Daniel Ricciardo bekommt eine Eiswasser-Dusche Foto: Getty Images Europe

Die Eiswasser-Prozedur ist in der Formel 1 angekommen – mehrere Fahrer lassen sich beim Großen Preis von Belgien mit eiskaltem Wasser übergießen, um auf die unheilbare Nervenkrankheit ALS aufmerksam zu machen.

Spa-Francorchamps - Kalte Duschen gibt es in der Formel 1 häufig. Weltmeister Sebastian Vettel wird in dieser Saison oft von der Konkurrenz nass gemacht, die Mercedes-Piloten Nico Rosberg und Lewis Hamilton lassen (meist) den Rest des Feldes aussehen wie begossene Rennpudel, zudem versuchen sie, sich gegenseitig eine unangenehme Dusche zu verpassen. Zumindest Hamilton weiß seit dem Rennen in Belgien, wie es sich anfühlt, mit richtigem Eiswasser übergossen zu werden. Der Brite wurde am Samstag von vier Mechanikern mit zwei großen Eimern voller kaltem Wasser überschüttet – er schüttelte sich und verschwand in der Box.

Ice bucket challenge bestanden. Die Eiseimer-Herausforderung ist im Rennsport angekommen. Die feucht-fröhliche Prozedur schwappte aus den USA herüber, damit soll auf die unheilbare Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) hingewiesen werden. Wer den eisigen Guss hinter sich gebracht hat, darf drei Kandidaten nominieren und soll für den Kampf gegen ALS spenden. 47 Millionen Euro sind weltweit zusammengekommen. Hamilton war von Daniel Ricciardo auf die Liste gesetzt worden, der Australier in Red-Bull-Diensten hatte sich am Freitag im Fahrerlager vor aller Öffentlichkeit übergießen lassen; er selbst war von Felipe Massa ausgesucht worden. Der Brasilianer gilt als derjenige, der die Eiseimer-Aktion in die Formel 1 geholt hat.

Der Brasilianer hat jedoch eine Light-Version geboten, auf einem Balkon in Badehose in warmen Gefilden. In den Ardennen muss man den Hintern zusammenkneifen, an der Rennstrecke herrschen selten mehr als zwölf Grad, da ist ein eisiger Guss von oben recht lästig und manchmal sogar etwas schmerzhaft. Red-Bull-Teamchef Christian Horner und Aerodynamik-Star Adrian Newey entgleisten die Gesichtszüge, als sie von Vettel, Ricciardo sowie zwei Teammitgliedern nass gemacht wurden. „Oh, mein Gott“, rief Horner und rannte schnurstracks ins warme Motorhome, Newey lächelte wenigstens noch kurz in die Objektive der Fotoreporter. Zuvor hatte Williams-Teamchefin Claire Williams im Fahrerlager bewiesen, dass auch Frauen zwar Respekt, aber keine Angst vor Eiswasser haben.

Streng genommen hat fast jeder Zuschauer am Samstag die Herausforderung bestanden, manche gar zweimal. Kurz nach 13 Uhr fühlten sich die Fans, als seien sie unter die Niagara-Fälle gebeamt worden; mancher überlegte, wie man eine Arche baut. Wer es noch unter ein Dach geschafft hatte, geriet womöglich kurz vor 16 Uhr in die zweite Sintflut. Im Gegensatz zum Formel-1-Gefolge konnten die Fans nicht schnell in trockene Klamotten hüpfen – da muss man hart im Nehmen sein. Die Ice bucket challenge stellt aber nur die zweitbeste Möglichkeit in der Formel 1 dar, um Aufmerksamkeit zu erhaschen. Die beste Variante, sich nass machen zu lassen: die Champagner-Dusche auf dem Podium. Daniel Ricciardo hat sie am Sonntag genossen. Bei etwa 12 Grad.

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