Die Gastronomin Senel Olivieri hat für ihre Event-Location „Noli“ den Saal des traditionsreichen Denkendorfer Gasthauses „Krone“ renoviert. Bei den Arbeiten wurden überraschend eine Stuckdecke und gusseiserne Säulen freigelegt.
Eine abgehängte Decke, dunkle Holzvertäfelungen an den Wänden, dunkelblaue, schwere Vorhänge, eine braune Falttür zur Abtrennung des Raumes sowie ein düsterer Flur mit braunen Fliesen an Wand und Boden: Der Saal des Gasthauses „Krone“ in Denkendorf verströmte zuletzt pure Tristesse. Und doch hat sich Senel Olivieri spontan in den Raum verliebt, als sie eigentlich auf der Suche nach einem Büro samt Lagermöglichkeiten war.
Gemeinsam mit ihrem Mann Maurizio Olivieri hatte die 55-Jährige mehr als ein Vierteljahrhundert in der Gastronomie gearbeitet und dabei seit längerer Zeit auch Hochzeiten oder andere größere Veranstaltungen organisiert. Das komme ihrer kreativen Ader entgegen, verrät sie. Obwohl die gebürtige Türkin als Kind in Altbach lebte und auch Verwandte in und um Denkendorf hat, stieß sie eher zufällig auf den Saal der „Krone“. Der sei zwar in einem „katastrophalen Zustand“ gewesen, doch: „Ich sah sofort das Potenzial.“ Für Senel Olivieri war klar, dass sie daraus einen Ort machen würde, an dem sie Hochzeiten, Geburtstagsfeste, Firmenveranstaltungen oder andere große Feste ausrichten kann. Sie pachtete den Saal, der 1904 an das historische Gebäude aus dem 17. Jahrhundert angebaut worden war, und machte sich 2019 an die Renovierung. Dem Denkmalschutz unterliegt laut Olivieri der Saal nicht – im Gegensatz zum Hauptgebäude.
Hinter der Zwischendecke kommen Stuckelemente zum Vorschein
Als die Zwischendecke entfernt war, trat eine insgesamt 5,60 Meter hohe Decke mit originalen Stuckelementen zutage. An den sechs Stuck-Rosetten hängen nun Kronleuchter. Eine weitere Entdeckung machten die Handwerker, als sie die hölzerne Verkleidung um die beiden Träger im Raum entfernten. Darunter kamen gusseiserne Säulen mit floralen Motiven zum Vorschein, die einst in der Maschinenfabrik Esslingen gegossen worden waren. „Sie sind ein wahrer Schatzfund“, schwärmt Olivieri von den Säulen. Sie bilden schwarz lackiert nun einen Kontrast zum Weiß von Decke und Wänden. Seit die Verkleidungen entfernt wurden, ist auch das historische Wandbild an der Rückwand der Bühne, das Gasthaus und Metzgerei „Krone“ samt Umgebung zur Entstehungszeit des Saales abbildet, ebenso wie die Bögen vor der Bühne wieder vollständig zu sehen.
„Eigentlich waren alle schönen alten Dinge verdeckt“, bedauert die Gastronomin. Der historische Holzfußboden sei leider nicht mehr zu retten gewesen und musste ersetzt werden. Erneuert wurden zudem nicht nur die gesamte Elektrik, sondern auch die Fenster, die nun wegen des Lärmschutzes eine Dreifachverglasung haben. Auch die Sanitäranlagen, die Küche und der Flur wurden modernisiert.
Möbliert hat Olivieri den Saal mit Massivholzmöbeln, an denen zwischen 50 und 150 Personen Platz finden. Auch in der neuen, gemütlichen Sitzecke mit Polstermöbeln kann man es sich bequem machen. Wie viel sie in die Sanierung gesteckt hat, will Olivieri nicht verraten. Durch ihre beruflichen Erfahrungen in der Finanzbranche könne sie mit Geld umgehen. Weil die Sanierung aufwendiger war als gedacht, verschob sich die Eröffnung auf den November 2019 – kurz bevor Corona wieder alles vermasselte. „Manche bereits geplante Hochzeit wurde bis zu dreimal verschoben“, erinnert sie sich.
Inzwischen wird im Saal natürlich längst wieder getafelt. Es werden – überwiegend am Wochenende – Hochzeiten gefeiert und runde Geburtstage, Jubiläen, Weihnachtsfeiern und Firmenveranstaltungen ausgerichtet. „Noli Event und Wedding“ hat Senel Olivieri ihr Unternehmen genannt – gemäß dem Motto „No limits to your dreams“ (keine Grenzen für deine Träume). Ihre Kundschaft sei international, doch „zu 70 Prozent deutsch“.
Senel Olivieri: „Ein Stück Geschichte von Denkendorf
Zur Eröffnung seien auch viele ältere Menschen gekommen, die sich noch gut an Veranstaltungen im alten „Kronensaal“ erinnerten. Hochzeiten wurden hier gefeiert und Vereine trafen sich. Ein Mann habe ihr erzählt, dass amerikanische Soldaten nach dem Zweiten Weltkrieg im Saal Essen an Kinder ausgegeben hätten, berichtet Olivieri. Die Besucher seien begeistert von der Verwandlung gewesen, sagt sie nicht ohne Stolz. Das Objekt sei ihr ans Herz gewachsen: „Das ist mein Baby.“ Und das ist ihr wichtig: „Es ist auch ein Stück Geschichte von Denkendorf.“
Früher waren die Wirte meist auch Metzger
Lokale
Um 1900 nahmen die Gastwirtschaften in Denkendorf einen raschen Aufschwung. Elf sollen es 1910 gewesen sein. Eine Ursache war, dass viele Denkendorfer nach Esslingen zur Arbeit gingen und so Geld mit nach Hause brachten. Man traf sich im Gasthaus. Auch das Vereinswesen wuchs. Die Vereine tagten in den örtlichen Lokalen. Und auch die Hochzeiten wurden immer aufwendiger gefeiert. Für solche Anlässe brauchte es größere Räume, die an die Gaststätten angebaut wurden. So entstand 1904 auch der „Kronensaal“.
Gasthaus/Metzgerei
Über Jahrhunderte war in der „Krone“ eine Gaststätte samt Metzgerei beheimatet. Das Haus wechselte nur selten die Eigentümer, die Wirte waren meist auch Metzger. Erstmals erwähnt als Besitzer wird 1674 eine Familie Roth, später finden sich in den Archiven unter anderem die Namen Lang, Wendel und ab 1919 Mezger. Die Familie Mezger verkaufte das Gebäude 2017.