Marianne Frank-Mast aus Althütte kennt Indien sehr gut. Das und ihre Sprachkenntnisse in Hindi helfen dem Verein bei seinen Projekten. Foto: Stoppel

Rikschas, indische Speisen und ein Auftritt der sanften Riesenpuppe Dundu: der Verein Mädchenschule Khadigram feiert in Althütte von 14. bis 16. September ein indisches Fest. Seit 15 Jahren bietet er indischen Mädchen die Chance, eine Schule zu besuchen.

Althütte - Einmal im Jahr, immer Mitte September, steht die 4000-Seelen-Gemeinde Althütte im Schwäbischen Wald ein bisschen Kopf: Rikschas kurven mit Besuchern rund ums Rathaus, klassische indische Musik ertönt, es duftet nach exotischen Gewürzen und Speisen. In den Bäumen hängen bunte Orissa Lampen mit unzähligen eingearbeiteten Spiegelchen und an einer Cocktailbar fließt vor allem ein Getränk in Strömen: Mango Lassi.

Verantwortlich für das Szenario ist eine Frau, die in den 1970er-Jahren als junge Krankenschwester zum ersten Mal nach Indien reiste, um dort im Entwicklungsdienst zu arbeiten. Anfang 20 war Marianne Frank-Mast damals – und sie wollte helfen. Daran hat sich bis heute nichts geändert, auch wenn Frank-Mast mit ihren mittlerweile 69 Jahren so manchen Tiefschlag erlebt und manche Enttäuschung hat verwinden müssen.

Schule statt schuften

Im Jahr 2003 hat die Mutter zweier Töchter den Verein Mädchenschule Khadigram gegründet. In dessen Schulen erhalten insbesondere Mädchen aus ärmsten Verhältnissen zumindest eine Grundschulbildung und die Chance auf ein bisschen Kindheit. Keine Selbstverständlichkeit in einem Land, in dem die Geburt einer Tochter ein Grund zur Trauer und Kinderarbeit weit verbreitet ist. Spielen – das ist für die Kinder, um die sich der Verein kümmert, meist ein Fremdwort und eine Beschäftigung, die sie erst in der Schule kennenlernen. „Daheim müssen sie arbeiten, sobald sie laufen können“, sagt Marianne Frank-Mast und berichtet, viele Mädchen würden in der Schule zum ersten Mal in ihrem Leben mit Namen angesprochen.

„Schule statt schuften“ ist das Motto des Vereins, der nun sein 15-jähriges Bestehen feiert. Marianne Frank-Mast ist stolz darauf: Die Lebensdauer solch kleiner Nichtregierungsorganisationen wie des Vereins Mädchenschule Khadigram liege meist bei weniger als fünf Jahren. „Wir haben 50 Mitglieder, aktive Mitglieder sind die wenigsten davon“, sagt die 69-Jährige, die umso aktiver ist. Bis vor kurzem ist sie drei- bis viermal pro Jahr nach Indien gereist um den diversen Kooperationspartnern vor Ort auf die Finger zu schauen. Dass das nötig ist, hat sie leidvoll erfahren müssen. „Korruption ist immer ein Thema“, sagt sie: „unser Verständnis davon ist ein völlig anderes, als es Leute in allen Entwicklungsländern haben.“

Verlässliche Partner sind wichtig

Die Arbeit in solchen Ländern sei leichter, wenn man einen verlässlichen Partner vor Ort habe – und ungleich anstrengender, wenn man den Verdacht habe, dass man von einem Partner betrogen werde. Im Falle der Internatsschule in Sabukpur sei genau das der Fall gewesen. Frank-Mast nennt Missmanagement und Korruption bei der indischen Partnerorganisation als Grund dafür, wieso sich ihr Verein aus diesem Projekt zurückgezogen hat. Sie hat nie einen Hehl aus dem Scheitern des Projekts gemacht, sondern offen darüber berichtet. „Aus diesem Grund sind viele Spender abgesprungen. Das war sehr bitter“, sagt Marianne Frank-Mast, die dennoch überzeugt ist, dass man solche Schwierigkeiten nicht verschweigen darf.

Gut läuft die Kooperation mit den Partnern der aktuellen Projekte – einer Ganztagsschule für 30 Mädchen, die die Grundschule nicht bis zum Ende besuchen konnten, einer „Nursing Academy“, die junge Frauen zu staatlich anerkannten Hebammen ausbildet, und einer Ganztagsschule für Slumkinder, die aus der Gruppe der Dalit, „Unberührbaren“ und der Stammesangehörigen Adivasi kommen. Zwei Mal im Jahr schaut die Vereinsvorsitzende dort vorbei. Nach dem Motto „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser“ fliegt sie auch mal unangemeldet hin: „So können die Partner keine potemkinschen Dörfer aufbauen.“

Auch Jungs haben es in den Slums schwer

Die Amtssprache Hindi kann Marianne Frank-Mast sprechen, schreiben und lesen. Das sei immens wichtig, betont sie – sei es, um Rechnungen zu kontrollieren, sei es, um die Kinder fragen zu können: „Was habt ihr gestern zu essen bekommen?“ Dass an der Shubham Primary School für Slumkinder in Anand auch ein gewisser Prozentsatz Jungen, maximal 25 Prozent, unterrichtet werden, hat manche Spenderinnen und Spender verärgert. „Auch die Jungs in den Slums haben es schwer“, hält Marianne Frank-Mast der Kritik entgegen und sagt: „Und es schadet auch nichts, wenn man ihnen eine andere Denke und Respekt gegenüber Frauen vermittelt. Holt man sie ins Boot, profitieren auch die Mädchen.“ Auf letzteren liege nach wie vor das Hauptaugenmerk des Vereins, sagt Marianne Frank-Mast, die mit ihrem Verein Projekte anstoßen und fördern will – mit dem Ziel, dass sie irgendwann von selbst laufen.

Indische Party beim Rathaus Althütte

Fest: Vom 14. bis 16. September feiert der Verein Mädchenschule Khadigram zum zehnten Mal sein „Fest im indischen Dorf“. Treffpunkt ist der Rathausplatz in Althütte. Freitags wird von 16 bis 22 Uhr gefeiert, am Samstag von 11.30 bis 20 Uhr und am Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Es gibt passende Speisen und Getränke.

Programm: Am Freitagabend von 20 Uhr an schaut mit dem mehrere Meter hohen Dundu eine der weltweit größten freispielbaren Puppen in Althütte vorbei. Der erleuchtete Riese wird von fünf Spielern zum Leben erweckt. Bereits von 16 Uhr an kann man sich Henna Tattoos malen lassen und einen Jongleur sehen.

Livemusik: Am Samstag tritt von 14 Uhr an Derrick Linco mit seinem Bombay Dance Club auf. Am Sonntag um 10 und 13 Uhr zeigt die DRK-Rettungshundestaffel mit ihren Vierbeinern ihr Können. Von 11 Uhr an spielt die Band D’Jazzer Swing, Blues und Dixiland. Ab 16 Uhr präsentiert die Company Anita Ilic klassischen, indischen Tanz. Der Eintritt ist frei.

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