Die beiden Birkacher Angebote gelten als gelebte Integration. Was, wenn es sie nicht mehr geben kann? Die Stadt versucht, die Zweifel zu zerstreuen. Foto: /dpa/Patrick Lux

Die Stadt hat einem Integrationsangebot in Stuttgart-Birkach eine Zukunft versprochen. Die Birkacher sorgen sich jetzt, dass es bei Lippenbekenntnissen bleibt.

Birkach - Sie trauen der Sache noch nicht. Zwei Monate nach ihrem ersten offenen Brief hat die Mobile Jugendarbeit Birkach-Plieningen mit einem weiteren Schreiben nachgelegt. Es geht um zwei Angebote im Birkacher Stadtteil Nord. Dort treffen sich seit vielen Jahren Frauen aus der Nachbarschaft einmal die Woche zum gemeinsamen Mittagessen und Reden, kurz Miki. Die Kinder können mit, sie werden betreut, damit die Mütter eine Verschnaufpause haben. Zudem gibt es einmal im Monat das medienpädagogische Angebot Kaffee, Kuchen, Kino.

Aus Sicht des Arbeitskreis Birkach-Nord, den die Mobile Jugendarbeit 2003 mit aufgebaut hat, sind die Treffen unabdingbar für den sozialen Frieden in Birkach-Nord. „Um das fragile soziale Miteinander im Wohngebiet zu schützen, muss die Stadt nun rasch zum Handeln übergehen“, schreibt Julian Schmid in dem Brief, der an die Stadträte, die Bezirksbeiräte, das Jugendamt und die Presse ging. Denn die Angebote haben zeitweise gewackelt.

Das Thema Scheinselbstständigkeit führt zu dem Beschluss

Wie berichtet, hat sich das städtische Elternseminar entschlossen, nicht mehr mit selbstständigen Honorarkräften zusammenzuarbeiten – aus steuerlichen Gründen rund ums Thema Scheinselbstständigkeit. Diese Entscheidung hatte zum einen bei den rund 80 Honorarkräften zu Protesten geführt, zum anderen aber auch bei Einrichtungen wie jener in Birkach-Nord.

Die Treffen im Stadtteil- und Familienzentrum an der Erisdorfer Straße – einer Gegend, in der auch viele Menschen mit niedrigem Einkommen leben – sind wegen Corona derzeit zwar schwierig, doch sobald es wieder möglich ist, müsse das Angebot unbedingt wieder hochgefahren werden, heißt es aus Birkach.

Zweiter offener Brief der Mobilen Jugendarbeit

Die Stadt hatte bereits Mitte Juni gegenüber unserer Zeitung durchscheinen lassen, dass die Einrichtung in Birkach unter jenen sei, deren Angebot mit Mitarbeitern des Elternseminars weitergeführt werden könne. Im zweiten offenen Brief klingt durch, dass die Birkacher dem Frieden noch nicht trauen. „Nun muss das Jugendamt sein Lippenbekenntnis auch in konkrete Schritte ummünzen“, schreibt Julian Schmid von der Mobilen Jugendarbeit. „Denn nur damit kann die Stadt Stuttgart ihrer sozialen Verantwortung gegenüber den Familien gerecht werden.“

Katrin Schulze, Abteilungsleiterin fürs Elternseminar, versucht die Zweifel zu zerstreuen. Eben erst habe sie mit dem Leiter des Elternseminars gesprochen, sagt sie gegenüber unserer Zeitung. Das Angebot Miki „kann bei Nachfrage durch die Familien stattfinden“, sagt Schulze. Dasselbe gelte auch für Kaffee, Kuchen, Kino. „Bisher haben wir keine offizielle Info bekommen“, sagt Julian Schmid, „das reicht nicht“.

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