Marjoke Breuning will es bei der IHK Stuttgart noch mal wissen. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Marjoke Breuning, die Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, strebt eine weitere Amtsperiode an. Die Wahl Anfang 2021 findet nach der Konstituierung der neuen Vollversammlung statt – bekannte Namen werden in dem Gremium nicht mehr vertreten sein.

StuttgartDie Präsidentin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Region Stuttgart, Marjoke Breuning, will im kommenden Jahr erneut für dieses Amt kandidieren. Dies sagte Breuning unserer Zeitung. Sie freue sich auch „auf die vielen neuen Gesichter“ in der künftigen Vollversammlung. Das Gremium hat hundert Mitglieder, ein Drittel wurde bei der Wahl Ende vergangener Woche neu in die Vollversammlung gewählt. -

Auch Kammerkritiker Boeddinghaus in der Vollversammlung

„Die Vollversammlung war schon immer ein diskussionsfreudiges Gremium“, meinte die IHK-Präsidentin auf die Frage, was sie von der künftigen Rolle der kammerkritischen Gruppe, den sogenannten Kakteen, erwarte. Diese hatten bei der Wahl eine deutliche Niederlage hinnehmen müssen und stellen nur noch 14 statt wie bisher 35 Mitglieder in der Vollversammlung. Die Kakteen hätten Ideen, die diskutiert werden müssten. Neu in die Vollversammlung ist über den Wahlbezirk Göppingen Kai Boeddinghaus eingezogen. Boeddinghaus, langjähriger Geschäftsführer des Bundesverbands für Freie Kammern (Bffk), hat in Bad Boll ein Unternehmen, das Firmen bei Geschäften mit der öffentlichen Hand berät. „Ich bin gespannt darauf, Herrn Boeddinghaus persönlich kennenzulernen“, sagte Breuning. Boeddinghaus kämpft seit Jahren für die Abschaffung der Pflichtmitgliedschaft bei den Industrie- und Handelskammern. Kritiker sehen diese als „Zwangsmitgliedschaft“.

Vizepräsident Wilfried Porth wieder dabei

Bei der jüngsten Wahl zur Vollversammlung stieg der Anteil der Unternehmerinnen in diesem Gremium auf 25 Mitglieder. Johannes Schmalzl, der Hauptgeschäftsführer der Kammer, erklärte, es bleibe eine wichtige Aufgabe der IHK, den Anteil der Unternehmerinnen in den Gremien weiter zu steigern.

Mit 10,5 Prozent war die Wahlbeteiligung auf der Höhe der letzten Wahl im Jahr 2016 gelegen. Wiedergewählt wurde auch der bisherige Vizepräsident, Daimler-Personalvorstand Wilfried Porth. Heinrich Baumann, seither ebenfalls einer der beiden Stellvertreter Breunings und geschäftsführender Gesellschafter des Esslinger Autozulieferers Eberspächer, war indes nicht mehr angetreten. Unserer Zeitung sagte Baumann, dieser Entschluss sei schon länger festgestanden. Nach acht Jahren als Präsident der Bezirkskammer Esslingen und vier Jahren als Vizepräsident der IHK Region Stuttgart habe er seinen Platz frei machen wollen.

Auch andere Spitzenmanager von mittelständischen Firmen wie Matthias Kammüller, Geschäftsführer bei Trumpf, Bertram Kandziora, Vorstandsvorsitzender von Stihl, oder Hartmut Jenner, Vorstandschef von Kärcher, waren nicht mehr angetreten. Anders als Eberspächer sind diese Unternehmen aber weiter durch Manager in der Vollversammlung vertreten. Wiedergewählt wurden Claus Paal und Andreas Hadler, die Präsidenten der Bezirkskammern Rems-Murr und Böblingen. Die Präsidenten der Bezirkskammern gehören automatisch dem Präsidium der IHK Region Stuttgart an. Paal sagte, er sei bereits gebeten worden, wieder als Präsident der Bezirkskammer Rems-Murr anzutreten. Der Inhaber eines Beratungs- und Maschinenbauunternehmens meinte zum Ergebnis der Kammerwahl, das Abschneiden der Kakteen sei ein deutliches Signal dafür, „dass ihr destruktives Verhalten nicht erwünscht wird“. Ohne die schnelle Hilfe der IHK hätten wahrscheinlich viele kleinere Unternehmen die Corona-Krise nicht überlebt. Er sei zuversichtlich, dass die inhaltliche Arbeit jetzt stärker in der Vordergrund rücke.

Kakteen tüfteln an Strategie

Clemens Morlok, einer der Sprecher der Kakteen-Gruppe, zieht auch wieder in die Vollversammlung ein. „Es ist für uns nicht gut gelaufen, aber auch nicht durchgehend schlecht“, so sein Fazit. Bisher habe seine Gruppe auch über gerichtliche Auseinandersetzungen einiges erreicht. Zur Wahl zahlreicher neuer Mitglieder in die Vollversammlung sagte Morlok, er könne sich vorstellen, dass der Umgang lockerer werde. Gleichwohl meinte er: „Wir müssen uns neu aufstellen.“ Ähnlich sieht dies auch Boeddinghaus: „Als kleinere Gruppe braucht man eine andere Taktik.“ Die Wahlordnung habe die kleinen Betriebe benachteiligt und dazu geführt, dass die Wirtschaft in der Region nicht richtig widergespiegelt werde. Nach seiner Erfahrung – Boeddinghaus ist seit mehr als 15 Jahren Mitglied der Vollversammlung der IHK Kassel-Marburg – bewegten sich die etablierten Kräfte in den Kammern auf dem Verhandlungswege nicht.

Festhalten wollen die Kakteen an ihrer Forderung zu einer Sondersitzung der IHK zu den Themen Klimawandel und Lieferkettengesetz. Die Spitzenorganisation der Kammern, der DIHK, lehnt dieses Gesetz ab. Die Kakteen sind – anders als der DIHK – der Meinung, dafür fehle diesem die Legitimation.

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