In Birkach zuhause Vom Reis zum Obst und zurück

Von Ralf Recklies 

Duyen Lai Dinh hat  sich bei einer Vietnam-Reise selbst als Reisbauer versucht. Foto: privat
Duyen Lai Dinh hat sich bei einer Vietnam-Reise selbst als Reisbauer versucht. Foto: privat

Der in Nordvietnam geborene Duyen Lai Dinh lebt seit Anfang der 1960er Jahre in Stuttgart. Er ist ein Experte in Sachen Obstbau – der Reisanbau in seiner früheren Heimat beschäftigt ihn aber ebenfalls seit seiner Kindheit.

Birkach - Sein Alter sieht man Duyen Lai Dinh nicht an. Und der in Nordvietnam geborene 75-Jährige, dem ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) Anfang der 1960er Jahre ein Studium in Deutschland ermöglichte, fühlt sich auch keineswegs als Senior. Vielmehr verspürt er nach wie vor großen Tatendrang, den er – nachdem er seit 2009 im Ruhestand ist – unter anderem in der Vietnam Community Stuttgart (VCS) auslebt. VCS-Mitglieder treffen sich regelmäßig im katholischen Gemeindehaus Padua in Plieningen. Dort wird Lay Dinh am Samstag einen Vortrag über den Reisanbau in Vietnam berichten.

Der Reisanbau war beruflich aber nie Lay Dinhs Spezialgebiet. „Der spielt hier ja auch keine Rolle“, sagt er lachend und verrät, dass er sich nach seinem Studium in Hohenheim als promovierter Agrarwissenschaftler primär dem Apfel- und Zwetschgenanbau an derselben Uni beschäftigt hat. Das Thema Reis war aber stets präsent – wenn auch meist nur auf dem Mittagstisch.

Im Alltag wenig romantisch

„Inzwischen reisen viele Menschen aus Deutschland nach Vietnam. Der Tourismus dort wächst, und die Besucher sind oft beeindruckt vom Reisanbau“, sagt Lai Dinh, der mit seiner Frau Gabriele seit Mitte der 70er Jahre in Birkach lebt. Doch so romantisch die Reisfelder optisch auch anmuten, so problematisch ist der Reisanbau heute in Vietnam, weiß Lai Dinh. Er hat sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Nicht zuletzt, da er als Kind von Reisbauern bis zu seinem elften Lebensjahr – 1954 musste er mit seiner Familie aus dem Norden nach Südvietnam umsiedeln – selbst auf Reisfeldern mitgearbeitet hat. Auch erinnert er sich noch gut, was früher oft auf den Tisch kam: „Reis mit einer einfachen Fischsoße.“ Mehr habe sich die Familie oft nicht leisten können. In Stuttgart, so erzählt seine Frau, gibt es bei ihnen Reis indes als Beilage zu fast jedem Essen.

Reis aus Vietnam landet bei Lai Dinhs aber nicht auf dem Tisch. Der werde hier nicht angeboten, obwohl Vietnam einer der größten Reisproduzenten in Asien sei. Weil der Reis aber oft noch von Familien auf kleinen Feldern angebaut werde, sei die Qualität unterschiedlich. Auch komme mitunter viel Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Reis aus Vietnam sei daher nichts für den europäischen Markt mit hohem Qualitätsanspruch an die Nahrungsmittel, erklärt Lai Dinh.

Zweimal in die alte Heimat gereist

„Ich möchte mit meinem Vortrag aufzeigen, was es mit dem Reisanbau in Vietnam auf sich hat“, sagt Duyen Lai Dinh. Mit seiner Frau ist er zweimal in seine alte Heimat gereist – zuletzt 2012. Da hat er sich in seinem Heimatdorf – auch in Erinnerung an die Kindheit – auch einmal selbst als Reisbauer versucht. „Das ist eine sehr mühsame Arbeit“, sagt er. Diese Tatsache und die fortschreitende Industriealisierung und Technisierung Vietnams führten dazu, dass es immer weniger kleine Reisbauern gebe, weil die Jungen in die Städte abwanderten. „Reis ist aber nicht nur ein Nahrungsmittel, sondern ein wichtiges Kulturgut, ein Stück Tradition“, sagt Lai Dinh. So spiele der Reis und sein Anbau auch in Gedichten und der Musik eine wichtige Rolle. Und der wichtige Familienzusammenhalt fuße bei vielen Familien auf der gemeinsamen Arbeit auf den Reisfeldern.

Veränderung der Gesellschaft und Kultur droht

Wenn sich das weiter verändere, werde sich die Gesellschaft in Vietnam stark wandeln, denkt Duyen Lai Dinh. Wie schnell das geht, weiß auch seine Frau: „Als wir 1998 das erste Mal in Vietnam waren, haben wir noch das ursprüngliche Hanoi kennengelernt.“ Schon anderthalb Jahrzehnte später habe sich die Stadt vollkommen anders präsentiert, und die Veränderung schreite voran. Das sieht auch Duyen Lai Dinh so. Er befürchtet, dass mit dem Verschwinden der kleinen Reisbauern – inzwischen gibt es auch Maschinen, die beim Reisanbau zum Einsatz kommen – auch ein Teil Tradition und Kultur verloren geht. Die Maschinen ersparten zwar mühsame Arbeit – der Preis dafür sei aber ein hoher.

Duyen Lai Dinh spricht am Samstag, 8.  September, von 15.30 Uhr an über den Reisanbau in Vietnam. Ort des Vortrags ist das katholische Gemeindezentrum Padua, Wollgrasweg 11, in Plieningen. Der Eintritt ist frei.

Redaktion Birkach

Ansprechpartner
Judith A. Sägesser und Ralf Recklies
birkach@stz.zgs.de

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