Auf dieser Paulus-Baustelle in Steinheim-Höpfigheim soll es bald weitergehen. Die Eigentümer können sich freuen, die Kosten für ihre Wohnungen bleiben gleich. Foto: Werner Kuhnle

Vergangene Woche wurde auf einer Gläubigerversammlung bekannt, dass einige Paulus-Kunden glimpflich davonkommen. Für viele Bauprojekte im Kreis Ludwigsburg sieht es derweil düster aus – ist das auf Fehler des Bauträgers zurückzuführen?

Vergangene Woche verkündete Insolvenzverwalter Holger Leichtle die ersten guten Nachrichten seit der Pleite der Paulus Wohnbau aus Pleidelsheim im August. Acht Bauprojekte scheinen gerettet, darunter Mehrfamilienhäuser in Steinheim-Höpfigheim, Sindelfingen und Leinfelden-Echterdingen.

 

In einem Gespräch am Montag konkretisierte Leichtle nun die frohe Botschaft: „Wenn alles so umgesetzt wird, wie geplant, kommen die Eigentümer der acht Bauprojekte gut weg. Es wird eine Bauzeitverzögerung geben, es kommen aber keine Mehrkosten auf die Käufer zu.“ Das ist ein beachtlicher Zwischenerfolg, doch noch lange nicht das Ende des Insolvenzverfahrens mit rund 83 Millionen Euro an Gläubiger-Forderungen. Denn Dutzende Paulus-Eigentümer haben bereits Zehn- und Hunderttausende Euro in ihren Traum vom Eigenheim investiert, wissen aber immer noch nicht, ob und wie ihre Wohnungen fertiggestellt werden.

Problem: Kosten höher als Erträge

Konkret ist der Bau von 17 Projekten ungewiss, darunter besonders viele aus dem Kreis Ludwigsburg. Unter anderem stehen Mehrfamilienhäuser in Marbach-Rielinghausen, in der Pleidelsheimer Römerstraße, in der Bietigheimer Hindenburgstraße, sowie ein Gebäude in Kornwestheim und zwei in Ludwigsburg auf der Kippe. Die Herausforderung bei diesen Projekten ist simpel: Die Fertigstellungskosten sind höher als die ausstehenden Erträge. Die Banken haben also kein Interesse, die Fertigstellung zu finanzieren.

In den kommenden Wochen wolle sich Leichtle intensiv mit den Projekten auseinandersetzen und Lösungen finden. Es scheint jedoch wahrscheinlich, dass die Paulus-Kunden am Ende mehr für ihre Wohnung zahlen müssen, als ursprünglich vereinbart. Eine zweite Option besteht darin, dass die Eigentümer die Fertigstellung ihrer Gebäude selbst in die Hand nehmen – mit der Hoffnung, dabei kostengünstiger wegzukommen. Im schlimmsten Fall steht eine Rückabwicklung der Bauprojekte an. „Das sehe ich aktuell zwar noch nicht, es ist aber nicht auszuschließen“, sagt Leichtle.

Welche Schuld trifft Paulus?

Der Insolvenzverwalter äußerte sich am Montag erstmals zu den Ursachen des Debakels. Das Umfeld sei schwierig gewesen, schickte Leichtle voraus. Explodierende Baukosten und der Rückgang der Kaufnachfrage seien bedeutende Sargnägel der Paulus-Insolvenz. Jedoch hätte die GmbH für ihre Größe sehr viele Bauprojekte am Laufen gehabt. „Es ist nie gut, so viele Projekte gleichzeitig umzusetzen.“ Hätte Paulus weniger gebaut, und weniger fremdfinanziert gebaut, hätten die Rahmenbedingungen wohl abgefedert werden können. Leichtle tut sich jedoch schwer mit dem Begriff „Schuld“: Im Rückblick könne man wohl von Schuld sprechen, gleichzeitig sei die Baukrise schwer vorauszusehen gewesen.

Es sei verständlich, dass einige Kunden sauer auf den Bauträger seien, er habe jedoch nicht außerordentlich viele Beschwerden wahrgenommen. „Klar ist, nicht jedes Bauprojekt lief gut. Aber wo laufen Bauprojekte schon reibungslos?“ Probleme seien in einem „normalen Maß“ aufgetreten.