Den Distelfalter trifft man vor allem in trockenen Lebensräumen wie den Blühflächen auf dem Schmidener Feld an. Foto: Michael Eick

Der Distelfalter (Vanessa cardui) ist ein echter Wanderfalter. Jedes Jahr besiedelt er Europa aufs Neue und kommt dabei sogar über das Mittelmeer geflogen. In unseren Breiten hat er eine Vorliebe für „Unkräuter“.

Fellbach - Für viele Menschen sind Reisen oft mit Urlaub verbunden. In der nahenden Ferienzeit geht es meist in Richtung Süden. Urlaubsländer rund ums Mittelmeer stehen hoch im Kurs. Wenige Stunden Flugzeit – und man ist am Ziel. Eine ähnliche Flugdistanz legt der Distelfalter zurück. Doch der Flattermann braucht dafür mehrere Wochen. Und seine Reise geht in die entgegengesetzte Richtung. Er startet jenseits des Mittelmeers im nördlichen ­Afrika. Von dort führt ihn sein Weg übers Meer, über die Alpen und dann schließlich zu uns. Egal welche Route er wählt, er muss mindestens ein höheres Gebirge überwinden.

Manchmal wandern sie in kleinen Schwärmen

Ziel der Reise ist meist Mitteleuropa. Manche Distelfalter verschlägt es sogar bis nach Skandinavien hoch bis an den Polarkreis. Die ersten Wanderer tauchen bereits im April auf, während die Masse im Sommer eintrifft. Je nach Wetterbedingungen fliegen ein oder zwei Generationen pro Jahr, dann können auch im Herbst noch viele der Wanderfalter unterwegs sein.

Manchmal wandern sie in kleinen Schwärmen. In besonders starken Einflugjahren können es an bestimmten Wegpunkten viele tausend Distelfalter in kurzer Zeit sein, die vorbeikommen. Im Zielgebiet stehen dann Nahrungssuche und Fortpflanzung auf der Agenda. Als Nektarpflanzen der Falter stehen Blüten verschiedener Distelarten ganz hoch im Kurs – der Name des Falters ist also Programm. Die vielfach als „Unkräuter“ geschmähten Pflanzen sind übrigens nicht nur für Distelfalter eine enorm wichtige Nektarquelle. Diese Schmetterlingsart trifft man vor allem in trockenen Lebensräumen an.

Distelfalter sind mit gut fünf bis sechs Zentimetern Flügelspannweite relativ große Schmetterlinge

Das können die Trockenrasen auf dem Fellbacher Kappelberg sein oder die Blühflächen auf dem Schmidener Feld. Manchmal lassen sie sich auch in der Stadt in Parkanlagen und Gärten blicken, solange es dort genügend nektarreiche Blütenpflanzen gibt. Der Sommerflieder ist meist ein Magnet für allerhand Schmetterlingsarten.

Distelfalter sind mit gut fünf bis sechs Zentimetern Flügelspannweite relativ große Schmetterlinge. Ihre orangebraunen Vorderflügel haben schwarze Spitzen mit einigen weißen Tupfen in unterschiedlicher Größe. Dazu kommen noch verteilt über den Flügel weitere unregelmäßig geformte schwarze Abzeichen. Die Hinterflügel sind ebenfalls bräunlich-orange mit schwarzen Flecken. Am Außenrand sind sie in zwei Reihen angeordnet und rahmen so die gesamten Flügel mit einem schwarz gepunktetem Band und einem feinen weißen Ornament ein. Die helle Unterseite ist beige-weiß marmoriert. Auffallend sind fünf Augenflecken im unteren Abschnitt der Hinterflügel. Die dunkleren Vorderflügel haben je zwei fast weiße, eckige und schwarz ein­gerahmte Felder am Vorderrand.

Der Körper der Raupen ist gelb-grün bis bräunlich mit einem variablen Muster aus dunklen Flecken und Streifen, welche die einzelnen Körperabschnitte optisch hervorheben. Auf jedem Segment tragen sie einen Ring mit verästelten rötlichen Dornen. Die Raupen fressen bevorzugt an der Brennnessel, die auch für andere Schmetterlinge eine sehr wichtige Futterpflanze darstellt.

Ein Leben in Etappen

Der Distelfalter ist eine Wanderfalterart. Diese Art kann man in fast dem ganzen europäischen Kontinent finden. Die Insekten kommen aber auch in Afrika und Asien vor. Darüber hinaus kann man ihnen in Nordamerika und Australien begegnen. Allerdings fliegen diese Schmetterlinge vielfach nur ein, sind also nicht bodenständig und dauerhaft vorkommend. Ihr Fortpflanzungsgebiet liegt schwerpunktmäßig vor allem in subtropischen Steppengebieten des Mittelmeergebietes. Dort können sie sich dauerhaft fortpflanzen.

Über das Zugverhalten der Distelfalter weiß man noch längst nicht alles. Bekannt ist, dass sich die Schmetterlinge von Winden tragen lassen. So können sie mit minimalem Kraftaufwand weite Entfernungen überwinden und Gebiete wie den hohen Norden Europas erreichen, in die sie aus eigener Kraft vielleicht nie vordringen würden.

Die erste Raupengeneration kann man in den Fortpflanzungsgebieten ab Frühsommer antreffen. Dort finden sich später im August und September dann ebenfalls die Raupen der zweiten Generation. Sie werden etwa 40 Millimeter lang und tragen auf jedem Segment einen Dornenring. Die aus ihnen entstehenden erwachsenen Falter wandern wieder nach Südeuropa, wo sie dann überwintern – falls sie die Wanderung überleben.

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