Die Krisenkommunikation in der Coronapandemie verlangt Kritik, aber keine neuen Zuständigkeiten, meint Christopher Ziedler.
Berlin - Verständnis hat es schon viel gegeben dafür, dass Corona auch für die Politik Neuland ist und neue Erkenntnisse alte Gewissheiten infrage stellen. Das gilt auch für die Omikron-Variante des Virus. Umso ärgerlicher ist dann, wenn der Kanzler markig von „Kurs halten“ spricht. Fakt ist, dass derzeit jeder eigenverantwortlich entscheidet, wie er mit der Welle umgeht. Das muss nichts Schlechtes sein – die politisch Verantwortlichen sollten das aber auch so benennen.
Verwirrung in undurchsichtiger Lage
Allein verantwortlich sind sie für die zusätzliche Verwirrung, die sie in einer ohnehin undurchsichtigen Lage erzeugen – mit der Verkürzung des Genesenstatus, dem eingeschränkten Testanspruch oder der Rolle rückwärts bei der möglichen Impfpflicht.
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Der Expertenrat legt den Finger in die Wunde. Seine Forderungen schießen teils aber übers Ziel hinaus. Sicher wäre es sinnvoll, Zielgruppen besser anzusprechen oder die Warn-App für mehr Informationen oder Verhaltenstipps zu nutzen. Die Vorstellung jedoch, eine neue Informationsinfrastruktur oder gar eine „Institution“ aufzubauen, geht zu weit. Es mangelt nicht an Zuständigen, sondern an Koordination. Die freie Presse, die Informationen unabhängig verbreiten, einordnen und kritisch hinterfragen soll, gibt es schließlich auch noch.