Wer spielt was? Foto: IMAGO/Zoonar

Sechs Mal gehörten Bürger aus dem Landkreis im vergangenen Jahr zu Großgewinnern. Was bedeutet das? Und: Wer spielt so was eigentlich? Eine Lotto-Filialleiterin aus Böblingen erzählt.

Der 8. März ist Weltfrauentag. Für einen Glückspilz aus dem Kreis Böblingen dürfte das Datum seit dem vergangenen Jahr aber noch für etwas anderes stehen als für Feminismus und weibliches Empowerment: Denn am 8. März 2023 hat ein Lotto-Spieler aus der Region mehr als 3,7 Millionen Euro gewonnen. Der höchste Gewinn des Jahres im gesamten Kreis.

 

Ein ganz besonderes Silvester

Doch die Person ist nicht die einzige im Kreis Böblingen, für die 2023 ein gutes Jahr war: „Insgesamt gab es dort sechs Großgewinner, die mindestens 100 000 Euro gewonnen haben“, schreibt Viktoria Kesper, Pressesprecherin der Staatlichen Toto-Lotto GmbH Baden-Württemberg. Erst vor Kurzem, bei der Ziehung der Silvester-Millionen am 31. Dezember, ging einer von acht Millionengewinne an jemanden im Kreis Böblingen. Wenn das nicht mal ein Jahreswechsel ist, der im Gedächtnis bleibt.

30 Millionengewinne in Baden-Württemberg

Ist der Kreis Böblingen also ein Glückskreis für Lottospieler? Naja. Sechs Großgewinner hören sich gar nicht nach so viel an, wenn man sich die Zahlen in ganz Baden-Württemberg anschaut. Da gab es 2023 nämlich 185 Großgewinne von mindestens 100 000 Euro, wie Viktoria Kesper mitteilt. Dazu kommen 30 Millionengewinne. Natürlich spielen im Land auch mehr Menschen das Glücksspiel: 69,64 Millionen Spielaufträge seien dort abgegeben worden – im Kreis Böblingen waren es 2,24 Millionen.

So weit also die Zahlen. Aber wie sieht das Ganze vor Ort aus, wo Lottoscheine gekauft werden? In der Böblinger Innenstadt gibt es mehrere Lotto-Annahmestellen. Nina Hagani ist stellvertretende Filialleiterin des Tabakladens Barbarino in der Bahnhofstraße, wo auch Lotto-Scheine verkauft werden. Sie hat Erfahrung mit dem Glücksspiel. „Wir verkaufen fünfzehn bis zwanzig Scheine pro Stunde“, sagt sie. Und betont: „Mindestens.“

Der Jackpot lockt

Von Gelegenheitsspielern, die mal ein einzelnes Feld spielen, bis hin zu denen, die schon seit Jahren jede Ziehung mitnehmen, sei alles dabei. Das variiere seit jeher. Konstant sei in ihren Augen hingegen die allgemeine Anzahl an Losverkäufen. Auch sieht sie keine Jahreszeitentrends, dass etwa um Weihnachten herum mehr oder weniger gespielt wird als sonst. Nur ein Trend sei deutlich: „Bei einem hohen Jackpot spielen mehr Leute“, sagt sie. So wie an diesem Tag, wo um 120 Millionen gespielt wird.

Wirkliche Spieltypen gibt es nach ihrer Erfahrung aber nicht. Auf Alter, Geschlecht oder Berufsfeld komme es nicht an: Jeder spiele Lotto. Trotzdem beobachtet Nina Hagani Unterschiede beim Spielverhalten: „Die Jüngeren spielen ganz anders als alteingesessene Spieler.“ Zum einen setzen sie auf unterschiedliche Spiele – die Älteren auf die traditionellere Lotterie, die Jungen auch mal auf den Eurojackpot, wo in verschiedenen europäischen Ländern gemeinsam gespielt wird. Das berühmte Toto, wo die Teilnehmer auf Fußballvereine setzen, spielen laut Nina Hagani nur noch ältere Herren. „Das stirbt langsam aus“, sagt sie.

Der Weg zum Gewinn: Lottoschein statt Zigaretten

Zum anderen spielen die Älteren regelmäßiger. Für viele sei es zur Tradition, zur Gewohnheit geworden. Sie deutet auf eine Dame in den Achtzigern, die gerade einige Scheine kauft. „Viele spielen schon ihr Leben lang“, sagt sie. Selbst, wenn sie nicht mehr gut zu Fuß seien, zum Lottospielen kommen sie immer. Viele bleiben oft auch ein bisschen. Einfach, um mit jemandem zu reden.

So hat man mit den Lottospielern auch persönlich zu tun. Umso aufregender, wenn dann mal jemand was gewinnt. Einmal hat Nina Hagani das miterlebt. Ein Kunde sei jeden Tag nach der Arbeit in den Laden gekommen. Er hatte gerade aufgehört zu rauchen und sich statt der Zigaretten immer ein Los gekauft. „Eines Tages hat er 15 000 Euro gewonnen“, sagt sie. Er sei mit einem Beweisfoto in den Laden gekommen, das zeigte, dass das Los von dort stammt. „Das war genial“, sagt sie. Alle haben sich mitgefreut.