Bitteres Ende nach Insolvenz in Vaihingen/Enz im Kreis Ludwigsburg: Trotz intensiver Bemühungen konnten keine tragfähigen Lösungen für das renommierte Weingut gefunden werden. Wie geht es nun weiter?
Es ist das bittere Ende einer Ära – und es ist ein bittereres Zeichen für die Weinbau-Branche insgesamt: Das Weingut Sonnenhof in Vaihingen-Gündelbach stellt seinen Betrieb ein. Im vergangenen Sommer hatte der Inhaber Martin Fischer Insolvenz angemeldet, danach arbeitete er monatelang mit dem Insolvenzverwalter Oliver Kirschnek an Lösungen, um das Weingut zu halten. Jetzt ist klar: Es hat nicht geklappt.
Bemerkenswert und wiederum ebenso bitter: Das Weingut ist nicht irgendeines. Der Sonnenhof in Gündelbach bewirtschaftete bis zu 53 Hektar und war damit lange Jahre das größte Privatweingut in Württemberg. Und eines der renommiertesten dazu. An der Qualität der Weine liegt das Scheitern des Betriebs also offenkundig nicht. Aber woran dann?
Extrem hohe Lohnkosten
„Die größte Herausforderung für das Weingut waren die extremen Kostensteigerungen“, sagt Martin Fischer. Diese seien vor allem durch die hohen Lohnkosten für die Saisonarbeitskräfte verursacht worden, die für die aufwendige Handarbeit in den Steillagen eingesetzt wurden. Diese exponierten Lagen machen 70 Prozent seiner Weinberge aus. Fischer sagt: „Wir haben selbstverständlich den Mindestlohn für alle osteuropäischen Saisonarbeiter entrichtet. Dadurch verschob sich wie überall auch das restliche Lohngefüge nach oben.“ Auch für Verkaufsverpackungen, allen voran für Flaschen, stiegen die Kosten drastisch an.
Die Marktentwicklung der vergangenen drei, vier Jahre hat dem Sonnenhof zu schaffen gemacht. Das Weingut in Gündelbach war seit jeher sehr gastrolastig. Etwa 50 Prozent der Weine wurden über die Gastronomie abgesetzt. Dann kam Corona. Durch die Lockdowns waren es plötzlich 20 bis 30 Prozent weniger Umsatz. „Das hat uns extrem gebeutelt“, sagte Martin Fischer vergangenen Sommer, als er Insolvenz anmeldete.
Damals hatte er noch die Hoffnung, seinen Sonnenhof retten zu können. In den vergangenen sechs Monaten konzentrierte Fischer sich darauf, die Ernte einzufahren und die Vertriebsleistung des Weinguts zu steiger. Neue Kunden konnten sowohl im Handel als auch in der Gastronomie sowie im Bereich der privaten Abnehmer gewonnen werden. Jedoch konnte der Absatz zu keiner Zeit an das Vor-Corona-Niveau anknüpfen.
Das Weingut, etwas abseits an der Straße zwischen Horrheim und Gündelbach, liegt in winterlicher Ruhe, als wäre nichts. Die Weinberge am Wachtkopf im Hintergrund, Felder ringsum, die Vinothek hat regulär geöffnet. Es gibt 25 Prozent Rabatt auf alles, wie lange der Abverkauf dauern wird, könne er nicht vorhersehen, sagt Martin Fischer.
Der langjährige Inhaber des Sonnenhofs ist kurz angebunden. Er sei gerade mit der Abwicklung beschäftigt. Das Weingut werde es dann nicht mehr geben. Für die Weinberge – darunter hektarweise Steillagen – suche er gerade „mit Hochdruck“ nach neuen Bewirtschaftern. „Bei schlechter Marktlage und noch schlechterer Personalverfügbarkeit bei gleichzeitig hohem Lohnniveau ist das aber eine fast unlösbare Aufgabe“, klagt Fischer.
Das Weingut wird es nicht mehr geben
Wie es ihm mit dem Aus des Weinguts geht, möchte er nicht erklären. Nur so viel: „Der Abschied fällt schwer, wir und unser Team blicken auf eine stolze Tradition zurück“, sagt Martin Fischer. Die Zahlen und Fakten dürften für sich sprechen. Vergangenes Jahr feierte der Sonnenhof sein 50-jähriges Bestehen. Seit dem Jahr 1979 hat das Weingut 50 Winzer ausgebildet. Es beschäftigte zuletzt zehn feste Mitarbeiter und übers Jahr bis zu 20 Saisonarbeiter.
Früh hatte man sich entschieden, bei der Qualität der angebotenen Weine Maßstäbe zu setzen. So wurden in den 1970er-Jahren Jahren Rekorde bei Süßwein-Mostgewichten gebrochen, in den 1980ern gehörte das Weingut bundesweit zu den ersten, die Weine im Barrique ausbauten. In den 1990ern kam die konsequente Temperaturführung in der Gärung dazu.
In jüngster Zeit wurde begonnen, Weißweine teilweise auf der Maische in Amphoren zu vergären und vermehrt auch im Holzfass auszubauen. Auch international fanden die Weine vom Sonnenhof Anklang, etwa fünf Prozent wurden nach China exportiert.
Vaihingen und der Wein
Schwieriger Markt
„Eine tragische Entwicklung“, nennt der Vaihinger Oberbürgermeister Uwe Skrzypek die Insolvenz des Weinguts Sonnenhof. „Wir erleben, dass sich unsere Weinbauern in einem Markt bewegen, der immer schwieriger wird.“ Skrzypek geht davon aus, dass der gesamte Markt noch weiter unter Druck geraten wird. Der Sonnenhof „wird nicht die letzte Unternehmensaufgabe in dem Bereich sein“. Als Stadt versuche man, „unseren Winzern das bestmögliche Podium zu bieten“, betont der Oberbürgermeister und nennt unter anderem die Vinothek Vaihingen, das Weindorf am Vaihinger Maientag und die Weinlöwen. Zudem ist Vaihingen an der Enz seit 1987 „Internationale Stadt der Rebe und des Weines“.
OB ist zuversichtlich
„Wir müssen unsere Kulturlandschaft bestmöglich erhalten“, sagt Skrzypek. Der Markt sei jedoch schwierig, daher hofft er auf das Qualitätsbewusstsein der Verbraucher. Was aus den Lagen im Stadtteil Gündelbach wird? „Ich bin zuversichtlich, dass da eine andere Form der Aufteilung unter den benachbarten Weingütern gefunden wird“, so der Oberbürgermeister. sl