Nicilisches erreicht auf Instagram 390.000 Follower. Auch auf der umstrittenen Plattform OnlyFans ist sie aktiv. Für viele Menschen ein Widerspruch zum Muttersein. Was denkt die Esslingerin?
Der Körper von Nicilisches ist von Kopf bis Fuß mit Tattoos geschmückt. Auf dem linken Mittelfinger ziert sie ein Batman und auch auf der Ohrmuschel trägt sie ein kleines Kunstwerk. Die Mutter einer vier Monate alten Tochter fällt mit ihrem Aussehen auf, auch bei dem Gespräch in einer Cafeteria. Auf Instagram und anderen Plattformen wie OnlyFans folgen der 37-Jährigen Hunderttausende. Alleine auf Insta sind es 390.000 Follower. Meist zeigt sich die Esslingerin in knappen, körperbetonten Outfits. Ihr Körper steht hier im Mittelpunkt. Viele bewundern die junge Frau hier vor allem wegen ihres Äußeren.
Andere hingegen üben harsche Kritik: „Du bist faul, zieh dich an“, schreibt ein User. Der Fakt, dass die Influencerin nebenbei Mutter ist, zwei Jobs ausübt und versucht eine eigene Modemarke zu etablieren, werde oft außer Acht gelassen, findet sie. Trotz Häme in sozialen Netzwerken steht Nicilisches zu dem, was sie tut – auch, wenn sie ihren echten Namen lieber nicht verraten will.
„Ich bin glücklich mit meinem Leben“, sagt sie. Doch das Leben in der Social-Media-Öffentlichkeit habe auch Schattenseiten: „Ich sehe die Entwicklung in den sozialen Medien unter Vorbehalt. Viele Jüngere nehmen sich falsche Schönheitsideale zum Vorbild.“ Zu viel werde im Nachhinein bearbeitet, findet sie.
Mehr Schein als Sein
In der kritisierten fiktiven Welt wählte sie einen eigenen Weg und eröffnete einen Account bei der umstrittenen Plattform OnlyFans: „Mein damaliger Manager meinte, dass dadurch der Geldregen kommt“, sagt Nicilisches.
OnlyFans geriet in letzter Zeit immer wieder in die Kritik. Der User zahlt für ein Abonnement, um exklusive Inhalte einer Person zu sehen. Kritisch beäugt wird OnlyFans vor allem wegen pornografischer Inhalte und weil Minderjährige davor nicht ausreichend geschützt seien. Ein solches Abo kostet für die Beiträge von Nicilisches 10,99 Dollar. Auf ihrem OnlyFans Profil beschreibt sie ihren Auftritt mit Begriffen, wie Fußfetisch, Fetisch, GirlGirl (zwei Frauen). Ergänzend sagt sie: „Ich zeige meine Intimzonen nicht. Das möchte ich einfach nicht“.
Der von ihrem Ex-Manager verheißene, stürmische Geld-Regen habe sich aber eher als kleiner Schauer entpuppt: „Von den Einnahmen bleibt nicht viel übrig“, sagt sie. Denn: Die Plattform versteure den Beitrag doppelt.
Das Modeln und ihr Treiben auf den sozialen Plattformen sei aber auch nicht ihre Haupteinnahmequelle: „Ich arbeite bei einer Sicherheitsfirma und als Nageldesignerin“, sagt sie. Nach ihrem Schulabschluss habe sie eine Ausbildung zur Arzthelferin absolviert – eine Entscheidung, die ihre Erwartungen finanziell nicht erfüllt habe, wie die Influencerin heute sagt: „Nach der Ausbildung habe ich zusätzlich jedes Wochenende in einem Club gearbeitet.“ Ihre Vita beinhalte eine lange Liste an Jobs, etwa in Supermärkten. Neuerdings versucht sie, ihre eigene Modemarke zu etablieren.
Warum sie mit so einer Reichweite nicht hauptberuflich Influencerin ist, habe zwei Gründe: Einerseits falle es ihr schwer, sich vor einer laufenden Kamera zu präsentieren, daher lade sie kaum Videos hoch; auf der anderen möchte sie keine Produkte bewerben, für die sich nicht einsteht: „Viele machen Werbungen für alle Produkte, die ihnen angeboten werden“, kritisiert die junge Mutter.
Auch Angebote diverser Fernsehformate habe sie in der Vergangenheit abgelehnt: „Ich bin noch Old Fashioned. Ich habe zwar viele Anfragen von Trash-TV Fernsehsendungen bekommen, aber darauf habe ich keine Lust.“ Neben der vermeintlich perfekten Scheinwelt auf Instagram hadert sie auch mit den offensichtlichen Schattenseiten der Plattform: „Ich verstehe es wirklich nicht, warum Leute Hate-Kommentare schreiben müssen. Mir werden echt oft gemeine Sachen geschrieben“, sagt sie.
Hass und Häme gibt es auch im realen Leben
Mit solchen Kommentaren umzugehen, lernte sie schon früh in der Schulzeit: „Ich wurde gehänselt“, sagt das Model. Als Reaktion darauf fing sie an, ihren Körper so zu modellieren, wie es ihr gefällt. Durch diesen Wandlungsprozess entstand ihre Modelkarriere, die vor 17 Jahren mit Fotoshootings bei Tattoomagazinen begann.
Vor dem Schritt in die Modelwelt zogen sie und ihre Mutter aus Dresden nach Esslingen, da war Nicilisches drei Jahre alt: „Esslingen hat mir nicht so gut gefallen. Wir sind nach der Schule immer nach Stuttgart gefahren. Da ist es besser“, sagt sie.
Die Freude daran, Bilder zu machen verlor sie auch nach der Geburt ihrer Tochter vor vier Monaten nicht. Vieles habe sich dadurch zwar geändert, dies jedoch nicht. Manche User sehen allerdings einen Widerspruch zwischen dem Muttersein und ihrem freizügigen Auftreten im Internet: „Das arme Kind weiß, dass seine Mutter explizite Inhalte für OnlyFans produziert, wenn er in die Highschool kommt. Das Kind wird gemobbt werden“, schreibt ein Kritiker unter eines ihrer Bilder. Nicilisches sieht ihre Tocher durch ihre Arbeit auf OnlyFans nicht gefährdet und begründet das damit, dass sie Erotik-Themen eher locker nehme und außerdem auf die Unterstützung ihrer Familienmitgliedern zähle.
Auch über mögliche Kritik, die eines Tages beim Schulbesuch von anderen Eltern folgen könnte, sagt die 37-Jährige selbstsicher: „Die Leute sind geprägt von Vorurteilen. Wenn mich jemand darauf anspricht, sage ich: Mir gefallen die Bilder, dir auch?“
Wie lang sie das Ganze noch macht, weiß sie nicht. „Vielleicht so lange, bis meine Haut nicht mehr so schön ist“, sagt das Model. In naher Zukunft möchte sie ihre eigene Modemarke weiter etablieren.
Auch wenn Nicilisches sich diesen Traum noch nicht erfüllte, ist sie glücklich mit den zahlreichen Aufgaben, die sie in ihren unterschiedlichen Rollen zu bewerkstelligen hat: „Aktuell bin ich sehr glücklich mit dem Leben“, so die Arbeitnehmerin, Influencerin, Unternehmerin und Mutter zum Abschied.