Die Marke belegt: Für diesen Hund wird die Hundesteuer bezahlt Foto: Wagner

Stuttgart hat eine besondere Aufspüraktion gestartet: Menschen sollen Hunde aufspüren.

Stuttgart - In Stuttgart hat am Montag eine Aufspüraktion der anderen Art begonnen. Diesmal suchen nicht Hunde nach Verschwundenen oder nach Rauschgift - die Stadt dreht den Spieß um und setzt menschliche Ermittler zum Aufspüren von Hunden ein, deren Herrchen und Frauchen keine Hundesteuer bezahlen.

Einige Hundert Haushalte haben schon am Montag unerwarteten Besuch erhalten: von zunächst 20 Mitarbeitern einer Privatfirma, die im Auftrag der Stadt nach nicht angemeldeten Hunden forscht. In einigen Fällen sind sie auch bereits fündig geworden. Doch es handelt sich nur um allererste Erfolge. Die "flächendeckende Bestandsaufnahme" wird bis in den Herbst hinein, voraussichtlich bis Oktober, andauern.

19,8 Hunde auf 1000 Einwohner

Damit in Stuttgart mehr Steuergerechtigkeit bei der Hundesteuer herrscht und damit mehr Geld in die Stadtkasse fließt, hat die Stadtverwaltung die Firma Springer Kommunale Dienste GmbH in Düren engagiert. Seit Montag sind 20 Mitarbeiter des Unternehmens bei Kontrollen unterwegs, schon kommende Woche soll die Zahl aufgestockt werden, damit alle rund 306.000 Haushalte aufgesucht und befragt werden können. Nur in den Sommerferien pausieren die Ermittler.

Zurzeit weiß das Steueramt von rund 11.700 Hunden in Stuttgart. Statistisch kommen damit 19,8 Hunde auf 1000 Einwohner. Weil die Quote in anderen Großstädten mitunter sogar deutlich höher liegt, vermutet die Stadtverwaltung, dass eine nennenswerte Zahl von Hunden noch nicht gemeldet ist und die Halter der Tiere sich dadurch Steuerzahlungen ersparen wollen. Daher haben sich Verwaltung und Stadträte bei den Haushaltsberatungen im Dezember 2009 entschieden, nach rund 14 Jahren Pause wieder eine flächendeckende Überprüfung vorzunehmen. Jetzt wird das umgesetzt.

612 Euro für gefährliche Rassen

Die Kontrolleure, die mit Ausweisen ausgestattet sind, klingeln deswegen an allen Haus- und Wohnungstüren. Sie fragen, ob und seit wann Hunde gehalten werden, außerdem nach Anzahl und Rasse der Tiere. Wer bisher nicht bezahlte, soll nachzahlen.

Laut Hundesteuersatzung muss ein Hund binnen eines Monats angemeldet werden, nur Tiere bis zum Alter von drei Monaten sind davon ausgenommen. Zum Zeichen, dass der Hund angemeldet ist, muss er die Hundesteuermarke am Halsband tragen. Geht sie verloren, kann man gegen eine Gebühr von fünf Euro Ersatz erhalten. Derartige Details sind auch auf einem Informationsblatt nachzulesen, das die Kontrolleure auf Wunsch an der Wohnungstür überreichen. Die Wohnungen betreten dürfen die Hundeermittler nicht.

612 Euro für gefährliche Rassen

Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) warb zum Auftakt der Aktion um Verständnis. Man habe die Hundesteuer seit 1995 nicht mehr erhöht. Zuletzt haben Verwaltung und Gemeinderat im Dezember bei den Haushaltsberatungen davon Abstand genommen, allerdings einhellig entschieden, dass man für die bessere Befolgung der bisherigen Regeln sorgen werde.

Zurzeit bezahlt man in der Landeshauptstadt für den ersten Hund 108 Euro im Jahr, für jeden weiteren Hund 216 Euro. Hunde, die zu den vom städtischen Ordnungsamt als gefährlich eingestuften Rassen gehören, schlagen mit 612 Euro zu Buche.

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