Rolf Gerlach plant Arbeitswelten. Foto: Gottfried Stoppel

Meetings in einer Arena und eine Beleuchtung, die sich an die Tageszeit anpasst: In der Ideenwerkstatt im Schorndorfer Röhm-Areal ist zu sehen, wie sich unser Arbeitsumfeld wandeln könnte.

Schorndorf - Das Licht am Arbeitsplatz geht an, sobald jemand an den Schreibtisch tritt. Die großen Leuchten an der Decke arbeiten biodynamisch und passen sich farblich der Tageszeit an. Besprechungen können nicht nur in einem klassischen Konferenzraum, sondern auch in einer Art Arena stattfinden: Statt auf Stühlen sitzen die Zuhörer auf gemütlichen Stufen. Notizen werden nicht auf dem Flipchart festgehalten, sondern auf Boards an der Wand, die sich die Mitarbeiter danach unter den Arm klemmen und in ihr Büro mitnehmen können.

Wer selbst noch im klassischen Büro arbeitet, der bekommt bei solchen Einblicken in die Arbeitswelt der Zukunft große Augen. Zu sehen sind sie in der Ideenwerkstatt Stuttgart, die dieser Tage in Schorndorf offiziell eröffnet wird und in manchen Ecken aussieht wie ein ziemlich schickes Wohnzimmer. „Arbeitgeber müssen ihren Mitarbeitern heute ein Umfeld bieten, in dem sie sich wohlfühlen. Arbeitgeber müssen sich gegenüber Bewerbern vermarkten“, sagt Rolf Gerlach, der Gründer des Projekteinrichters Chairholder in Schorndorf und Mitbegründer der Schorndorfer Ideenwerkstatt.

Neue Arbeitswelt – neue Lösungen

Aber nicht nur der Fachkräftemangel und das zunehmende Buhlen um die besten Mitarbeiter veränderten die Bürolandschaft der Zukunft. Die Arbeitgeber müssten sich zudem auf neue Methoden einstellen. „Die meisten haben schon noch einen Schreibtisch, einen Stuhl und einen Rollcontainer. Aber insgesamt wird das Arbeiten viel agiler“, sagt Gerlach.

Wie sich diese Anforderungen umsetzen lassen, zeigt er zusammen mit unterschiedlichen Firmen in der Ideenwerkstatt. Es gibt mobile Kleinstbüros, variable Tische für spontane Besprechungen und technische Lösungen für neue Arbeitsformen. Auch eine schicke Küche darf dabei nicht fehlen – eine mit zwei Geschirrspülmaschinen. „Wir haben uns nicht verzählt“, sagt Rolf Gerlach und lacht. Aber so habe niemand eine Ausrede, seine dreckige Tasse nicht aufzuräumen zu können – und das tue dem Büroklima äußerst gut.

In der Ideenwerkstatt werden einige Prototypen gezeigt

Das Besondere an der Ideenwerkstatt ist das Konzept dahinter: „Partner aus der Beleuchtung, Technik, Akustik und Büroeinrichtung teilen ihr Wissen. Wir vernetzen unsere Kompetenzen und entwickeln daraus Ideen für die zukünftige Arbeitswelt“, erzählt Rolf Gerlach. Auf der 450-Quadratmeter-Fläche stehen einige Prototypen und der 48-Jährige ist erstaunt, wie offen die Firmen dabei miteinander umgehen: „Wir dürfen zum Beispiel kostenlos die Planungssoftware eines Partners nutzen“.

Schon vor der offiziellen Eröffnung waren Firmen wie Daimler oder Mahle da, um einen Tag auf Probe zu arbeiten und alle Möglichkeiten auszutesten. „Einzige Bedingung ist, dass sie uns abends von ihren Erfahrungen berichten und uns ein Feedback geben“, sagt Rolf Gerlach.

Zukunft der Arbeitswelt in einem Industrieareal aus der Vergangenheit

Beheimatet ist die Ideenwerkstatt wie Gerlachs Firma Chairholder in der ehemaligen Lederfabrik Röhm. Passt eine Plattform für die Zukunft des Arbeitens denn überhaupt in ein Industrieareal aus der Vergangenheit? „Wir können gut zeigen, was sich im Bestand alles machen lässt und dass es nicht immer nötig ist, neu zu bauen“, sagt Rolf Gerlach, der mit dem Röhm-Areal bereits seit zwölf Jahren verbunden ist.

Er war der erste Mieter, der in eines der Ziegelgebäude eingezogen ist. Mittlerweile plant er für seine eigenen Firma bereits die dritte Erweiterung im Röhm-Areal. Und auch seine 16 Mitarbeiter sollen natürlich von der neuen Ideenwerkstatt profitieren: „Wir haben unsere Telefonanlage darauf eingestellt, dass auch hier gearbeitet werden kann. Wir wollen es selbst leben, dass man überall arbeiten kann, egal wo man ist.“

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