Ob Verkauf oder nicht – bald stehen Sanierungsmaßnahmen an. Foto: Simon Granville

Renningen unternimmt zweiten Versuch, das denkmalgeschützte Anwesen in der Mühlgasse 6 zu verkaufen. Dieses Mal mit einem satten Abschlag.

Nachdem der Verkauf des historischen Ensembles in der Mühlgasse 6 im Jahr 2022 gescheitert ist, unternimmt die Stadt Renningen jetzt einen weiteren Versuch, das denkmalgeschützte Anwesen zu veräußern. Gelingen soll das durch einen satten Abschlag beim Mindestgebot: Statt 800 000 Euro sollen es nun nur noch 585 000 Euro sein, die ein Interessent mindestens aufbringen muss, wenn er das ehemalige Gehöft in der Ortsmitte erwerben will.

 

Eine unendliche Geschichte ist es zwar nicht, aber doch eine, die bereits seit dem Jahr 2002 auf einen Happy End wartet. Damals hatte die Stadt das baufällige historische Anwesen erworben. Ideen, was aus dem Komplex, bestehend aus einer großen Scheune von 1788, einem Wohnhaus aus dem 17. Jahrhundert sowie diversen Nebengebäuden, werden könnte, gab es reichlich: Angedacht war, dass das Stadtarchiv hier unterkommen könnte, ein archäologisches Museum, ein Kunstatelier oder auch eine Kleinkunstbühne.

Drei Interessenten sprangen bereits ab

Nichts davon wurde realisiert. Der Stadt war seinerzeit der finanzielle Aufwand zu groß, die Anlage instand zu setzen. In der Folge wurden lediglich Erhaltungsmaßnahmen durchgeführt, damit das denkmalgeschützte und für die Ortsgeschichte bedeutende Ensemble nicht in sich zusammenfällt.

Der erste Versuch, die Mühlgasse 6 an einen Investor mit der Auflage zu verkaufen, mindestens 75 Prozent der Nutzfläche in Wohnraum zu verwandeln, scheiterte vor zwei Jahren dann mit Ach und Krach: Wie der Erste Beigeordnete der Stadt Renningen am Montag im Gemeinderat erklärte, seien damals drei Interessenten angesichts der vor zwei Jahren herrschenden Marktlage wieder abgesprungen: „Das war eine denkbar schlechte Zeit für große, risikobehaftete Investitionen“, so Peter Müller.

Die Frage nach dem Preis

Die hohe Inflation im Zuge der Energiekrise sowie die Lieferengpässe in der Bauwirtschaft seien verantwortlich dafür gewesen, so die Stadt, dass das Verkaufsprojekt scheiterte. 800 000 Euro wollte Renningen ursprünglich für den Hof haben.

Der zweite Anlauf soll es jetzt richten: Im neuen Mindestgebot von 585 000 Euro, so erklärt die Stadt, sei nun sowohl die Preisbereinigung am Immobilienmarkt als auch die weiterhin bestehenden Risiken in der Bauwirtschaft berücksichtigt. Weitgehend gleich blieben hingegen die Kriterien, die ein potenzieller Interessent erfüllen muss, will er den Zuschlag erhalten. So muss ein Investor zum Beispiel gleich zwei Referenzprojekte nachweisen, die sein Know-how beim Sanieren historischer Bauwerke belegt.

Vom üppigen Abschlag beim Mindestgebot zeigten sich am Montagabend indes nicht alle Stadträte begeistert. Ralph Geyer (CDU) erklärte für seine Fraktion, bei der Entscheidung nicht mitgehen zu können. „Wir haben schon damals gesagt, dass wir die Mühlgasse 6 nicht verschenken können“, so der Stadtrat. Es gebe keinen Zugzwang, sie jetzt verkaufen zu müssen. In der Hoffnung auf eine positive Marktentwicklung plädierte Geyer dafür, noch einmal zwei Jahre zu warten.

Das höchste Gebot bekommt den Zuschlag

Jürgen Lauffer von den Freien Wähler widersprach dem vehement: „Es wird nicht besser, wenn wir noch mal zwei oder vier Jahre warten.“ Der Stadtrat bezeichnete die Preissenkung als sinnvoll, schränkte aber ein, dass wegen der Grenzbebauung das Objekt, das über keinen Garten verfüge, „fast nicht verkaufbar ist“.

Dass ernst zu nehmende Interessenten tatsächlich den Mindestpreis als Gebot abgeben, glaubt Peter Müller nicht. Hintergrund: In dem punktebasierten Auswahlverfahren wird das höchste Gebot automatisch mit 30 von maximal 100 zu erzielenden Punkten belohnt. „Jeder, der sich bewirbt und nicht glaubt, der Einzige zu sein, ist deshalb gut beraten zu versuchen, das höchste Gebot abzugeben“, so Müller. Stadtbaumeister Hartmut Marx kündigte an, dass ein Nichtverkauf des Ensembles dazu führen werde, dass in naher Zukunft erneut erhaltende Maßnahmen am Gehöft durchgeführt werden müssten.

Eine große Mehrheit des Gemeinderats plädierte am Montag schließlich dafür, den Verkaufsprozess jetzt erneut anzustoßen. Über die Grundstücksvergabe soll bereits Ende April im Gremium abgestimmt werden.