Für Hunde bestimmter Rassen sind bald höhere Beiträge fällig. Diese liegen immer noch unter dem Durchschnitt benachbarter Kommunen.
Eine extra hohe Steuer für bestimmte Hunde und Hunderassen ist gang und gäbe. Im Wesentlichen geht es um sogenannte Kampfhunde, die aufgrund ihrer Rasse als gefährlich bezeichnet werden. Doch auch faktisch gefährliche, also nachweislich bissige und aggressive Hunde, egal welcher Rasse, werden oft mit einer gesonderten Steuer belegt. Die einzige Ausnahme im einstigen Kreis Leonberg bildete bisher Friolzheim. Dort waren bisher keine gesonderten Abgaben für Hunde einer Rasseliste fällig. Das ändert sich nun erstmals – infolge eines Gemeinderatsbeschlusses.
Die Hundesteuersatzung von Friolzheim stand erstmals seit 2005 auf der Tagesordnung. Völlig unstrittig war der normale Hundesteuersatz von 90 Euro pro Jahr für den ersten und 180 Euro für jeden weiteren Hund – im Vergleich mit anderen Kommunen rings um Leonberg ein eher niedriger Betrag. Diskussionen im Gremium gab es dagegen um einen separaten und deutlich höheren Satz für die sogenannten Kampfhunde.
Nur zwei betroffene Hundehalter
Die Verwaltung hatte die Erhöhung vorgeschlagen. „Es geht um eine Lenkungsfunktion und nicht um Steuereinnahmen“, verdeutlichte Bürgermeister Michael Seiß. Was aber angesichts von gerade einmal zwei betroffenen Besitzern von Listenhunden im Flecken wohl auch niemand ernsthaft geglaubt hatte. Trotzdem dürfe Friolzheim nicht zur „Kampfhundesteuer-Oase“ werden, wie aus den Reihen von „Wir für Friolzheim“ und Freien Wählern zu hören war. Dass die Gemeinde bisher die einzige in der Umgebung ohne Sonderabgaben für Listenhunde war, führte unter anderem dazu, dass ein in Leonberg gehaltener Kampfhund unter der Adresse von Friolzheimer Verwandten angemeldet worden war. Dem Friolzheimer Hauptamtsleiter Eberhard Enz hatte dies offenbar einiges an Arbeit und Ärger bereitet, um den Sachverhalt richtig zu recherchieren und geradezurücken.
Für CDU-Rätin Karin Dinkelacker war der vorgeschlagene Betrag von 450 Euro für den ersten, 900 Euro für jeden weiteren Kampfhund nicht hoch genug. Sie verwies auf die Gefährlichkeit von aggressiv abgerichteten Tieren. Für Behandlungen im Falle von Beißattacken würde diese Summe bei weitem nicht ausreichen. Mitglieder von BUNT empfanden ihn eher als zu hoch. Letztlich wurde er mit großer Mehrheit angenommen.
In der Umgebung sind die Sätze meist höher
Mit den neuen Sätzen liegt Friolzheim immer noch am unteren Ende vergleichbarer Steuern in der Umgebung. In Renningen und Rutesheim beispielsweise, wo die Hundesteuersätze erst vor wenigen Jahren erhöht wurden, müssen für Listenhunde und nachweislich gefährliche Hunde 567 Euro pro Jahr bezahlt werden, sogar 1152 Euro für jeden zweiten. Gleiches gilt in Ditzingen. In Leonberg kostet ein Kampfhund jeweils 600 Euro. Deutlich günstiger sind die Beträge in Heimsheim. Dort zahlt man für einen einzelnen Listenhund 210 Euro, für jeden weiteren 420 Euro. Insgesamt hat Heimsheim verhältnismäßig niedrige Hundesteuersätze, mit 70 Euro für einen Hund liegt die Stadt sogar noch unter den Sätzen von Friolzheim.
Die Rasselisten gelten als sehr umstritten, und die Einordnung als Kampfhundrasse ist von Region zu Region sehr unterschiedlich. Selbst innerhalb von Deutschland gibt es große Abweichungen. In Bayern zum Beispiel zählt der Rottweiler ohne sogenannten Negativnachweis zu den Kampfhunden. Und im Schweizer Kanton Tessin gilt der Deutsche Schäferhund als potenziell gefährliche Rasse. Die in Deutschland bekanntesten Kampfhunderassen sind der American Staffordshire Terrier, Pitbull und Bullterrier.