Die finanzielle Ausstattung der Internationalen Schule ist auskömmlich, sagt ihre Leiterin Sarah Kupke. Dennoch sucht sie jetzt eine neue Herausforderung. Foto: Jürgen Bach

Sarah Kupke verlässt die Internationale Schule Sindelfingen. Sie will künftig Fortbildungen für Lehrer entwickeln.

Sindelfingen - Neues Jahr, neue Chance: So sieht es Sarah Kupke, seit 17 Jahren Leiterin der Internationalen Schule in Sindelfingen. „Ich bin vor kurzem 60 geworden und fand: ‚Es ist an der Zeit, noch einmal etwas neues zu wagen.“ Und so wird die Pädagogin im Sommer ihr Engagement als Schulleiterin beenden.

Der Internationalen Schule aber bleibt sie treu. Künftig will die gebürtige Britin ein Fortbildungsprogramm für alle Lehrer der internationalen Schulen in Stuttgart und Sindelfingen aufbauen. „Ich will Ansprechpartnerin für alle Lehrer sein, vor allem für die, die neu zu uns kommen. Und ich möchte neue pädagogische Konzepte entwickeln“, beschreibt sie ihr künftiges Aufgabenfeld.

Die gebürtige Engländerin lebt seit 30 Jahren in Deutschland

Die 60-Jährige ist Pädagogin aus Leidenschaft. Seit 30 Jahren lebt sie in Deutschland. In Sindelfingen lernte sie ihren Mann, den Künstler Joachim Kupke, kennen. Sie unterrichtete zunächst an der damals neugegründeten Böblinger Waldorfschule und später an der Internationalen Schule in Heidelberg. Als die Internationale Schule Stuttgart 2003 eine Dependance in Sindelfingen eröffnete, wurde sie umworben, doch die Schulleitung zu übernehmen.

Doch Kupke ließ sich erst eine Weile bitten, bevor sie 2004 dann zusagte. Mit 17 Schülern habe sie angefangen, erinnert sie sich. Heute besuchen 180 Kinder und Jugendliche zwischen vier und 16 Jahren Kindergarten und Schule bis zur zehnten Klasse. Das Baccalaureate International, das weltweit zum Studium berechtigt, können sie dann in Stuttgart machen – 700 Schüler hat die Mutterschule dort.

Für Lehrer deutscher Schulen klingen die Unterrichtsbedingungen traumhaft: Klassengrößen zwischen 15 und 22 Schülern, bei 1,5 Lehrern pro Klasse und zusätzlichen Assistenten in den jüngeren Jahrgängen. Auch die Ausstattung der Schule lässt keine Wünsche offen. „Wir hatten das Privileg, gleich beim ersten Lockdown, dass wir uns nicht um technische Fragen kümmern mussten, sondern ausschließlich um pädagogische“, sagt Kupke. So habe jeder Lehrer einen Laptop, auch die Schüler seien gut ausgestattet. Bereits im Kindergarten arbeite man mit den Kleinen mit Tablets. Die Umstellung auf den Online-Unterricht sei ohne Probleme gelaufen, sagt Kupke. Sie schwärmt von Projekten wie einer Theateraufführung, bei der die Kinder ihre Rollen zuhause spielten, sich dabei filmten und dann online stellten.

Ein Schulplatz kostet 18 000 Euro

Diese traumhaften Bedingungen haben freilich ihren Preis: ein Schulplatz kostet 15 000 bis 18 000 Euro im Jahr. Fast überwiegend Kinder ausländischer Experten, die für einige Jahre nach Deutschland geschickt werden, besuchen die Schule. Zumeist übernehmen die Arbeitgeber, in der Regel große Unternehmen wie Daimler oder Bosch, die Schulgebühren. Unabhängig ist Sarah Kupke auch von der Bürokratie, über die viel ihrer deutschen Kollegen klagen. „Wenn ich etwas für die Schule brauche, geht das in der Regel schnell“, sagt sie. Freie Hand hat sie auch bei der Auswahl der Lehrer: „Ich habe jeden Lehrer persönlich eingestellt.“ Die Pädagogen kommen wie die Schüler aus aller Welt: Deutsche sind darunter, Engländer, Amerikaner, Ungarn, Japaner und Mexikaner. Die Schüler stammen überwiegend aus asiatischen Ländern. Unterrichtssprachen sind Englisch und Deutsch. Viel Wert legt die Schulleiterin aber auf die Multilingualität ihrer Schüler. „Die Muttersprachen der Kinder stehen gleichberechtigt neben Englisch und Deutsch.“

Einen direkten Draht hat Kupke nicht nur zu den Lehrern und Schülern, sondern auch zu den Eltern. Der Abschied fällt ihr deshalb schwer. Doch ihr liegt am Herzen, das pädagogische Profil der Schulen weiterzuentwickeln und immer auf dem neuesten Stand zu sein.

In Sindelfingen wird Sarah Kupke weiter wohnen bleiben und in Nach-Corona-Zeiten auch wieder Theater spielen – ihre zweite große Leidenschaft. Denn vor allem als Schauspielerin und Akteurin der lokalen Kulturszene ist die Pädagogin in Sindelfingen bekannt. Seit anderthalb Jahren sitzt sie zudem als Stadträtin für die SPD im Sindelfinger Gemeinderat.

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