Wie berichtet gibt es bereits zum sogenannten kleinen Fahrplanwechsel im Juni Veränderungen im internationalen Bahnverkehr ab Stuttgart. Der tägliche Intercity aus Nordrhein-Westfalen via Stuttgart nach Vorarlberg und Tirol wird auf ICE-Züge umgestellt – was Kritik hervorgerufen hat, weil damit im Land die Halte in Göppingen und Aulendorf entfallen.