Wegen eines drohenden Felssturzes am Drackensteiner Hang war es vor einigen Wochen zu langen Staus im Bereich der A 8 gekommen. Foto: picture alliance/dpa/Marijan Murat

Die Sperrung des A8-Albabstiegs zwischen Merklingen und Mühlhausen im Täle wegen der Gefahr eines Felssturzes dürften viele Anwohner nicht vergessen haben. Eine weitere könnte folgen. Warum?

Johannes Küchle, der Sprecher der Interessengemeinschaft Pro E-Trasse, ist sich sicher: Die Sperrung der A 8 in Fahrtrichtung Stuttgart zwischen den Anschlussstellen Merklingen und Mühlhausen im Täle wegen der Gefahr eines Felssturzes dürften viele Menschen in der Region nicht vergessen haben. Denn der Ausweichverkehr verstopfte die Umleitungsstrecke, B 10 und B 466 sowie die vielen Zubringerstraßen im Umland, teilt Küchle mit. In diesen Tagen der Sperrung hätten die Bewohner der Städte und Gemeinden aufgrund des Umfahrungsverkehrs gespürt, wie dringend der Ausbau des Albaufstiegs der A 8 angegangen werden muss, betont der Sprecher der IG Pro E-Trasse. Diese setzt sich seit Jahren für den Ausbau der Autobahn ein.

 

Lange Staus zwischen Ulm und Geislingen

Von Ulm bis Geislingen und von Geislingen ins Täle war ein Vorwärtskommen fast unmöglich. Wer konnte, mied an den Tagen der Sperrung die Fahrt mit dem Auto. „Von Geislingen bis Mühlhausen braucht man normal nicht mehr als 30 Minuten“, ergänzt Küchle in der Pressemitteilung. „In der Zeit der A-8-Sperrung betrug die Zeit für diese Strecke zwei Stunden.“ Viele Handwerker überlegten sich zweimal, ob sie Baumaterial abholen sollten. Auf manchen Baustellen kam es wegen der Sperrung zur Verzögerung, weil Lastwagen mit dem Material nicht durchkamen. „Auf jedem Feldweg und auf allen innerörtlichen Straßen staute sich der Umfahrungsverkehr.“

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Küchle hofft, dass es in nächster Zeit nicht nochmals zu einem solchen Szenario komme. Damit dürfte er vielen Menschen auf der Alb und im Filstal aus dem Herzen sprechen. Allerdings könnte eine weitere Sperrung der Autobahn nicht so abwegig sein: „Mir liegen Bilder vor, die zeigen, dass die Brücken am Drackensteiner Hang sehr marode sind“, ergänzt der Mühlhausener. Darauf seien Betonabplatzungen zu erkennen, die bereits Armierungseisen freigelegt hätten. „Eine solche Reparatur würde bestimmt länger dauern. Dies wäre das perfekte Chaos“, fügt Küchle hinzu. Tagelanger Stau bedeute auch: tagelange Emission. „Abgas und Lärm sind dann fast nicht mehr auszuhalten“, mahnt der Mühlhausener Gemeinderat einen raschen Ausbau der Autobahn an. Das dadurch verursachte Verkehrschaos könne außerdem zu einem volkswirtschaftlichen Schaden in immenser Höhe führen.

Kritik vom Bürgermeister

Die Auslegung des Planfeststellungsverfahrens für den Ausbau sei abgeschlossen. Nun gehe es darum, das Verfahren abzuschließen und in die Bauplanung zu gehen. Auch geht Küchle auf den Antrag des Landesnaturschutzverbands (LNV) ein. Dieser hat beantragt, das Planfeststellungsverfahren auszusetzen bis einige offene Punkte geklärt seien. So zweifle der LNV die Berechnung der Emissionen an. Man sehe, dass es immer noch Organisationen gibt, die sich vor den Karren der Ausbaugegner spannen ließen, sagt Küchle. Kritik daran kommt auch von Mühlhausens Bürgermeister Bernd Schaefer. Sollte der LNV mit seinem Antrag durchkommen, gebe es für den Ausbau der A 8 keine Hoffnung mehr, befürchtet der Mühlhausener Rathauschef. Zustände wie bei der Autobahnsperrung seien dann an der Tagesordnung.

Küchle: Auch Ausbau der B 10 ist wichtig

Zeitplan
 Frühestens 2032 könnte der Ausbau der A 8 am Albaufstieg abgeschlossen sein. Darüber hat die Autobahngesellschaft kürzlich informiert. Mit dem Bau könnte Ende 2024 oder 2025 begonnen werden. Die Bauzeit wird auf sieben Jahre geschätzt. Der Planfeststellungsbeschluss wird für diesen Sommer erwartet.

B 10 neu
Johannes Küchle macht sich nicht nur für den Ausbau der Autobahn stark. Auch der Ausbau der Bundesstraße 10 dürfe nicht außer Acht gelassen werden. „Auch hier nimmt der Verkehr immer mehr zu – und auch die Staus.“ Man müsse sich auch für den Ausbau der neuen Bundesstraße stark machen und schnell umsetzen. Bis Mitte des Jahres 2025 soll der Planfeststellungsbeschluss stehen, erfuhren die Besucher einer Informationsveranstaltung in der Gemeinde Kuchen kürzlich. Danach könnte mit dem Bau begonnen werden. Der Ausbau bis Geislingen-Mitte kostet voraussichtlich 266 Millionen Euro.