Szene nach der Partie zwischen Frankreich und Deutschland am Freitag im Stade de France von Paris Foto: dpa

Die Nationalelf tritt an diesem Dienstag wie geplant zum Länderspiel gegen die Niederlande an. Unser Redakteur Thomas Näher erzählt in einem Radiointerview von seinen Erlebnissen von Freitag, als er bis nachts im Stade de France ausharren musste.

Hannover - Mehrere Stunden lang tagte am Sonntag in der Zentrale des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) in Frankfurt der Krisenstab, dann stand fest: Das Länderspiel gegen die Niederlande findet wie vorgesehen an diesem Dienstag (20.45 Uhr/ZDF) in Hannover statt – nicht trotz, sondern gerade wegen der Terrorangriffe rund um die Partie gegen Frankreich am vergangenen Freitagabend in Paris. Nach zwei Tagen voller Angst und Trauer um die 129 Toten soll der Fußball über den Terror siegen.

„Dass die Mannschaft ­wenige Tage nach den schlimmen Erfahrungen in Paris gegen die Niederlande aufläuft, ist ein gebotenes Zeichen. Der Respekt für diese Demonstration der Solidarität mit den Opfern und dem gesamten französischen Volk gebührt Bundestrainer Joachim Löw und jedem einzelnen Spieler“, sagte Reinhard Rauball. Auch Oliver Bierhoff hob den moralischen Anspruch hervor. „Spieler, Trainer und Betreuer wissen, dass es wichtig ist, sich für unsere Werte und Kultur einzusetzen“, sagte der Manager der Nationalmannschaft.

Wie sehr die deutschen Spieler noch unter den Eindrücken der Terrornacht von Paris leiden, die sie in den Katakomben des Stade de France verbrachten, machte Kapitän Bastian Schweinsteiger deutlich. „Ich bin immer noch fassungslos darüber, was am Freitag passiert ist“, schrieb er am Sonntag auf Twitter, „ich möchte allen, die von dieser Tragödie betroffen sind, mein tiefstes Mitgefühl aussprechen. Zusätzlich möchte ich aller Opfer in Beirut gedenken, die bei den Anschlägen am Tag zuvor ums Leben gekommen sind. Wir sind vereint.“

Hier das Interview mit unserem Sportredakteur Thomas Näher, der alles im Stade de France miterlebte:

Die Kanzlerin kommt nach Hannover

Zu der Begegnung in Hannover haben sich „als Zeichen der Solidarität“ mit den Opfern von Paris und der geschundenen Nation Frankreich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel und das gesamte Kabinett angesagt. „Gerade jetzt dürfen und werden wir nicht weichen“, erklärte Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD). Mit einer Schweigeminute wird der deutsche Profifußball am kommenden Wochenende der Opfer von Paris gedenken. Zudem werden die Spieler der Bundesliga und der zweiten Liga Trauerflor tragen.

Bei den Beratungen zwischen den beiden DFB-Interimspräsidenten Reinhard Rauball und Rainer Koch sowie Schatzmeister Reinhard Grindel, Oliver Bierhoff und Joachim Löw wurde eine Absage des Länderspiels zumindest diskutiert. Nun, da es stattfindet, wird der DFB sein Sicherheitskonzept überprüfen. „Das ist ein schmaler Grat, man muss für die Gefahren eine große Sensibilität haben. Aber wir werden ein Zeichen geben, dass sich die Zuschauer im Stadion sicher fühlen können“, sagte der Sicherheitsbeauftragte Hendrik Große Lefert.

Die Mannschaft, die nach dem Rückflug von Paris nach Deutschland am Samstag frei bekommen hatte, trifft sich an diesem Montag in der Sportschule Barsinghausen bei Hannover. Um 13 Uhr werden Bundestrainer Joachim Löw und Oliver Bierhoff eine gemeinsame Pressekonferenz abhalten. Nicht im Kader wird Schweinsteiger stehen. Der Profi von Manchester United bekam wie Manuel Neuer und Lukas Podolski von Löw eine Pause. Jérôme Boateng (Knie) und Jonas Hector (Oberschenkel) fehlen verletzt. Leroy Sané reist wie vereinbart zur U 21.

Kein Fußballfest

Aus Solidarität mit den deutschen Kollegen und aus Sicherheitsgründen hatten die französischen Nationalspieler ebenfalls im Stadion ausgeharrt. „Das war eine grandiose kameradschaftliche Geste“, sagte Rauball. Matratzen wurden ausgelegt, aber Schlaf fanden die wenigsten. „Die Spieler waren sehr ängstlich, geschockt. Es herrschte große Unsicherheit“, sagte Bierhoff.

In der HDI-Arena wird die historische Rivalität mit dem Nachbarn aus den Niederlanden keine Rolle spielen – anders als bei vorangegangenen Duellen. „Es darf natürlich kein Fußballspiel sein, wo La-Ola-Wellen im Vordergrund stehen“, sagte Koch.

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